Mitarbeiter am Qiagen-Standort in Hilden. | Bildquelle: dpa

NRW unter Druck Weitere Steuermillionen für Qiagen?

Stand: 27.10.2020 18:00 Uhr

Der wegen Steuerpraktiken in die Kritik geratene Corona-Test-Hersteller Qiagen will weitere Fördergelder vom Land NRW. Noch 2019 vergoldete Qiagen seinem Chef den Abgang mit mehr als 40 Millionen Euro.

Von Petra Blum und Massimo Bognanni, WDR

Der nächste Antrag liegt schon vor. Das niederländische Biotech-Unternehmen Qiagen möchte gerne mit weiteren 19 Millionen Euro Steuergeld vom Land NRW gefördert werden. Bislang sah es gut aus für den Corona-Test-Hersteller, der an seinem deutschen Standort Hilden rund 1200 Menschen beschäftigt. Schließlich lobten die NRW-Minister für Gesundheit und Wirtschaft Qiagen unlängst bei einer Vor-Ort-Besichtigung als "Pionier". 18,3 Millionen Euro an Subventionen haben die Minister damals schon fest zugesagt. Das Unternehmen produziere nicht nur wichtige Labormaterialien für Corona-Tests, sondern forsche auch an den so dringend benötigten Covid-Schnelltests.

Üppige Vorstandsbezüge

Einem weiteren Förderpaket stünde also nichts entgegen. Wären da nicht die fragwürdigen Steuerpraktiken, die WDR und "Süddeutsche Zeitung" unlängst veröffentlichten. Demnach könnte das Unternehmen mithilfe von Kreditkarussellen und seiner Tochterfirmen auf Malta und in Luxemburg seine Steuerlast in Deutschland um Millionen gedrückt haben. Die Grünen im Landtag fordern Aufklärung im Haushaltsausschuss. Qiagen betonte auf Anfrage, man betreibe sein Geschäft mit "höchster Integrität", halte sich strikt an Recht und Gesetz.

Doch es könnte weiteren Gesprächsbedarf geben. Denn Qiagen hat im vergangenen Jahr seinem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Peer Schatz den Abgang mit mehr als 41 Millionen Euro vergoldet. Nicht nur das: Auch in den Jahren zuvor wies das Unternehmen jährliche Ausgaben für seinen Topmanager in Höhe von 9 Millionen Euro und mehr aus. Für das mittelständische Qiagen, mit etwas mehr als 5000 Mitarbeitern und rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz sind das stattliche Summen.

Qiagen betonte auf Anfrage, die Vergütung des Topmanagers sei marktüblich gewesen, Vergütung und die Abfindung würden sich außerdem aus verschiedenen Gehaltskomponenten über alle Gesellschaften hinweg zusammensetzen und sich bei bestimmten Komponenten auf mehrjährige Zeiträume von bis zu zehn Jahren beziehen. Peer Schatz wollte die Angelegenheit nicht kommentieren.

Das zuständige NRW-Ministerium sagte auf Anfrage, man könne die Angemessenheit von Gehältern nicht beurteilen. Eine Entscheidung über den zweiten Förderantrag sei bereits gefallen, dem Unternehmen jedoch noch nicht mitgeteilt worden. Ob weitere Millionen fließen, behält die Behörde für sich.

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