Facebook gegen Apple Warum die Tech-Konzerne so zerstritten sind

Stand: 01.03.2021 15:21 Uhr

Facebook und Apple sind schon lange keine Freunde mehr. Zuletzt hat sich der Streit deutlich zugespitzt - und wird sogar in ganzseitigen Zeitungsanzeigen ausgetragen. Dabei geht es um viele Milliarden Dollar.

"Wir müssen Apple Schmerzen zufügen", soll Mark Zuckerberg einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge in einer Runde von Spitzenmanagern seines Konzerns gesagt haben. Die Darstellung blieb unwidersprochen.

Grund für den emotionalen Appell war die Ankündigung von Apple-Chef Tim Cook, in der kommenden Version 14.5 des Betriebssystems iOS eine neue Datenschutzfunktion einzubauen. Danach sollen die Nutzer von iPhones und iPads künftig gefragt werden, ob sie Apps wie Facebook gestatten, Informationen zu Werbezwecken einholen zu dürfen. Für Facebook ist das eine ernsthafte Bedrohung, bezieht doch das Unternehmen einen Großteil seiner Einnahmen aus Werbung, die sich auf die von Apple- oder Google-Nutzern gesammelten Daten bezieht.

Auch Google wäre betroffen

Die von Apple geplanten Regeln richten sich auch gegen Google, wo ebenfalls ein Großteil der Einnahmen aus Werbung kommt. Der Suchmaschinenkonzern weigerte sich deshalb über zwei Monate lang, diverse seiner beliebtesten Apps für iOS upzudaten, um damit die neuen Regeln so lange wie möglich hinauszuzögern.

Dennoch fokussiert sich der Streit derzeit vor allem auf Facebook. Gründer und Chef Mark Zuckerberg reagiert besonders heftig auf die Pläne von Apple. So wirft Zuckerberg Apple Heuchelei vor. "Apple mag behaupten, dass sie die Daten ihrer Nutzer schützen wollen, um den Leuten ein gutes Gefühl zu geben, aber in Wirklichkeit folgen ihre Schritte klar ihren eigenen Wettbewerbsinteressen", so Zuckerberg bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen Ende Januar. Cook antwortete umgehend und forderte "umfassende Reformen" für Firmen, die mit Daten Geld verdienen. Ein Frontalangriff auf Facebook.

Hilferuf bei den Kartellbehörden?

Experten gehen davon aus, dass nur wenige Apple-Nutzer der Sammelwut der sozialen Netzwerke zustimmen werden. Folglich sind bei Facebook alle Alarmglocken angegangen. Denn das Ansinnen von Apple würde das Geschäftsmodell des Social-Media-Konzerns, das aus dem Anzeigen von sehr zielgerichteter Werbung besteht, erheblich beschädigen.

Facebook könnte Marktbeobachtern zufolge die Kartellbehörden zu Hilfe rufen und Apple Marktmissbrauch vorwerfen. Doch bevor Zuckerberg vor die Gerichte zieht, wolle er es erstmal über Lobbyarbeit und eine PR-Offensive versuchen, berichtet das "Wall Street Journal".

Tatsächlich hat Facebook in den letzten Wochen eine groß angelegte Werbekampagne gefahren, um die von Apple geplanten Änderungen doch noch abzuwenden. In ganzseitigen Anzeigen in wichtigen US-Tageszeitungen versicherte Facebook den Nutzern, dass ihre Daten genauso sicher seien wie bei Apple.

Facebooks Ansehen ist beschädigt

Facebook agiert allerdings aus einer geschwächten Position heraus, denn der Ruf des Konzerns in der amerikanischen Öffentlichkeit hat stark gelitten. Bei einer kürzlich veröffentlichten Umfrage zur Reputation der 100 bekanntesten amerikanischen Unternehmen landete Facebook auf Platz 97. Schlechter bewertet wurden nur der Glyphosathersteller Monsanto, die Trump Organization und der Tabakkonzern Juul. Apple landete dagegen mit Platz 27 im oberen Mittelfeld.

Neu ist der Streit zwischen den Techgiganten nicht. Bereits im Rahmen des Cambridge Analytica-Datenskandals im Jahr 2018 waren Cook und Zuckerberg aneinandergeraten. Zwar musste Cook zugeben, dass auch Apple über zahlreiche Kundendaten verfüge. Sein Konzern verwende diese aber nicht zum Geldverdienen. Daraufhin konterte Zuckerberg, Apple sei eine Marke für Reiche und nannte Cooks Äußerungen "oberflächlich" und "nicht wahrheitsgemäß".

Kommt bald eine Facebook-Watch?

Gleichzeitig bemüht sich Facebook, neben der Social-Media-Plattform, ein zweites Standbein mit dem Verkauf von Techprodukten aufzubauen. Bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen bezeichnete Zuckerberg in einem Analysten-Gespräch Apple als "einen unserer größten Konkurrenten", auch wenn der Konzern mit Hardware, etwa den Oculus 3D-Brillen, bisher nur vergleichsweise geringe Umsätze erzielt. Nun will Facebook offenbar auch eine Smartwatch auf den Markt bringen.

Bereits im nächsten Jahr solle der Mini-Computer fürs Handgelenk auf den Markt kommen, berichtete das Portal "The Information". Die Smartwatch werde vor allem Gesundheits- und Fitnessdaten messen. Facebook wollte sich dazu nicht äußern.

Bisher dominiert der iPhone-Konzern mit seiner Apple Watch den Uhrenmarkt in diesem Segment. Im Jahr 2019 kamen rund ein Drittel aller sogenannter "Wearables" von Apple. Alle Versuche der Schweizer Uhrenindustrie, mit eigenen Smartwatches die Marktdominanz von Apple zu durchbrechen, waren bislang erfolglos.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Februar 2021 um 05:40 Uhr.

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