Satellitenaufnahme der "FSO Safer" | Bildquelle: AP

"Floating Storage" Tanker als schwimmende Öllager

Stand: 18.09.2020 20:00 Uhr

Immer wenn es kriselt und der Ölpreis fällt, stauen sich die Tanker auf den Weltmeeren - als schwimmende Öllager. Auch in der Corona-Krise ist dieses Phänomen zu beobachten. Geht davon eine Gefahr aus?

Von Werner Eckert, SWR

"Floating Storage" - schwimmende Lagerung - nennt es die Branche, wenn Schiffe mehr als zwölf Tage auf der Stelle dümpeln. Die Corona-Pandemie hat da für einen vorläufigen Höhepunkt gesorgt. Doch auch wenn es oft als besonders risikoreich für die Umwelt angesehen wird: Belastbare Zahlen, die für eine erhöhte Umweltbelastung durch "Floating Storage" sprechen, gibt es nicht, und Tanker-Unfälle werden immer seltener.

Steigende Nachfrage nach schwimmenden Öllagern

Nach Mitte Mai werden die Ozean-Riesen der Welt nun zum zweiten Mal in dieser Krise zu Öl-Lagern. In den vergangenen Tagen buchten Ölhändler Tanker nicht nur - wie üblich - für Rohöl, sondern auch für Diesel und Kerosin. Denn die Lager an Land sind voll und die Preise niedrig. Es gibt viel mehr Angebot als Nachfrage, und Tankerkapazitäten sind derzeit eher günstig.

Denn die Zahl dieser Riesen, die VLCC ("very large crude carriers", auf Deutsch "sehr große Super-Tanker") genannt werden, steigt. Die Gesamt-Ladekapazität der Öltanker im Weltseehandel ist seit 2016 um zehn Prozent gewachsen - in den vergangenen 20 Jahren hat sie sich verdoppelt.

Deshalb sind Tanker derzeit nach Branchenangaben schon für weniger als 30.000 US-Dollar am Tag zu haben - in Spitzenzeiten wird fast zehnmal so viel Geld fällig. Da lohnt es sich, die Ware an Bord zu lassen und darauf zu hoffen, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt und die Ölpreise steigen. "Contango" nennen die Börsen diese Wette auf die Zukunft bei Öl.

Gefährliche Wetten

Doch das Spiel ist gefährlich: Schon im Mai haben Viele dabei verloren. Direkt nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie und dem kompletten Zusammenbruch der Nachfrage wurden Rekordmengen an Öl auf den Tankern gebunkert. Nach Angaben des "Safety and Shipping Review" der Allianz-Gruppe waren Mitte Mai mehr als 200 Millionen Barrel Öl auf Schiffen gelagert. Das ist der Welt-Verbrauch für zwei Tage - und hat rund fünf Prozent der Tankerkapazität gebunden. Auch damals gab es die Hoffnung, dass sich Abwarten auszahlen würde, angeheizt durch das Phänomen negativer Ölpreise Mitte April.

In der Tat hat sich der durchschnittliche Preis von Mai auf Juli verdoppelt: von ca. 20 auf 40 US-Dollar pro Barrel Öl. Er stagniert aber seitdem und das deutlich unter dem Wert vor der Krise, der bei 60 US-Dollar pro Barrel lag. Doch die Spekulation ist gefährlich, denn "Floating Storage" treibt die Nachfrage nach Tankerkapazitäten und trägt tendenziell zu steigenden Preisen bei.

"Floating Storage" - eine Gefahr für die Umwelt?

Eine andere Frage ist, ob die Lagerhaltung auf See auch für die Umwelt gefährlich ist. Die Zahl der Schiffverluste insgesamt lag im vergangenen Jahr bei 41 - das waren 70 Prozent weniger als noch um die Jahrtausendwende. Aber in der Branche grassiert die Sorge, dass die dümpelnden Lager-Tanker Ziele von Piraten werden könnten, Opfer von Stürmen oder von politischer Gewalt.

Das Parade-Beispiel ist die "FSO Safer". Der schwimmende Ölspeicher vor der Küste Jemens wurde schon vor Jahren von Huthi-Rebellen gekapert. Der Tanker hat nur eine einfache Hülle, und Umweltschützer warnen, dass das Schiff ohne Wartung und Reparaturen auseinanderbrechen könnte. Lecks sind bereits aufgetreten, und Pumpen funktionieren nicht mehr. Auch vor Venezuela liegt ein Schiff, die "Nabarmia", das in sehr schlechtem Zustand sein soll.

Keine belastbaren Belege

Es gibt allerdings keine belastbaren Daten, welchen Anteil das Phänomen "Floating Storage" an Schiffsunfällen hat - und ob es wirklich gefährlicher ist, wenn ein Schiff für eine Weile still liegt anstatt zu fahren. Bei den genannten Beispielen handelt es sich um Tanker, die seit Jahren stationär als Zwischenlager gedient haben.

Nach dem "Safety and Shipping Review" der Allianz ist im vergangenen Jahr kein Tanker weltweit gesunken. In den vergangenen zehn Jahren waren es insgesamt 15. Und die Menge Öl, die durch Tankerunfälle jährlich ins Meer gelangt, ist seit der Jahrtausendwende etwa zehnmal kleiner als im gleichen Zeitraum davor.

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