Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger | Bildquelle: REUTERS

Spitzenverband BDA Dulger ist neuer Arbeitgeberpräsident

Stand: 26.11.2020 14:04 Uhr

Sieben Jahre lang hat Ingo Kramer die Interessen der Arbeitgeber vertreten, jetzt löst ihn sein bisheriger Vize Rainer Dulger ab - und findet zunächst lobende Worte für die Krisenbewältigung der Bundesregierung.

Von Tim Diekmann, SWR

In seiner Freizeit beobachtet Rainer Dulger die Dinge gerne von oben, aus dem Hubschrauber. Für den leidenschaftlichen Piloten bedeutet Fliegen Freiheit. Als neuer Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) dürfte die Zeit dafür allerdings rarer werden.

Der 56-jährige Unternehmer wurde am Donnerstagvormittag auf der virtuellen Mitgliederversammlung der BDA einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Der bisherige Vizepräsident und Gesamtmetall-Chef löst damit Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer ab, der nach sieben Jahren sein Amt niederlegt.

"Ich freue mich sehr über meine Wahl zum Arbeitgeberpräsidenten. Dieses Amt ausfüllen zu dürfen, ist für mich eine große Ehre und eine besondere Aufgabe zugleich", sagte Dulger nach der Wahl. "Denn was uns als Spitzenverband ausmacht, ist ja unsere Vielfältigkeit. Wir sind der einzige Spitzenverband in Deutschland, der die gesamte Wirtschaft vertritt - von Industrie, Handel, Handwerk, über Dienstleistungen und Chemie."

Mit Dosierpumpen zum Weltmarktführer

Seit 1998 führt Dulger als geschäftsführender Gesellschafter das Heidelberger Familienunternehmen ProMinent in zweiter Generation. Sein Vater war es, der 1968 mit der Erfindung der ersten elektronischen Magnetdosierpumpe den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens legte. Heute beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben 2700 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern. Das Unternehmen gilt in der sogenannten "Fluid-Dosiertechnik" als weltweit führend. Dulger lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Heidelberg.

Zwei Jahrzehnte Verbandsarbeit

Erste Erfahrungen in der Verbandsarbeit sammelte er von 2001 an als Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rhein-Neckar. Es folgte die Wahl zum Vorsitzenden 2009, seit 2012 ist er als Gesamtmetall-Präsident für die Interessen der Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie zuständig. Hier hatte er zuletzt Forderungen der IG Metall zur Einführung einer Vier-Tage-Woche mit Teillohnausgleich zurückgewiesen mit den Worten: "Für weniger Arbeit kann es nicht mehr Geld geben."

Anders als sein Vorgänger wird Dulger aber wohl nicht direkt zum Angriff auf die Bundesregierung aufrufen. Im "Mannheimer Morgen" lobte der Gesamtmetall-Präsident zuletzt deren Arbeit: "Die Bundesregierung hat wirklich vieles richtig gemacht. Es kamen riesige Hilfspakete und Schutzmaßnahmen." Er habe "viele Kontakte zu Menschen in Europa und aus Übersee: Die bewundern alle, was die deutsche Regierung und das Parlament in der Krise getan haben." Wichtig sei nun, dass keine zusätzlichen Belastungen für die Unternehmen aufkommen, so Dulger weiter. Lohnnebenkosten müssten bei 40 Prozent eingefroren werden.

Die Kanzlerin gratuliert

Ein Anliegen, das auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilt und in einer Videoschalte zur BDA noch einmal untermauerte.  Dem ehemaligen Arbeitgeberpräsidenten Kramer dankte Merkel für das Engagement. Auf die Zusammenarbeit mit Dulger freue sie sich.

Von Seiten der Gewerkschaften gratulierte als einer der ersten Jörg Hofmann. Der Vorsitzende der IG Metall lobte Dulger als verlässlichen Verhandlungspartner in Baden-Württemberg während der Finanzkrise 2009/2010: "Als Präsident von Gesamtmetall hat er tarifpolitische Innovationen mitgetragen, zum Beispiel die bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, wie sie im Tarifabschluss von 2018 festgeschrieben wurde, oder die Stärkung der Tarifbindung für Werkvertragsunternehmen in der Logistik und für IT-Betriebe."

Auch als neuer Arbeitgeberpräsident will Dulger seinen Führungsposten im Familienunternehmen nicht aufgeben. Er werde zwischen dem Unternehmenssitz und seiner Heimat Heidelberg und Berlin pendeln.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 26. November 2020 um 13:41 Uhr.

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