Theresienwiese in München | Bildquelle: LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/Shutt

Münchner Oktoberfest "Koa Wiesn" - keine Einnahmen

Stand: 19.09.2020 03:55 Uhr

Heute Mittag um zwölf Uhr wäre es eigentlich wieder so weit gewesen fürs diesjährige "O'zapft is". Der Ausfall des Münchner Oktoberfestes, der Wiesn, trifft die Schaustellerbranche hart.

Von Katharina Pfadenhauer, BR

Mit dem traditionellen "O'zapft is", das der Münchner Oberbürgermeister Tausenden Menschen im Schottenhammel-Festzelt entgegenruft, wird jedes Jahr das größte Volksfest der Welt eröffnet. Dieses Jahr aber fällt die Wiesn aus. Vor allem für Schausteller und Wirte ist das ein wirtschaftlicher Totalausfall.

Stefan Vogler ist Süßwarenproduzent und beliefert normalerweise rund 50 Oktoberfeststände. Derzeit brennt er täglich 500 Kilogramm Mandeln, halb so viel wie sonst zu dieser Zeit. Mit der Absage der Volksfeste ist erst einmal eine Welt für Vogler zusammengebrochen. "Es hat einen den Boden unter den Füßen weggezogen, weil man gar nicht gewusst hat: Was macht man mit dem ganzen Material, das man eingekauft hat?"

Wirtschaftlicher Totalausfall für Betriebe

Die Wiesn ist nicht nur das größte Volksfest der Welt, sie ist auch ein Fest für die Wirtschaft. Im vergangenen Jahr wurde in 16 Tagen Wiesn rund eine Milliarde Euro erwirtschaftet. Zu Spitzenzeiten kamen über sieben Millionen Menschen auf die Münchner Theresienwiese, tranken knapp sieben Millionen Maß Bier und aßen eine halbe Million Brathendl.

Mehr als 1000 Standbetreiber bewerben sich jedes Jahr für die Wiesn, etwa die Hälfte bekommt den Zuschlag. Dieses Jahr kam es erst gar nicht zum Zulassungsverfahren. Für die Schausteller und Marktkaufleute ist der Wiesn-Ausfall ein wirtschaftlicher Tiefschlag. Ihnen gehen aufgrund der Corona-Pandemie sechs Millionen potenzielle Kunden durch die Lappen.

Wegen der frühen Absage wurden allerdings nur sehr vereinzelt Herzn gebacken und Mandeln gelagert. Die meisten Schausteller und Marktkaufleute hätten erst gar keine großen Investitionen getätigt, sondern eher alles "auf Stillstand gefahren", heißt es beim Bayerischen Landesverband der Marktkaufleute und der Schausteller. Trotzdem entgeht ihnen das beste Geschäft des Jahres.

Blick in ein Bierzelt auf dem Oktoberfest in München (Archivbild aus dem Oktober 2019) | Bildquelle: AFP
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So sieht es auf der Wiesn normalerweise aus: Bierzeltstimmung auf dem Oktoberfest im vergangenen Jahr.

Wiesn-Ausfall sorgt für Wehmut

Für viele, die auf der Wiesn arbeiten, schwingt neben dem finanziellen Ausfall auch viel Wehmut mit. Die Rösser des Urthalerhofes im Bayerischen Oberland beispielsweise würden jetzt gerade im Sechsergespann Bierfässer durch die Münchner Innenstadt ziehen. Seit Wochen hätten sich die Pferdezüchter bereits auf den traditionellen Wiesn-Umzug vorbereitet und mehrmals in der Woche trainiert, damit die Pferde auch von der Kondition her durchhalten. "Aber auch bei uns muss jeder Handgriff sitzen mit den Leinen", erzählt der Inhaber des Urthalerhofes, Ludwig Käser. Ein paar Fahrten machen sie zwar noch zur Münchner Ersatz-Wiesn, aber es sei nicht das gleiche.

Ein Hauch von Wiesnstimmung in München

Schunkeln auf der Bierbank, anbandeln im Riesenrad - diese Bilder sieht man dieses Jahr in München wohl nicht. Stattdessen wollen die Wiesnwirte aber eine kleine Ersatz-Wiesn, die sogenannte Wirtshaus-Wiesn, veranstalten - auch, um ihr bereits gebrautes Oktoberfestbier an die Leute zu bringen.

Blaskapellen aus den Bierzelten können teilweise in dieser Zeit in Biergärten und Wirtshäusern spielen. Eine kleine Kapelle aus der Nähe von Cham etwa hat normalerweise einen Stammplatz in der Ochsenbraterei. In den kommenden zwei Wochen wird sie stattdessen am "Chinesischen Turm" spielen, einem Biergarten mitten im Englischen Garten.

Insgesamt wird in 54 Münchner Gastronomien mit Wiesn-Bier, Hendl, Haxn, Brezn und Blaskappelenmusik ein Hauch von Wiesn-Stimmung verbreitet. Auch die Schausteller bekommen die Möglichkeit, ihre Fahrgeschäfte und Stände vereinzelt aufzustellen. Massen wie auf der Wiesn - allein in das größte Bierzelt passen mehr als 9000 Menschen - wird es aber nicht geben.

Das größte Volksfest der Welt ist 25 Mal ausgefallen

Laut dem Münchner Wirtschaftsreferat geben die Oktoberfestgäste durchschnittlich 70 Euro direkt auf der Festwiese aus, hinzu kommen Verpflegung, Einkäufe, Taxifahrten und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, was sich alles in allem auf 285 Millionen Euro summiert. Mit Übernachtungsgästen nehmen Hotels und Pensionen zusätzlich insgesamt 505 Millionen Euro ein.

Seit der Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese am 12. Oktober 1810, dem Beginn des Oktoberfestes, ist es 24 Mal ausgefallen; dieses Jahr findet es zum 25. Mal nicht statt. Schausteller Stefan Vogler hat sich deshalb auf Fabrikverkauf eingestellt und verkauft seine Süßigkeiten jetzt in Supermärkten. Der direkte Kontakt zu den Schaustellern aber, der fehlt ihm schon.

Über dieses Thema berichtete Bayern 2 am 19. September 2020 um 08:00 Uhr.

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