Zeichnung aus dem Gericht im Prozess gegen Bernard Madoff.

Milliardenschwindler Madoff verurteilt 150 Jahre Haft für historischen Betrug

Stand: 29.06.2009 19:12 Uhr

Im bisher größten Betrugsfall der Wirtschaftsgeschichte ist der frühere Star-Investor Madoff in New York zu 150 Jahren Haft verurteilt worden. Vor Gericht entschuldigte sich Madoff bei den Opfern. Diese hatten ihn zuvor als "Psychopath" beschimpft und in die Hölle gewünscht. Der 71-Jährige soll Anleger um bis zu 65 Milliarden Dollar geprellt haben.

Von Lena Bodewein, ARD-Hörfunkstudio New York

Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte ist das Urteil gesprochen: Milliardenschwindler Bernard Madoff wurde zu 150 Jahren Haft verurteilt - das Höchstmaß für den Rekordbetrüger.

Vor dem Gerichtsgebäude standen sich die Kamerateams gegenseitig auf den Füßen, viele Opfer und Schaulustige hatten sich im südlichen Manhattan versammelt. Um 9.55 Uhr Ortszeit betrat Häftling 61727-054 in dunklem Anzug und weißem Hemd den Gerichtssaal im achten Stock und setzte sich still an die Anklagebank. Um Punkt 10.00 Uhr betrat Richter Denny Chin den Saal und eröffnete die Sitzung.

Emotionale Berichte von neun Madoff-Opfern

Neun Opfer hatten die Gelegenheit dem Menschen gegenüber zu treten, dem sie vertraut hatten und der sie ruiniert hat. Sie hatten monatelang geübt, was sie sagen wollten – und viele wurden sehr emotional. Unter Tränen berichteten sie von dem Albtraum, zu dem ihr Leben jetzt geworden sei.

"Meine Ehe wurde im Himmel geschlossen – deine in der Hölle und dahin wirst du zurückkehren", sagte ein Betroffener. Eine Mutter, deren Tochter an der Universität studiert, sagte: "Seit dem 11. Dezember 2008, dem Tag als der Mega-Betrug aufflog, ist mein Leben die Hölle. Ich weiß nicht, wie ich mein Kind durchs College bringen soll."

Bernard Madoff
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Bernard Madoff soll den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen.

Kritik auch an den Kontrollmechanismen

Ein Ehepaar hat seine Renten-Rücklage und seine Krankenversicherung in Madoff-Fonds verloren. Viele, die schon in Rente waren, müssen wieder arbeiten. Judy Rafferty, eine Witwe, hält sich beispielsweise mit drei Jobs über Wasser: "Wir werden auf jeden Fall länger leben als unsere Ersparnisse noch reichen, das ist klar."

Viele Betroffene gaben auch den Regulierungsbehörden die Schuld. Deren Kontrollmechanismen hätten komplett versagt. Wie hätte es sonst passieren können, dass direkt vor ihrer Nase ein Psychopath dieses gigantische Verbrechen begeht.

"Es gibt dafür keine Entschuldigung"

Der Mann, der all dies Unheil ausgelöst hat, verfolgte die Aussagen mit gesenktem Kopf. Schließlich durfte er selbst das Wort ergreifen. Wie eine Gerichtsreporterin beschreibt, entschuldigte sich Madoff bei seinen Opfern und erklärt, einen fürchterlichen Fehler begangen zu haben. "Ich lebe in einem Zustand der Qual für all den Schmerz und das Leid, das ich verursacht habe", wird er zitiert. "Damit werde ich bis ans Ende meiner Tage leben müssen. Es gibt dafür keine Entschuldigung."

Und dann beschreibt die Reporterin einen unerwarteten Moment. Madoff drehte sich zu seinen Opfern um und sagte: "Ich weiß dass das nicht hilft. Es tut mir leid." Darauf folgte Totenstille, damit hatte niemand gerechnet.

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Applaus für eine "symbolische Strafe"

Kurz darauf verkündete der Richter sein Urteil: Das Höchstmaß von 150 Jahren. Es wurde von Applaus begrüßt. Das Gericht in New York folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der als liberal geltende Richter sagte, dass dies eine symbolische Strafe sei. Niemand lebe so lange. Aber es sei ein Zeichen, das die Opfer dringend benötigten.

Er begründete das Urteil mit dem immensen Ausmaß des Verbrechens. Es sei außergewöhnlich böse gewesen. Der Anwalt des geständigen Betrügers hatte für ein Strafmaß von nur 12 Jahren plädiert. Das Urteil bedeutet für den 71-jährigen Madoff, dass er höchstwahrscheinlich den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen wird.

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