Haftstrafen im Insolvenz-Prozess Schlecker-Kinder legen Revision ein

Stand: 28.11.2017 16:11 Uhr

Mehr als zwei Jahre sollen die Schlecker-Kinder ins Gefängnis, weil sie Millionenbeträge vor den Gläubigern in Sicherheit brachten. Jetzt wehren sie sich gegen das Urteil.

Lars und Meike Schlecker wollen die vom Landgericht Stuttgart verhängten Haftstrafen nicht akzeptieren. Beide hätten am Dienstag Revision gegen die Urteile vom Montag eingelegt, sagte ein Sprecher des Landgerichts. Die Kinder des ehemaligen Drogerie-Unternehmers Anton Schlecker waren wegen Untreue, Insolvenzverschleppung, Bankrotts und Beihilfe zum Bankrott ihres Vaters zu zwei Jahren und neun Monaten beziehungsweise zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Jetzt geht der Prozess vor den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, der das Urteil auf Verfahrensfehler prüft.

Anton Schleckers Anwalt sei noch dabei, das Urteil gegen den 73-Jährigen zu prüfen. Er war zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Auch die Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von drei Jahren für Anton Schlecker gefordert hatte, hat noch nicht entschieden, ob sie Revision einlegen wird. Sie hat dazu eine Woche Zeit. Für Sohn Lars Schlecker hatte die Staatsanwaltschaft mit zwei Jahren und zehn Monaten nur geringfügig mehr gefordert, bei Tochter Meike entsprach das Urteil der Forderung der Anklage. Eine Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren kann nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

Millionenbeträge aus Unternehmen gezogen

Das Gericht hatte Lars und Meike Schlecker verurteilt, weil sie kurz vor dem Insolvenzantrag von Schlecker im Januar 2012 zusammen sieben Millionen Euro aus der Tochterfirma LDG herausgezogen hatten. Die Tochterfirma LDG wickelte die Logistik der Schlecker-Filialen ab. Sie meldete im Juni 2012 Insolvenz an. Das Gericht hielt Lars und Meike Schlecker für die faktischen Geschäftsführer der LDG. Das Unternehmen war allerdings voll von der Drogeriekette ihres Vaters Anton abhängig, der nach Zeugenaussagen auch bei der LDG das Sagen hatte.

Ehemalige Mitarbeiter hatten mit Beifall reagiert

Auch einige der ehemals 25.000 Mitarbeiter Schleckers hatten am Montag die Urteilsverkündung im Stuttgarter Landgericht verfolgt. Sie hatten mit Beifall auf die Haftstrafen für die Schlecker-Kinder reagiert. Mit dem Revisionsantrag von Lars und Meike Schlecker geht das Urteil jetzt in die nächste Runde.

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