Quelle

Gläubigern wird Geduld abverlangt "Gegen Quelle ist ein Öltanker ein Gokart"

Stand: 11.11.2009 17:28 Uhr

Quelle-Gläubigerversammlung in Essen
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Den Gläubigern wird Geduld abverlangt.

Der Quelle-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat die Liquidation des Versandhauses als unvermeidlich verteidigt. In einem Bericht für die Gläubigerversammlung betonte Görg vor wenigen Dutzend Gläubigervertretern, trotz aller Bemühungen sei es nicht gelungen, einen Käufer für das seit Jahren rote Zahlen schreibende Unternehmen zu finden. Alle Bemühungen um eine Wiederbelebung seien vergeblich gewesen.

Görgs Quelle-Beauftragter Jauch rechtfertigte das abrupte Aus für das Fürther Unternehmen: "Wir haben alles völlig richtig gemacht, es hat nur nicht geklappt." Der milliardenschwere Bedarf an frischem Kapital für die Finanzierung des laufenden Geschäfts habe die Investoren abgeschreckt. Schon Ende September - drei Wochen vor dem Aus - seien die Bestellungen gedrosselt worden, räumte Jauch ein. "Die Geschäfte liefen nicht so gut in der Insolvenz, dass Quelle selbst auf eine schwarze Null gekommen wäre", sagte er. Quelle umzusteuern, sei wegen der langfristig angelegten Kataloge für den Verwalter unmöglich gewesen. "Im Vergleich zu Quelle ist ein Öltanker ein Gokart."

Die Quelle-Gläubiger verzichteten auf eine weitere Abstimmung. Ein Antrag zur Zukunft des Unternehmens wurde nicht mehr gestellt. Damit ist das Aus für das traditionsreiche Versandhandelsunternehmen besiegelt.

Arbeitnehmervertreter machen Görg Vorwürfe

Vertreter der Belegschaft warfen der Insolvenzverwaltung Intransparenz bei der gescheiterten Investorensuche vor. Sie sprachen von einem "chaotischen Verfahren" und wollen nicht akzeptieren, dass das schmerzliche Aus für Quelle schließlich "zwingend" gewesen sein soll. "Das ist ein Drama, was sich hier abspielt im Moment", sagte Quelle-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Ernst Sindel.

Geduld gefordert

Die Gläubiger werden nach Angaben der Insolvenzverwaltung noch Jahre auf Geld aus der Quelle-Konkursmasse warten müssen. Ein Grund dafür ist, dass rund 40 Prozent der Quelle-Kunden die Möglichkeit zum Ratenkauf nutzten. Sie haben teilweise bis zu sechs Jahre Zeit, ihre Schulden abzubezahlen.

Ausstehende Forderungen von 800 Millionen Euro

Insgesamt bezifferte der Insolvenzverwalter die ausstehenden Forderungen an Quelle-Kunden auf rund 800 Millionen Euro. Der größte Teil davon gehe zwar an die Factoring-Banken, die in der Vergangenheit dem Versandhaus seine Kundenforderungen abgekauft hätten. Doch sei für Quelle nach 2012 noch mit Einnahmen von bis zu 110 Millionen Euro zu rechnen. Dies müsse abgewartet werden, bevor mit der Auszahlung begonnen werden könne. Insgesamt hatten die rund 10.000 Gläubiger des Arcandor-Tochterunternehmens Forderungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro angemeldet. Dazu gehören neben Lieferanten auch Dienstleister und zahlreiche Quelle-Beschäftigte.

Die Marke Quelle lebt weiter

Quelle und die Versandhandels-Holding Primondo waren im Juni mit dem Mutterkonzern Arcandor in Insolvenz gegangen. Am 20. Oktober hatte Insolvenzverwalter Görg die Suche nach einem Investor aufgegeben, nachdem keiner der vier Interessenten ein Gebot für das ganze Traditionsunternehmen abgegeben hatte.

Nun wird das Deutschland-Geschäft von Quelle eingestellt, die übrigen Teile werden einzeln verkauft. Die Marke Quelle und das Russland-Geschäft geht an Otto. Nach Angaben des Insolvenzverwalters zahlt der Haumburger Versandhändler dafür 65 Millionen Euro. Der Einkaufssender HSE24 gehört künftig dem Finanzinvestor Axa Private Equity.

Gestern hatten die Karstadt-Gläubiger für einen Antrag des Arcandor-Insolvenzverwalters Görg gestimmt, wonach das Geschäft zunächst weitergeführt werden soll. Gleichzeitig gab Görg die Schließung von sechs Häusern bekannt. Am Montag hatte der dreitägige Versammlungsmarathon der Arcandor-Gläubiger begonnen.

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