Oliver Schmidt (Archivbild 2013) | Bildquelle: imago/ZUMA Press

Nach Dieselgate Ex-VW-Ingenieur kommt aus Haft frei

Stand: 20.01.2021 16:06 Uhr

Im Zuge von VW-Dieselgate wurde Oliver Schmidt in den USA zu sieben Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Überstellung nach Deutschland hat ein Richter nun die Haftentlassung für den Ingenieur angeordnet.

Von Alexander Drost, NDR

Keiner ist bislang für den VW-Abgasskandal härter bestraft worden als Oliver Schmidt. Heute hat nun ein Richter am Landgericht Lüneburg entschieden, dass der inzwischen 52-Jährige vorzeitig aus der Haft entlassen wird.

Der Ex-VW-Ingenieur Oliver Schmidt war bereits vergangenen September aus den USA nach Deutschland überstellt worden und saß seither in der Justizvollzugsanstalt Uelzen im offenen Vollzug ein. Zuerst hatte Bloomberg über die Freilassung berichtet.

Eine Rückschau

Schmidt war von 2012 bis Anfang 2015 für VW in den USA mit Umweltfragen betraut und kam danach wieder zurück zu Volkswagen in Wolfsburg.

Als er vor fast genau vier Jahren Urlaub in den USA machte, nahm ihn das FBI am Flughafen von Miami in Florida fest - denn Schmidt soll amerikanischen Behörden die Existenz der Betrugssoftware für Dieselautos verschwiegen haben. Das stritt er zunächst ab, ging später jedoch einen Deal mit der US-Justiz ein.

Ihm drohten 169 Jahre Haft

In diesem Teilgeständnis räumte Schmidt ein, an einer Verschwörung beteiligt gewesen zu sein und gegenüber US-Umweltbehörden Informationen weggelassen zu haben. Dieses Geständnis hatte dazu beigetragen, dass das angedrohte Strafmaß von insgesamt 169 Jahren Haft drastisch reduziert wurde.

Schmidt wurde schließlich wegen Verschwörung zum Betrug und Verstoßes gegen US-Umweltgesetze zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe von 400.000 Dollar verurteilt. Danach saß er in einem US-Bundesgefängnis nahe der Autostadt Detroit in Michigan in Haft.

Welche Rolle spielten die Vorgesetzten?

In der Öffentlichkeit wird Schmidt immer wieder als "Bauernopfer" bezeichnet. Tatsächlich geht aus amerikanischen Ermittlungsdokumenten hervor, dass sich Schmidt offenbar an Anweisungen aus der VW-Vorstandsebene gehalten haben soll, als er den amerikanischen Behörden den Betrug verheimlichte.

Volkswagen teilte dazu am Wochenende in einer Stellungnahme mit:

"Die von Oliver Schmidt geschilderten Sachverhalte im Kontext seiner etwaigen Kommunikation mit den US-Behörden lassen sich nach den Erkenntnissen der umfangreichen internen Sachverhaltsaufklärung nicht vollständig und zweifelsfrei rekonstruieren. Daher können wir die Richtigkeit der betreffenden Aussagen nicht bestätigen. Vor dem Hintergrund weiterer laufender Verfahren äußern wir uns darüber hinaus nicht weiter."

Gemäß dem amerikanischen Urteil hätte Schmidt noch rund drei Jahre in Haft sein müssen. Aber auch in den USA können Häftlinge durch gute Führung sogenannte Haftzeitgutschriften erhalten, die Schmidt auch hierzulande angerechnet wurden.

Abgesehen davon ist Schmidt in den USA auch wegen Verschwörung verurteilt worden - ein Straftatbestand, den es in Deutschland gar nicht gibt.

Verein für Gefangene im Ausland

Volkswagen hatte Schmidt nach seiner Verurteilung fristlos entlassen. Gegen die Kündigung hat er sich arbeitsrechtlich zur Wehr gesetzt. Das Verfahren ist bislang noch nicht abgeschlossen.

Nach seiner Erfahrung, im Ausland verhaftet und inhaftiert worden zu sein, denkt Schmidt über einen Verein nach, der anderen deutschen Staatsbürgern, die im Ausland im Gefängnis sitzen - und deren Angehörigen - mit Hilfe zur Seite steht.

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