Paketbote | Bildquelle: dpa

Paketzusteller und Supermarktbeschäftigte Viel Arbeit, wenig Lohn

Stand: 25.11.2020 12:35 Uhr

Für Paketzusteller und Beschäftigte in Supermärkten ist die Corona-Krise vor allem eines: viel Arbeit und viel Stress. Doch während ihre Arbeitgeber finanziell vom Boom profitieren, kommt bei den Angestellten wenig an.

Die Corona-Krise beschert sowohl dem Online-Handel als auch den großen Lebensmittelhändlern hohe Umsätze. Von dem Boom profitieren viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen allerdings kaum bis gar nicht.

1000 Euro weniger als der Durchschnitt aller Beschäftigten

So stieg bei den Post-, Kurier- und Expressdiensten das Gehalt in den vergangenen zehn Jahren deutlich langsamer als in der gesamten Wirtschaft. Das belegen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach legte der Bruttomonatsverdienst aller Beschäftigten der Paketbranche gemessen am Jahr 2010 um 15,6 Prozent zu. In der gesamten Wirtschaft waren es im gleichen Zeitraum plus 25,6 Prozent. Arbeitnehmer bei Post-, Kurier- und Expressdiensten profitierten also weniger als andere Beschäftigte von der guten wirtschaftlichen Entwicklung.

Vollzeitbeschäftigte der Branche bekamen im vergangenen Jahr durchschnittlich 2924 Euro brutto im Monat - rund 1000 Euro weniger als der Durchschnitt aller Beschäftigten (3994 Euro). Bei vielen Menschen in der Branche lag der Verdienst aber deutlich niedriger: Angelernte Kräfte erhielten 2403 Euro im Monat brutto und ungelernte im Schnitt 2019 Euro. Außerdem haben die Beschäftigten selten eine geregelte Arbeitswoche.

Weihnachtsgeschäft verspricht neue Rekorde

Mit dem Boom des Online-Handels erleben Post-, Kurier- und Expressdienste seit Jahren einen Aufschwung. In der Corona-Krise nahm er nochmals Fahrt auf. Von Januar bis September stieg der Umsatz im Online-Handel preisbereinigt um mehr als 21 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum.

Das Weihnachtsgeschäft verspricht zudem neue Rekorde: Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (Biek) prognostizierte zuletzt, dass im November und Dezember etwa 420 Millionen Pakete zugestellt werden und damit 60 Millionen mehr als ein Jahr zuvor.

Durchschnittslohn von Supermarkt-Beschäftigten gesunken

Die Beschäftigten in deutschen Supermärkten verdienten 2020 im Schnitt sogar weniger als im Vorjahr. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die die Linken-Bundestagsfraktion abgefragt hat, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Demnach fiel der durchschnittliche monatliche Bruttoverdienst von Beschäftigten im Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken sowie Tabakwaren in Verkaufsräumen von 1471 Euro im zweiten Quartal 2019 auf 1411 Euro im zweiten Quartal dieses Jahres. Das entspricht einem Rückgang von 60 Euro oder rund vier Prozent.

Eine Kassiererin an der Kasse beim Netto Marken-Discount | Bildquelle: picture alliance/dpa
galerie

Beschäftigte in deutschen Supermärkten haben im Schnitt monatlich 60 Euro weniger verdient als 2019.

Deutlicher Lohnrückgang bei Vollzeitbeschäftigten

Noch deutlicher fiel der Rückgang demnach bei Vollzeitbeschäftigten aus. Für sie sank der durchschnittliche monatliche Bruttolohn von 2421 Euro im zweiten Quartal 2019 auf 2254 Euro im zweiten Quartal dieses Jahres. Das sind 167 Euro oder knapp sieben Prozent weniger.

Sinkende Wochenstundenzahlen waren dem Bericht zufolge nicht dafür verantwortlich. Vielmehr sei die Zahl der bezahlten Wochenarbeitsstunden zwischen den beiden Vergleichszeiträumen sogar von 35,3 auf 37,9 Stunden angestiegen, was auf den Kundenansturm während des ersten Lockdowns im Frühjahr zurückzuführen sein dürfte. Damals hatten Hamsterkäufer den Handelsketten Rekordumsätze beschert.

Die Linke fordert Gegensteuern der Bundesregierung

Dass die Durchschnittslöhne trotz der Umsatzrekorde sinken, kritisierte Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch scharf. "Ist das der Dank für diejenigen, die das Land am Laufen halten?", sagte er dem RND. Es dürfe nicht sein, "dass sich die Eigentümer von Aldi, Lidl, Rewe und Edeka in der Corona-Krise die Taschen voll hauen, und bei den Verkäuferinnen und Verkäufern, die täglich am Anschlag arbeiten und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, kommt nichts an."

Die Bundesregierung müsse gegensteuern, forderte Bartsch. "Wir brauchen einen Lohngipfel im Arbeitsministerium, mehr Tarifbindung und mehr Unterstützung für die Gewerkschaften, die in der Krise wichtige Arbeit leisten", sagte er. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) müsse mit Gewerkschaften und Branchenvertretern das Gespräch darüber aufnehmen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. November 2020 um 11:00 Uhr.

Darstellung: