Das Logo der Netflix-App auf einem Tablet-Bildschirm | Bildquelle: AFP

Vor Start von Apple und Disney Kampf der Streaming-Giganten

Stand: 15.10.2019 11:21 Uhr

Mit dem Einstieg von Apple und Disney wächst die Konkurrenz auf dem Markt der Videoplattformen. Die Geschäftmodelle variieren, doch exklusive Inhalte bleiben der wichtigste Faktor im Kampf um die Kunden.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Für das Online-Kaufhaus Amazon ist die Videoplattform Prime Video ein wichtiger Baustein, um neue Kunden zu gewinnen. "Wenn wir einen Golden Globe gewinnen, verkaufen wir auch mehr Schuhe", sagt Amazon-Chef Jeff Bezos. Fast fünf Milliarden Euro gibt Amazon im Jahr für neue Inhalte aus. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen.

Wer Erfolgsserien wie "Jack Ryan" oder “The Man in the High Castle” sehen will, der zahlt jährlich 99 Dollar in den USA oder 69 Euro in Deutschland. Der Clou: Artikel aus dem Online-Shop werden versandkostenfrei geliefert. Auf genau diese Kombination setzt Amazon. Attraktive Serien und Spielfilme sollen den Zuschauer zum Bestellkunden auch für das Online-Kaufhaus machen.

Erfolgreiche Serien bei Amazon haben zwischen zehn und 15 Millionen Zuschauer. Insgesamt kommt der Konzern nach eigenen Angaben auf mehr als 100 Millionen Prime-Mitglieder weltweit.

Amazon-Chef Jeff Bezos | Bildquelle: AP
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Amazon-Chef Jeff Bezos will über das Videostreaming auch Kunden für den Onlinehändler gewinnen.

Ausbaufähiges Apple-Angebot

Apple TV Plus verfolgt ein ähnliches Geschäftsmodell. Das neue Streaming-Angebot, das am 1. November startet, soll als Kundenbindungsinstrument dienen: Wer ein Apple-Gerät kauft, bekommt ein Jahr lang die Plus-Mitgliedschaft des Videostreaming-Dienstes hinterhergeworfen. Der Konzern aus Cupertino geht dabei mit einem Kampfpreis von fünf Euro pro Monat in den Markt.

"Als Kunde muss man da nicht lange überlegen. Ich muss mich nicht entscheiden, ob ich jetzt Netflix oder Hulu abonniere oder Disney oder Apple", sagt die Analystin Carolina Milanesi. "Die Kosten sind so niedrig, da muss man sich keine großen Gedanken machen."

Noch hat Apple TV einen großen Nachteil: Es wird nur mit neun selbst produzierten Programmen starten. Die Auswahl ist verglichen mit der Konkurrenz also extrem klein. Dafür hat Apple mit seinen Milliarden Kunden weltweit eine bereits bestehende Basis. Analysten sehen das Angebot langfristig als sehr ausbaufähig an.

Die Schauspielerinnen Reese Witherspoon und Jennifer Aniston bei der Vorstellung von Apples neuem Streamingdienst "Apple TV Plus" in Cupertino, Kalifornien | Bildquelle: REUTERS
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Zum Start des neuen Streaming-Angebots hat Apple große Namen aus Hollywood verpflichtet.

Disney punktet mit riesiger Bibliothek

Ein weiterer Neuzugang ist der Unterhaltungskonzern Disney. Er startet elf Tage nach Apple in den USA mit seiner Plattform Disney Plus. Lange Zeit hat das Unternehmen aus Hollywood vom Spielfeldrand das Geschehen beobachtet. Es lizensierte seine Serien und Filme an Plattformen wie Netflix. Damit ist es jetzt Schluss.

"Wir müssen relevant bleiben", sagte Disney-Chef Bob Iger vor wenigen Wochen bei CNN. "Wir müssen auf den modernen Plattformen sein. Am wichtigsten aus Nutzersicht ist, dass sie Zugriff auf ihre Inhalte haben." Vorteil von Disney: Es sitzt auf einer riesigen Bibliothek von hochklassigen Produktionen, die über viele Jahrzehnte zurückreichen.

Das Unternehmen wird mit einem Niedrigpreis von knapp sieben Dollar pro Monat in den US-Markt einsteigen. Nach Deutschland soll der Dienst vermutlich erst im nächsten Jahr kommen.

Disney+ vereint die gesamten Marken des Konzerns unter einem Dach | Bildquelle: AFP
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Disney+ vereint die gesamten Marken des Konzerns unter einem Dach

Netflix fehlt das zweite Standbein

Zurück bleibt Netflix. Die vergangenen fünf Jahre war Netflix aus Los Gatos der große Star im kommerziellen Streaming-Geschäft. Zwölf Milliarden Dollar buttert das Unternehmen nach unbestätigten Meldungen jedes Jahr in die Produktion eigener Inhalte. Allein im vergangenen halben Jahr ist der Wert der Netflix-Aktie aber um 30 Prozent geschrumpft. Der Grund: die neue Konkurrenz aus Disney, Apple und anderen.

Netflix kommt weltweit auf 152 Millionen zahlende Mitglieder. Zwischen acht und 16 Euro kostet in Deutschland ein Monatsabo. Damit gehört der Dienst zu den teuersten. Von allen Plattformen scheint Netflix die krisenanfälligste zu sein. Denn alle anderen Mitbewerber haben weitere Standbeine am Markt. Netflix nicht. 

Videoplattformen: Kampf der Giganten
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
15.10.2019 10:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Oktober 2019 um 15:51 Uhr in der Sendung "@mediasres".

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