Eurowings A330 startet vom Flughafen Köln/Bonn.  | Bildquelle: dpa

Tarifstreit UFO bestreikt Lufthansa-Töchter

Stand: 18.10.2019 17:17 Uhr

Die Kabinengewerkschaft UFO wird nun doch keine Lufthansa-Flüge bestreiken. Bei den anderen Linien des Konzerns wird es jedoch am Sonntagmorgen Arbeitsniederlegungen geben.

Von Michael Immel, ARD-Luftfahrtexperte

Der Tarifkonflikt zwischen Kabinen-Gewerkschaft UFO und dem Lufthansa-Konzern eskaliert. Schon kurz vor dem ersten angekündigten Warnstreik ist gewaltiger Druck auf dem Kessel zu spüren.

Lufthansa reagiert nun und bietet ein Lohnplus von zwei Prozent für die Mitarbeiter in der Kabine an. Damit wird die Forderung der Gewerkschaft sogar übererfüllt - aber nur diese Tarifforderung für eine von insgesamt fünf Fluggesellschaften im Lufthansa-Konzern, heißt es aus dem UFO-Vorstand. Zudem sei eine freiwillige Zahlung etwas völlig anderes als eine tarifliche Vereinbarung.

UFO-Sprecher Baublies
galerie

Laut Gewerkschaftler Baublies will im UFO im Tarifkonflikt weiter offensiv vorgehen.

Lufthansa: Kein Verständnis für Ausstände bei Töchtern

In einer ersten Reaktion begrüßte Lufthansa die Absage des geplanten Warnstreiks im Mutterkonzern. Dennoch herrscht bei der Airline Unverständnis darüber, dass nun die anderen deutschen Konzerntöchter bestreikt werden sollen. Die größte deutsche Fluggesellschaft erkennt den UFO-Vorstand nach dessen Führungsquerelen nicht mehr als vertretungsberechtigt an und will der Gewerkschaft gerichtlich die Tariffähigkeit absprechen lassen. Der langjährige UFO-Vorsitzende Baublies wurde sogar aus dem Lufthansa-Dienst entlassen.

Tarifkonflikt bei Töchtern geht weiter

Damit ist zwar der Warnstreik bei der Muttergesellschaft Lufthansa vom Tisch, aber die Spartengewerkschaft hat noch andere Tarifthemen und Tarifforderungen für die deutschen Konzerntöchter. Und daher sollen diese kommenden Sonntag bestreikt werden. In der Zeit von fünf Uhr bis elf Uhr ruft UFO alle Mitarbeiter von Eurowings, Germanwings, SunExpress Deutschland sowie Lufthansa CityLine zu einem befristeten Streik auf.

Wo fallen Flüge aus?

Mehr als 300 Flüge von Eurowings, Germanwings, Lufthansa Cityline und SunExpress sind von dem Aufruf zum Warnstreik gefährdet. Zehntausende Passagiere müssen weiterhin um ihre Verbindungen bangen. Betroffen sind vor allem Eurowings-Basen wie Düsseldorf, Stuttgart oder Berlin. Aber auch an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München sind Streiks bei den Töchter-Fluggesellschaften geplant.

UFO sieht sich bestätigt

Der Lufthansa-Konzern wird derweil von UFO aufgefordert, bis Mitte kommender Woche Gesprächsangebote zu machen und Termine dafür vorzuschlagen. Die Kabinengewerkschaft sieht sich durch das kurzfristige Einlenken im Lufthansa-Mutterkonzern gestärkt, nun auch offene Tarifthemen bei den Lufthansa-Töchtern voranzutreiben. "Der Druck und die Entschlossenheit unserer Mitglieder hat Wirkung gezeigt", sagt der frühere UFO-Chef Nicoley Baublies gegenüber tagesschau.de.

Die Lage im Tarifkonflikt wirkte seit Tagen äußerst angespannt. Die Lufthansa hatte das Kabinenpersonal wissen lassen, bei möglichen Arbeitsniederlegungen handle sich ihrer Meinung nach um einen illegalen, "wilden Streik". Wer sich beteilige, müsse im Nachgang mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Gewerkschaft UFO berichtete von Mitarbeitern, "die sich entsetzt darüber äußern, dass die Arbeitgeber sich mittlerweile nicht mehr nur mit der Gewerkschaft streiten, sondern erstmalig die eigene Belegschaft bedrohen".

Urabstimmung geht weiter

Hier und da wurde der Warnstreik kommenden Sonntag schon als Showdown angesehen. Doch das Kräftemessen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber geht weiter. UFO kündigt heute weitere Schritte an: Die Gewerkschaft hat alle Mitglieder der Lufthansa-Muttergesellschaft und ihrer deutschen Konzerntöchter dazu aufgerufen, in einer Urabstimmung bis Anfang November zu entscheiden, ob die Gewerkschaft in unbefristete Streiks gehen soll. Diese wären bei einer mehrheitlichen Zustimmung der Mitglieder dann ab Anfang November möglich.

Lufthansa: Gewerkschaft UFO sagt Warnstreik ab
Roman Warschauer, HR
18.10.2019 17:35 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Oktober 2019 um 17:00 Uhr.

Darstellung: