Ein Zug der ÖBB fährt über die Einöd-Talbrücke bei Hattingen. | Bildquelle: dpa

Verkehrspolitik Neustart für den TransEuropExpress?

Stand: 21.09.2020 16:24 Uhr

Im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft hat Verkehrsminister Scheuer zu einem "EU-Schienengipfel" geladen. Highlight: Das Konzept für einen grenzüberschreitenden "TransEuropExpress 2.0".

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Mit dem Zug von Warschau über Berlin und Köln nach Paris - schnell und ohne Umsteigen. Das ist laut Verkehrsminister Andreas Scheuer kein fernes Schienen-Traumgebilde, sondern kurzfristig umsetzbar, indem die Europäer ihre national bereits vorhandenen Hochgeschwindigkeitsstrecken besser verknüpfen.

Neuauflage des TransEuropExpress

Eine  "starke Schiene für Europa" wünscht sich nach eigenem Bekunden der CSU-Politiker: "Und das eben nicht nur national und mit einem Halt- und einem Stopp-Signal an Europas Grenzen."  Mit seinen Zukunftsplänen tritt Scheuer auch eine Reise in die Vergangenheit an: Von Ende der 1950er- bis Ende der 1980er-Jahre gab es einst bereits die meist in Rot oder Beige gehaltenen Trans-Europ-Express-Züge, kurz TEE-Züge.

Doch beim Schwelgen in Nostalgie soll es nicht bleiben: TEE 2.0 nennt der Verkehrsminister nun seinen Plan. Bis 2025 könne ein Netz dafür stehen, man müsse den Einstieg jetzt schaffen, betont Scheuer. 

Die Probleme bei der TEE-Wiederbelebung fangen damit an, dass es in Europa unterschiedliche Stromsysteme gibt, und hören damit auf, dass sich die Metropol-Verbindungen auch rechnen müssen: Die Verbindung Paris-Berlin dauert nach Berechnungen des Ministeriums knapp acht Stunden, bis Warschau wären es über 13. Ob das Kunden zum klimafreundlichen Umstieg vom Flieger auf die Bahn bewegt, wird sich zeigen. "Es passt in die Zeit. Es ist eine Chance, aber es ist auch genau politischer Druck da, um diesen TEE auf die Schiene zu bringen", so Scheuer.

In zwei Phasen soll das nun passieren: Zunächst sollen bereits bestehende Trassen - wie die von Warschau nach Paris - miteinander verbunden werden. Für Schritt zwei allerdings - wozu die Verknüpfung Süddeutschlands mit Ost- und Südeuropa oder die Anbindung Skandinaviens zählt - sind noch Baumaßnahmen erforderlich.

Auch wieder mehr Nachtverbindungen?

Geplant ist übrigens auch, einst noch in deutlich größerer Zahl angebotene Nachtverbindungen zu reaktivieren; etwa die Strecke von Frankfurt über Frankreich nach Barcelona. Auch soll das internationale Buchungssystem vereinfacht werden: Wer derzeit Nachtzüge oder länderübergreifende Verbindungen buchen will, stößt im Internet oft im Wortsinn an seine Grenzen, der Gang ins Bahnreisebüro wird unvermeidlich.   

Auch die Grünen finden grundsätzlich, dass die europäischen Staaten mit ihren Eisenbahnnetzen "wahre Schätze" hätten, die angesichts der Klimakrise endlich besser verknüpft werden müssten. Jedoch bezweifelt der bahnpolitische Sprecher, Matthias Gastel, dass es Verkehrsminister Scheuer mit seiner Renaissance der TEE-Züge ernst meine: Die Regierungen in Schweden und Dänemark seien dabei, so Gastel, etwa die Nachtverbindung Stockholm-Hamburg in’s Rollen zu bringen, doch sitze Scheuer hier im Bremserhaus und lehne eine Unterstützung für diese Verbindung ab.

Der neue TransEuropExpress TEE - die Scheuer-Pläne

21.09.2020 15:41 Uhr

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Dieser Beitrag lief auf NDR Info am 21. September 2020 um 15:38 Uhr.

Korrespondent

Kai Küstner | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

Kai Küstner, NDR

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