Eine Frau putzt einen Fußboden | Bildquelle: dpa

Studie zu Entwicklung seit 2003 Zahl der Nebenjobber verdoppelt

Stand: 18.12.2017 16:14 Uhr

Seit 2003 hat sich die Zahl der Nebenjobber auf mehr als 3,2 Millionen verdoppelt. Das geht aus einer Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft hervor. 57 Prozent der Nebenjobber sind demnach Frauen.

Die Zahl der Beschäftigten mit einem Nebenverdienst hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt. Heute verdienen sich rund 3,2 Millionen Menschen in Deutschland mit einem Nebenjob ein Zubrot, wie das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mitteilte.

Demnach sind 57 Prozent der Nebenjobber Frauen. Ebenfalls 57 Prozent der Nebenjobber sind zwischen 35 und 54 Jahre alt.

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen Ost und West: Während in Westdeutschland 9,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine Nebentätigkeit ausüben, sind es in den ostdeutschen Bundesländern lediglich 4,1 Prozent.

Steuerliche Begünstigung

Die meisten Zweitjobber übten die Nebentätigkeit "keineswegs nur deshalb aus, weil sie mit ihrem Haupterwerb nicht über die Runden kommen", erklärte das arbeitgebernahe Institut.

"Dass Nebenjobs auch für Fachkräfte mit ordentlichem Einkommen attraktiv sind, liegt insbesondere an den Hartz-Reformen von 2003", erklärten die IW-Autoren. Demnach dürfen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte - insgesamt vier Fünftel der Zweitjobber - nebenbei bis zu 450 Euro hinzuverdienen, ohne zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. "Darüber hinaus bleibt der Nebenverdienst steuerfrei, wenn der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag entrichtet", erklärte das Institut.

Ein weiterer Grund für die stark gestiegene Zahl der Zweitjobs sei die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt. "Mehr verfügbare Stellen bringen auch mehr Möglichkeiten für Nebenjobber", erklärte das IW. Zudem verbessere sich "angesichts des großen Bedarfs an Fachkräften die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer". Am besten gelänge das offenbar im Dienstleistungssektor, wo sich die meisten geringfügigen Nebenjobs fänden.

Suche nach geringfügig Beschäftigten per Aushang | Bildquelle: dpa
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Das Angebot an Nebenjobs ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

Zudem hätten Vollzeitbeschäftigte, die einem Zweitjob nachgehen, in ihrem Hauptjob mit 18,12 Euro im Schnitt einen um 1,5 Prozent höheren Stundenlohn erzielt als Vollzeitbeschäftigte ohne Nebenjob, heißt es in der Studie. Erwerbstätige mit Nebenjob hätten im Durchschnitt zudem einen höheren Bildungsgrad.

Zusätzliche Belastung

Der Fraktionsvize der Linkspartei, Klaus Ernst, kritisierte hingegen, ein zusätzlicher Job sei vor allem eine "zusätzliche Belastung". Der Grund, warum viele Beschäftigte einen Nebenjob annähmen, sei "der geringe Lohn, den sie im Hauptjob verdienen".

Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge hätten "die 40 Prozent am unteren Ende der Einkommensskala seit 1999 Reallohneinbußen hinnehmen" müssen, kritisierte Ernst. "Für die Betroffenen ist eine normale 40-Stunden-Woche meilenweit entfernt - mit entsprechenden Gefahren für ihre Gesundheit", erklärte der Linken-Politiker. Der zusätzliche Job sei deshalb eine "zusätzliche Belastung".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Dezember 2017 um 12:00 Uhr.

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