Neulinge gegen Platzhirsche Umkämpfter Markt für E-Trucks

Stand: 23.02.2021 14:40 Uhr

Die E-Mobilität hat längst auch die Lkw-Branche erfasst. Im Wettrennen um künftige Marktanteile stehen sich arrivierte Autokonzerne, E-Auto-Hersteller wie Tesla und eine Reihe von Neulingen gegenüber.

Von Andreas Braun, tagesschau.de

Der Lkw-Markt der Zukunft wird gerade verteilt, so scheint es. An der Börse sorgen weiterhin neue, innovative Unternehmen in Sachen E-Mobilität für Furore und sammeln Milliarden an Kapital an. Nach Nikola und Lion geht nun mit Xos bald ein weiteres Start-up an die Börse, das sich auf die Entwicklung und den Bau von Elektro-Lastwagen konzentriert.

Der Deal soll Xos 575 Millionen Dollar Bruttoeinnahmen einbringen, einschließlich einer privaten Investition in Höhe von 220 Millionen Dollar. Kapital, das für die Entwicklung und Produktion eines neuen Typs von Lastwagen benötigt wird.

Rennen "noch völlig offen"

Der Markt für E-Trucks ist durch eine "gewisse Unübersichtlichkeit" gekennzeichnet, erklärt Stefan Bratzel, Leiter des Center for Automotive Management (CAM) im Gespräch mit tagesschau.de. "Viele Hersteller sind sich noch nicht sicher, welche Rolle E-Trucks in den kommenden Jahren spielen werden." Wer den Markt der Zukunft dominieren werde, sei derzeit noch völlig offen.

Ein wichtiger Weckruf für die Branche war laut Bratzel der Vorstoß von Tesla in Richtung E-Truck. Der "Semi", der mit neuartigen Batterien Reichweiten bis zu 1000 Kilometern schaffen soll, könnte noch im Lauf des Jahres 2021 auf den Markt kommen. Tesla hat in den vergangenen Monaten bereits mehrere Bestellungen des US-Supermarktriesen Walmart für den Semi erhalten.

Erste Bestellungen laufen ein

Auch andere neue Player im Markt sind bereits auf Kundensuche. Nikola etwa, ebenfalls in den USA beheimatet, will seinen E-Truck "Tre" im laufenden Jahr auf den Markt bringen. Das Unternehmen hatte nach Medienberichten bereits im vergangenen Jahr einen Auftrag über 2500 E-Müllwagen vom US-Entsorgungsunternehmen Republic Services erhalten, musste das Projekt wegen technischer Schwierigkeiten aber zunächst auf Eis legen.

Auch die etablierten Lkw-Hersteller wie Daimler, Volvo oder die Traton-Tochter Scania planen Lastwagen mit Stromantrieb. Daimler Trucks-Chef Martin Daum zufolge gilt die Strategie "Electric first" auch für die Lkw-Sparte des Daimler-Konzerns: "Wir werden immer mehr E-Trucks auf die Straße bringen", so Daum vor wenigen Tagen. Daimler Trucks plant einen batterietechnisch angetriebenen Lkw bis 2024 in Serie zu produzieren. Ein Lkw mit Brennstoffzellenantrieb soll in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts serienreif sein.

Breites Spektrum von Anbietern?

Konkurrent Volvo Trucks will bereits im laufenden Jahr eine komplette Modellreihe batteriebetriebener Fahrzeuge für den "Verteilerverkehr", die Abfallwirtschaft und regionale Transportdienste aufbauen. Ein Jahr später soll die Serienproduktion starten. Auch chinesische Hersteller wie der Mischkonzern BYD haben in den vergangenen Jahren viel Geld und Know-how in die Entwicklung gesteckt.

Laut Branchenexperte Bratzel sind in den kommenden Jahren die Chancen für elektrisch betriebene Lkw in diesem Verteilerverkehr mit eher geringen Reichweiten am größten. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten die Marktanteile hier deutlich höher liegen als die zehn Prozent Anteil, die er den E-Lkw auf der Langstrecke bis zum Jahr 2030 zutraut. Die Antriebstechnik ist bei größeren Fahrstrecken weiterhin das Hauptproblem. Batterie-Akkus sind in vielen Fällen zu schwer, um die Lkw-Riesen und ihre Lasten sinnvoll über längere Strecken zu befördern. Die Brennstoffzellen-Alternative ist noch in der Probephase. In beiden Bereichen wird die technische Weiterentwicklung darüber entscheiden, welcher Hersteller mit welcher Technik das Rennen um Marktanteile macht.

Ladeinfrastruktur im Aufbau

Und nicht zuletzt spielen die politische Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle, wenn es um die Zukunftschancen der E-Brummis geht. Um die "Decarbonisierung" auch in Deutschland und Europa weiter voran zu treiben, ist mehr elektrogetriebener Lastwagenverkehr unausweichlich. Staatliche Förderungen, aber auch der Aufbau von Ladeinfrastruktur ist dafür eine Voraussetzung. Schnellladeparks für Lkw an viel befahrenen Strecken müssen bereitgestellt werden. Der Bund plant bereits ein Netz von Oberleitungen auf Autobahnen, die Hybrid-Trucks mit Strom versorgen können. Beim Wasserstoff als Energieträger hängt viel davon ab, wie schnell "grüner Wasserstoff" in ausreichenden Mengen bereitgestellt werden kann, also Wasserstoff, die durch die Nutzung erneuerbarer Energien erzeugt wird.

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