Merkel sieht Aufschwung durch Schuldenkrise gefährdet "Wenn es Europa gut geht, geht es Deutschland gut"

Stand: 11.06.2011 13:11 Uhr

Die Schuldenkrise im Euroraum droht aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel den Aufschwung in Deutschland zu gefährden. "Wenn wir nicht richtig handeln, kann das passieren, aber das wollen wir ja genau verhindern", sagte die Kanzlerin in ihrem wöchentlichen Video-Podcast im Internet.

Angela Merkel Podcast Screenshot
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Screenshot aus dem Video-Podcast der Kanzlerin. Merkel macht sich darin erneut für Griechenland-Hilfen stark.

Über 60 Prozent des deutschen Exports gingen in den europäischen Bereich. Wenn es allen Europäern gut gehe, gehe es auch der deutschen Exportwirtschaft gut. Wegen der Vorteile des Euro sei es "richtig und gut, dass wir uns auch für den Euro als eine starke Währung einsetzen". Merkel sagte: "Wir dürfen nichts tun, was den Aufschwung weltweit insgesamt in Gefahr bringt und dann auch Deutschland wieder in Gefahr bringen würde." So dürfe man nicht einfach einen unkontrollierten Bankrott eines Landes zulassen, fügte sie mit Blick auf die Situation in Griechenland hinzu.

Die Bundesregierung hatte am Freitag breite Rückendeckung der schwarz-gelben Koalition für ihren umstrittenen Griechenland-Kurs erhalten. Ein gemeinsamer Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen zu weiteren Milliarden-Hilfen an Griechenland fand im Bundestag die nötige Mehrheit von Union und FDP. Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte zuvor eindringlich um Unterstützung für eine "weiche" Umschuldung und ein zweites Hilfspaket geworben: "Die Lage in Griechenland und damit in Europa ist ernst."

Wirschaftswachstum von über drei Prozent?

Zum Wirtschaftswachstum in Deutschland äußerte sich die Kanzlerin zuversichtlich: Die Regierung rechne in diesem Jahr mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von über drei Prozent, so Merkel. In der offiziellen Prognose gehe man bisher noch von 2,6 Prozent aus.

Merkel: Ordentliche Bezahlung für junge Fachkräfte

Merkel kritisierte zudem den Umgang deutscher Unternehmen mit jungen Fachkräften. Erst gebe es nur Praktika, dann befristete Arbeitsverträge. Wer sein Fachpersonal jedoch halten wolle, müsse eine gute Bezahlung und auch eine gute Perspektive bieten. Es könne nicht sein, sich Fachkräfte von außen zu holen, nur um das Lohnniveau zu drücken. Sie reagierte damit auch auf Forderungen aus der Wirtschaft, den Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland zu erleichtern.

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