Verbände stellen Schuldenreport vor "Banken lassen Schuldner im Regen stehen"

Stand: 12.06.2009 15:55 Uhr

Leere Geldbörse
galerie

Die Wirtschaftskrise könnte noch mehr Menschen in finanzielle Not bringen.

Die Wirtschaftskrise droht immer mehr Privathaushalte in Deutschland in finanzielle Not zu treiben. Verbraucher- und Sozialverbände erwarten wegen steigender Arbeitslosigkeit einen deutlichen Anstieg von überschuldeten Verbrauchern. In ihrem "Schuldenreport 2009" warnten sie vor einem zusätzlichen Ansturm von Hilfesuchenden auf die Schuldnerberatungsstellen, die schon heute überlastet seien.

Milliarden für Banken, aber wer hilft Verbrauchern?

Je nach Maßstab seien derzeit drei bis vier Millionen Haushalte überschuldet, also in einer Lage, in der sie ihre Zahlungspflichten nicht mehr erfüllen können. Von Banken und Sparkassen forderten die sechs Organisationen, Schuldnern mit günstigen Kreditkonditionen zu helfen und sich an den Kosten der Schuldnerberatung zu beteiligen. "Banken in finanzieller Not erhalten milliardenschwere Unterstützung durch Steuergelder, die Kunden dagegen stehen im Regen", sagte der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen.

Banken mit unverantwortlicher Kreditvergabe

Eine unverantwortliche Kreditvergabe sei häufig die Ursache von Überschuldung. Billen monierte weiter, dass die Banken Kunden in einer Notlage allenfalls eine Umschuldung mit noch höheren Zinsen und neuen Gebühren anböten, anstatt zu helfen. Stattdessen sollten die Institute etwa bei Arbeitslosigkeit eines Kunden die Kreditraten an seine gesunkene Finanzkraft anpassen, verlangte er.

Verfahren der Verbraucherinsolvenz hilfreich

Die vor zehn Jahren eingeführte Verbraucherinsolvenz bewerteten die Verbände als Teilerfolg. Es sei positiv, dass es seitdem überhaupt eine Möglichkeit gebe, Privatleute innerhalb von sechs Jahren von ihren Schulden zu befreien, sagte der Berliner Caritas- Schuldnerberater Carlo Wahrmann. Die Aussicht auf einen Neuanfang motiviere seine Klienten. Rund 500.000 Verbraucher nutzten bislang diese Möglichkeit. Die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Heidi Merk, schränkte jedoch ein, das Verfahren habe nicht die gewünschte Wirkung entfaltet. Wegen geringer Einnahmen gerieten viele Betroffene nach der Insolvenz wiederum in Schwierigkeiten.

Eine zentrale Forderung der Verbände an die Politik ist ein gesetzlicher Anspruch auf ein Girokonto ohne Dispokredit. Hunderttausende hätten noch immer kein solches Konto, ihnen sei damit die Teilhabe am modernen Wirtschaftsleben versagt.

Darstellung: