Die Lufthansa und ihre Billigtochter Eurowings | Bildquelle: Matthias Kind/RB

UFO-Warnstreiks "Auch bei Lufthansa jederzeit möglich"

Stand: 19.10.2019 17:29 Uhr

Noch gestern hieß es, am Sonntag würden nur Eurowings und drei weitere Lufthansa-Töchter bestreikt. Nun droht UFO auch wieder mit Warnstreiks bei der Kernmarke. Um Tarifforderungen geht es dabei nur vordergründig.

Die Gewerkschaft UFO droht, die für Sonntagmorgen geplanten Warnstreiks bei vier Lufthansa-Töchtern auch wieder auf die Muttergesellschaft auszuweiten. Grund sei, dass die Lufthansa neue UFO-Forderungen nach Verhandlungen über mehr Gehalt am Freitagabend innerhalb nur einer Stunde schriftlich abgelehnt habe. "Streiks bei Lufthansa sind wieder jederzeit möglich", erklärte der stellvertretende UFO-Vorsitzende Daniel Flohr. "Lufthansa möchte uns bewusst provozieren."

Die Lufthansa bestätigte die Existenz des Schreibens, in dem der Arbeitgeberverband Luftverkehr der Gewerkschaft am Freitag mitteilte: "Auf Grund Ihrer mangelnden Abschlussfähigkeit sind auch weiterhin keine Gespräche mit Ihnen möglich."

UFO hatte am Freitag kurzfristig ihren für Sonntag angekündigten Warnstreik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft abgesagt, nachdem die Lufthansa freiwillige Gehaltserhöhungen von zwei Prozent für das Kabinenpersonal bei der Kernmarke angekündigt hatte. Unmittelbar danach schob UFO weitere Tarifforderungen nach, die Lufthansa mit dem Brief umgehend ablehnte.

Eurowings: "Volles Flugprogramm"

Nähere Angaben dazu, wann bei der Lufthansa gestreikt werden könnte, machte UFO nicht. Klar ist jedoch, wann es die vier Töchter Eurowings, Germanwings, Lufthansa Cityline und SunExpress trifft. Das Kabinenpersonal dort ist für diesen Sonntag zum Warnstreik aufgerufen - und zwar von 5 bis 11 Uhr. Nach UFO-Angaben sollen 340 Maschinen betroffen sein.

Eurowings betont hingegen auf seiner Website, man gehe davon aus, "das volle Flugprogramm während des Streikzeitraums aufrecht halten zu können". Wer einen Flug mit einer der betroffenen Airlines gebucht hat, sollte sich vor Abflug auf alle Fälle rechtzeitig bei der Fluggesellschaft informieren, ob dieser stattfindet.

Flughäfen rechnen mit geringen Auswirkungen

Mehrere Flughäfen gehen davon aus, dass die Kunden kaum Auswirkungen des Warnstreiks spüren werden: Am Frankfurter Flughafen sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa: "Wir haben von unserem Systempartner Lufthansa nach wie vor das Signal, dass sie davon ausgehen, dass es keine großen Einwirkungen auf den Flugbetrieb geben wird." Notfalls werde der Airport eigenes Personal zur Unterstützung bereitstellen und Passagiere im Flughafengebäude versorgen.

Auch in Düsseldorf sagte ein Flughafensprecher: "Nach Rücksprachen mit den Airlines gehen wir weiterhin davon aus, dass alle Flüge stattfinden."

Die Flughäfen Münster-Osnabrück und Dortmund haben voraussichtlich keine direkten Auswirkungen zu erwarten, da die Flüge der entsprechenden Lufthansa-Töchter außerhalb des Streikfensters starten. Am Stuttgarter Flughafen bekräftigte Lufthansa, möglichst keine Flüge ihrer zum Warnstreik aufgerufenen Töchter ausfallen zu lassen.

Interner Krach bei UFO

Hinter dem Arbeitskampf steht ein erbitterter Streit zwischen UFO und der Lufthansa: Arbeitgeber und Gewerkschaft beharken sich seit Monaten vor Gericht. Bei UFO war im Frühjahr nach internem Krach der gesamte Vorstand zurückgetreten.

Inzwischen wurde ein neuer Vorstand eingesetzt und nach rechtlichen Querelen ins Vereinsregister eingetragen. Die Lufthansa moniert, die UFO-Führung sei nicht satzungsgemäß gewählt worden, und weigert sich, Kündigungen von Tarifverträgen zu akzeptieren und Verhandlungen aufzunehmen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Oktober 2019 um 13:44 Uhr.

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