Eine Maschine der Billigfluglinie Ryanair | Bildquelle: AFP

Nach Boeing-Desaster Hunderte Jobs bei Ryanair gefährdet

Stand: 31.07.2019 16:37 Uhr

Mitarbeiter von Europas größtem Billigflieger Ryanair müssen sich wegen des Flugverbots für Boeings 737 Max offenbar auf einen Stellenabbau einstellen. Das Unternehmen benötigt bis zu 1500 weniger Piloten und Flugbegleiter als geplant.

Der Billigflieger Ryanair will wegen der Verzögerung bei der Lieferung neuer Boeing-Flugzeuge des Unglücksmodells 737 Max Stellen streichen. Ryanair-Chef Michael O'Leary erklärte in einer nun bekannt gewordenen Videobotschaft an die Beschäftigten, es gebe derzeit 500 Piloten und 400 Flugbegleiter mehr als benötigt.

Insgesamt soll es sogar um bis zu 1500 Stellen gehen, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg aus der Videobotschaft. Bis Ende August werde feststehen, welche Stützpunkte geschlossen werden, so O'Leary. Bis September, beziehungsweise Oktober und nach Weihnachten werde es Ankündigungen zum Stellenabbau geben.

Ein Ryanair-Sprecher bestätigte die Echtheit des Videos. "Wir werden in den nächsten Wochen versuchen, den Stellenabbau möglichst gering zu halten", sagte O'Leary darin. Neben dem Boeing-Desaster gilt als weiterer Grund die Unsicherheit durch den geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU, der auf die Nachfrage drückt.


Probleme mit Bestellungen bei Boeing

Ryanair wollte bis zum Sommer nächsten Jahres 58 neue Flugzeuge des Modells Boeing 737 Max in Dienst stellen. Erst am Montag hatte O'Leary eingeräumt, dass sich die Auslieferung womöglich noch länger hinziehen als zuletzt gedacht. Womöglich könne die Airline bis Sommer 2020 nicht die erhofften 30, sondern nur 20, zehn oder null neue Flugzeuge einsetzen. Denn für die Maschinen gilt seit März ein weltweites Startverbot, nachdem zum zweiten Mal eine solche Maschine kurz nach dem Start abgestürzt war.

Bei den Katastrophen vor der indonesischen Küste und in Äthiopien starben 346 Menschen. Ursache war ein Defekt bei einer Sicherheitsautomatik, den Boeing mit einem Software-Update beheben muss.

Auch der Gewinn bröckelt

Der Billigflieger hatte vor zwei Wochen angekündigt, das geplante Passagierwachstum im kommenden Jahr auf drei von sieben Prozent zu senken, weil mit der Lieferung neuer 737 erst ab Januar zu rechnen sei.

Für das gesamte, bis März 2021 laufende Geschäftsjahr rechne Ryanair mit 157 Millionen Fluggästen - fünf Millionen weniger als ursprünglich angepeilt. Auch im Winter müsse das Sitzplatzangebot deshalb gedrosselt werden. Ab November sollten Basen geschlossen werden. Derzeit bröckelt auch bei Ryanair der Gewinn wegen des harten Preiskampfes vor allem mit der Lufthansa-Tochter Eurowings.

Bei Ryanair stehen 1500 Stellen auf der Kippe
Imke Köhler, ARD London
31.07.2019 16:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 31. Juli 2019 um 19:41 Uhr.

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