Die Lufthansa und ihre Billigtochter Eurowings | Bildquelle: Matthias Kind/RB

Lufthansa, Eurowings, Germanwings Fluggästen droht Streik-Sommer

Stand: 20.06.2019 15:02 Uhr

Mitte Juli - pünktlich zur Ferienzeit - drohen Streiks bei der Lufthansa. Das Kabinenpersonal will den Arbeitgeber zurück an den Verhandlungstisch zwingen. Doch die Gewerkschaft UFO ist angeschlagen.

Von Michael Immel, ARD-Luftfahrtexperte

Säbelrasseln gehört zum Tarif-Poker. Den Tarifpartnern der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) und der Deutschen Lufthansa geht es jetzt um die Deutungshoheit in einem festgefahrenen Tarifstreit: Flugbegleiter contra Fluggesellschaft. Trotz Schlichtung und Schiedsstelle scheint keine Einigung in Sicht, und so erreicht die Eskalation ihren ersten Höhepunkt: UFO kündigt heute Streiks in der Ferienzeit an. Von den Arbeitskämpfen betroffen sein werden zuerst Eurowings/Germanwings, dann die Lufthansa.

Bei Eurowings hat die Gewerkschaft bis zuletzt verhandelt. Dort gebe es "ein unterschriftsreifes, fertiges Tarifergebnis", erklärt Daniel Flohr, stellvertretender UFO-Vorsitzender und Tarifvorstand. Doch Lufthansa habe die Gespräche vergangenen Freitag abgebrochen und alle Verhandlungen für beendet erklärt. "Wegen der Direktive aus der Konzernzentrale werden wir für bereits fertig verhandelte Vereinbarungen streiken müssen. Auch das gab es wohl noch nicht in dieser Republik", so Flohr verwundert über die Haltung der Lufthansa.

Streik: frühestens Mitte Juli

Die Gewerkschaft ruft zunächst ihre Mitglieder bei den Lufthansa-Töchtern Eurowings und Germanwings ab kommender Woche zur Urabstimmung auf. Diese wird zwei Wochen dauern. Dann wird ausgezählt und verkündet. Daher ist davon auszugehen, dass ein möglicher Streik erst in drei bis vier Wochen, also frühestens Mitte Juli losgehen könnte.

Auch die Muttergesellschaft Lufthansa will UFO bestreiken. Derzeit werden noch Tarifforderungen verfasst, "die dann ebenfalls zur Urabstimmung gestellt werden", so Flohr. In diesem Tarif-Poker braucht die Gewerkschaft aber noch Zeit. Der mögliche Streik bei Lufthansa könnte wohl frühestens in fünf bis sechs Wochen anstehen, also im August.

UFO selbst rechnet mit starkem Rückhalt bei ihren Mitgliedern. Doch die Gewerkschaft hat schon bessere Tage erlebt: Wegen Untreuevorwürfen ermitteln derzeit Staatsanwälte gegen mittlerweile zurückgetretene UFO-Vorstände. Das belastet und kratzt möglicher Weise an der Schlagfertigkeit, die UFO in der Vergangenheit mehrfach bewiesen hat.

Darf UFO streiken?

Lufthansa zweifelt die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaft an: "Einen Streik kann es nicht geben, da es derzeit weder offene Tarifverträge noch konkrete Forderungen gibt", erklärte der Konzern mit Blick auf die Kernmarke Lufthansa. Man stehe zur Tarifpartnerschaft. "Derzeit ist für uns nicht erkennbar, wann und wie UFO ihrer Rolle als berechenbarer, konstruktiver Tarifpartner wieder gerecht werden kann", heißt es von der größten deutschen Airline. Die Billigtochter Eurowings hat sich bislang noch nicht geäußert.

"Wir können nicht die Arbeitsbedingungen von über 20.000 Flugbegleitern ausgestalten, wenn nicht einmal die Wirksamkeit geschlossener Verträge sichergestellt ist", argumentiert Lufthansa. Die Kabinengewerkschaft UFO hatte Tarifverträge mit Lufthansa im März gekündigt. Die Airline wiederum hatte diese Kündigungen nicht anerkannt. Das deutet stark darauf hin, dass in diesem Tarifkonflikt erneut Juristen gefragt sein werden. Die Frage, ob UFO streiken darf oder nicht, entscheiden am Ende womöglich Arbeitsgerichte.

Ärger bei Eurowings

Innerhalb weniger Wochen musste Lufthansa zuletzt zwei schlechte Nachrichten vermelden. Im April ein überraschender Verlust für das erste Quartal des Jahres, dann reduzierte Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr, die vergangenen Sonntag veröffentlicht wurden. Es läuft nicht rund.

Verantwortlich für das gerissene Jahresziel wird in der Branche immer wieder die Billigmarke Eurowings genannt. Denn der Konkurrenzkampf auf dem Kurz- und Mittelstreckengeschäft ist gewaltig. Zwar ist Eurowings mit rund 200 Flugzeugen mittlerweile die Nummer drei im europäischen Markt der Billigflieger. Doch Easyjet und Ryanair machen Eurowings zu schaffen. Auf einzelnen Strecken läuft ein ruinöser Wettbewerb, bei dem günstig verkaufte Tickets immer öfter Verluste einbringen. Also muss künftig weiter gespart werden - vermutlich auch in der Kabine bei den Flugbegleitern.

Neuer Machtkampf?

Noch sind es Drohgebärden denn es geht um Einschüchterung, wie bei vielen anderen Tarifstreits in der Vergangenheit. Der Tarif-Poker wird in den kommenden Tagen zeigen, wie entschlossen und auch geschlossen die Gewerkschaft UFO auftritt. Und auch Carsten Spohr, Konzern-Vorstand der Lufthansa, wird erklären müssen, wie seine Strategie aussieht und wie er mit der Streik-Ankündigung umgeht. Den erbitterten Streik-Marathon zwischen Lufthansa und den Piloten, die zur Gewerkschaft Vereinigung Cockpit gehören, den haben viele Fluggäste längst nicht vergessen.

Gewerkschaft UFO droht mit Streiks bei Lufthansa und Eurowings
Lars Hofmann, HR
20.06.2019 16:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Juni 2019 um 15:00 Uhr.

Darstellung: