Ein Ticket der Lufthansa | Bildquelle: dpa

Stornierte Lufthansa-Flüge 650.000 Kunden warten auf Erstattung

Stand: 09.10.2020 14:48 Uhr

Noch immer warten 650.000 Lufthansa-Kunden auf die Erstattung stornierter Flugtickets. Laut Fluggesellschaft belaufen sich die offenen Forderungen auf knapp 300 Millionen Euro.

Etwa 650.000 Lufthansa-Kunden, deren Flüge in der Corona-Krise storniert wurden, warten weiter darauf, dass ihnen der Kaufpreis erstattet wird. Die Airline arbeitet nach eigenen Angaben unter Hochdruck daran, die verbliebenen Anträge auf Rückzahlung abzuarbeiten. Aktuell sei man durch verstärkten Personaleinsatz in der Lage, etwa 1700 Erstattungsanträge pro Stunde zu bearbeiten, hieß es. Die offenen Forderungen belaufen sich laut Lufthansa inzwischen auf noch knapp 300 Millionen Euro.

Da sich Flugpläne wegen geltender Reisebeschränkungen weiter änderten, komme es auch künftig zu unvermeidbaren Flugausfällen. Dadurch werde die Zahl der offenen Erstattungsanträge wohl nie vollständig auf Null absinken, hieß es von Seiten der Fluggesellschaft. Konzernweit wurden bislang 7,3 Millionen Tickets mit einem Gesamtvolumen von 3,2 Milliarden Euro erstattet.

Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg anhängig

Weil sie mit der Erstattung stornierter Flugtickets monatelang nicht hinterher kam, wurde sie kürzlich von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg verklagt. Vorangegangen war eine Abmahnung durch die Verbraucherschützer: Die Lufthansa habe ihre Kunden nicht über deren Rechte informiert, das Recht auf schnelle Erstattung verschwiegen und den Flugpreis nicht innerhalb von sieben Tagen zurückgezahlt. Da das Unternehmen nicht auf die Abmahnung reagierte, folgte die Klage.

Seit Ausbruch der Corona-Krise und der damit einhergehenden Reisewarnungen hatte die Lufthansa Millionen Flüge - und damit Tickets - stornieren müssen, die fristgerechte Erstattung jedoch nach eigenen Angaben versäumt. Dabei hatte der Konzernvorstand Ende Juli angekündigt, binnen vier bis sechs Wochen sämtliche Ticketpreise zu erstatten.

Neun Milliarden Euro Staatshilfen

Die von der Corona-Krise massiv betroffene Lufthansa und ihre Konzern-Marken hatten Staatshilfen in Höhe von insgesamt neun Milliarden Euro erhalten, um einen Kollaps abzuwenden. Auch vor diesem Hintergrund steht das Unternehmen wegen seiner schleppenden Erstattungspolitik seit längerem in der Kritik.

Um ihre Kunden milder zu stimmen, hatte die Lufthansa Ende August angekündigt, bis Jahresende auf Umbuchungsgebühren zu verzichten. Ungeachtet der staatlichen Unterstützung muss die Airline weiter einen rigiden Sparkurs fahren und Jobs abbauen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. September 2020 um 11:39 Uhr.

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