Fragen und Antworten

Raffinerie in Saudi-Arabien

Saudi-Arabien Königreich des Erdöls

Stand: 16.09.2019 16:58 Uhr

Wer denkt bei Saudi-Arabien nicht an Öl? Das Land und sein Rohstoff sind extrem eng verbunden. Und wie wichtig ist saudisches Öl eigentlich für Deutschland? Ein Überblick in Zahlen und Grafiken.

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Von Fabian Grabowsky, tagesschau.de

Wie wichtig ist das saudische Öl für den Weltmarkt?

Sehr wichtig. Drei Fakten verdeutlichen dies:

1) Saudi-Arabien exportiert so viel Erdöl wie kein anderes Land: 2017 waren es laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe rund 346 Millionen Tonnen - 15,4 Prozent der weltweiten Menge. Zum Vergleich: Zweitgrößter Exporteur war mit großem Abstand Russland (257 Millionen Tonnen), drittgrößter der Irak mit 189 Millionen Tonnen.

2) Die staatliche Erdölfördergesellschaft Saudi Aramco, der die attackierte Anlage gehört, ist die größte der Welt. Der Konzern fördert täglich nach Angaben des US-Finanzdienstleisters S&P Global fast 14 Millionen Barrel (etwa 2,2 Milliarden Liter) - rund dreieinhalbmal so viel wie die Nummer zwei Exxon Mobile. Ein Barrel Rohöl entspricht etwa 159 Litern.

3) Saudi-Arabien ist 2019 bislang laut Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) mit durchschnittlich 9,7 Millionen Barrel am Tag (1,5 Milliarden Liter) weltweit drittgrößter Erdölproduzent. Nummer eins sind die USA mit 11,9 Millionen Barrel (1,9 Milliarden Liter), Nummer zwei ist Russland mit 11,1 Millionen Barrel (1,7 Milliarden Liter).

Wegen der Angriffe ging die Produktionsmenge zwar um etwa 5,7 Millionen Barrel (906 Millionen Liter) auf etwa die Hälfte des üblichen Tagesvolumens zurück, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA. Nach Angaben der IEA ist dieser Rückgang beispiellos - und noch größer als der während der Iranischen Revolution im Jahr 1979.

Die IEA hält trotz des aktuellen Produktionsrückgangs Versorgungsprobleme für unwahrscheinlich. Vorerst seien die Märkte gut versorgt, teilte sie mit.

Wie wichtig ist Öl für Saudi-Arabien?

Wohl noch wichtiger. Im Jahr 2018 exportierte das Land nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin Waren im Wert von rund 295 Milliarden US-Dollar - fast 80 Prozent davon waren Öl und petrochemische Produkte. Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" gibt den Anteil sogar mit 90 Prozent an.

Die Gewinne aus dem Ölgeschäft machen laut "Forbes" mit rund 87 Prozent einen gewaltigen Teil der saudischen Staatseinnahmen aus. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt demnach 42 Prozent.

Das bedeutet aber auch: Das Königreich ist extrem stark von der Entwicklung auf dem Erdölmarkt abhängig. Wegen des damals schwachen Ölpreises schrumpfte das BIP in den Jahren 2015 und 2016, die Inflationsrate stieg.

Inzwischen geht es dem Land zwar wirtschaftlich wieder besser - die Führung verkündete 2016 aber trotzdem die "Vision 2030": Die Wirtschaft soll vielfältiger, das Land vom Öl viel unabhängiger werden, der Anteil der Steuer- an den Staatseinnahmen massiv steigen.

Wie wichtig ist saudisches Öl für Deutschland?

Nicht wichtig. In Deutschland wird sich die Lage laut Mineralölwirtschaftsverband kaum auswirken. Vergangenes Jahr kamen nur 1,1 Prozent der deutschen Rohölimporte aus Saudi-Arabien, in den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es sogar nur 0,8 Prozent.

"Eine Engpassgefahr beim Öl besteht für Deutschland also nicht", erklärte der Mineralölwirtschaftsverband. Der globale Ölpreis könne sich zwar kurzfristig erhöhen - ob sich das auf deutsche Tankkunden auswirke, sei aber unklar: Andere Länder könnten ihre Fördermengen ausweiten und den Ausfall kompensieren.

Hauptherkunftsland für Rohöl war in der ersten Jahreshälfte mit großem Abstand Russland (12,7 Millionen Tonnen), wie immer in den vergangenen Jahrzehnten. Danach kamen Norwegen (5,3 Millionen Tonnen) und Großbritannien (4,9 Millionen Tonnen). In Deutschland selbst wurden im gesamten Jahr 2018 2,1 Millionen Tonnen gefördert - das waren zwei Prozent des deutschen Gesamtverbrauchs von rund 103 Millionen Tonnen.

Ölmarkt nach Drohnenangriff: Experten erwarten kaum Folgen für Verbraucher in Deutschland
tagesschau 20:00 Uhr, 16.09.2019, Andreas Hilmer, NDR

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Was sind strategische Ölreserven und wie groß sind sie?

Viele Staaten haben strategische Rohstoffreserven angelegt, um Krisen begegnen zu können. Präsident Donald Trump genehmigte angesichts des Angriffs in Saudi-Arabien die Freigabe der US-Vorräte, sollten Engpässe auftreten. Die Menge habe er zwar noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, "um die Märkte gut zu versorgen". Auch Experten gehen davon aus, dass sich so ein Anstieg der Ölpreise vermeiden ließe.

Die US-Ölreserven (Strategic Petroleum Reserve) umfassen laut US-Regierung aktuell rund 645 Millionen Barrel Rohöl. Sie werden in unterirdischen Salzhöhlen entlang der US-Golfküste gelagert.

In Deutschland ist der Erdölbevorratungsverband für solche Reserven zuständig. Er untersteht dem Bundeswirtschaftsministerium und muss immer so viel Erdöl lagern, dass er einen dreimonatigen kompletten Importausfall ausgleichen kann. Nach Angaben des Ministeriums sind dies momentan rund 15 Millionen Tonnen Rohöl und 9,5 Millionen Tonnen Mineralölerzeugnisse.

New Orleans stand 2005 zu großen Teilen unter Wasser
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New Orleans im Jahr 2005: Hurrikan "Katrina" war bislang einer von nur drei Anlässen für mehrere Länder, ihre strategischen Erdölreserven anzuzapfen.

Die Vorräte insgesamt sind demnach über ganz Deutschland verteilt, das Rohöl werde vorwiegend in norddeutschen Kavernen gelagert. Finanziert wird dies alles über Pflichtbeiträge der Unternehmen.

Beide Vorräte - und wegen internationaler Abkommen auch die anderer Länder - wurden bislang nur drei Mal angezapft: wegen des Irakkriegs in den Jahren 1990/91, wegen der Hurrikans "Katrina" und "Rita" im Jahr 2005 und schließlich 2011 während des libyschen Bürgerkriegs.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. September 2019 um 20:00 Uhr.

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