Mund-Nasenschutz an Schaufensterpuppen werden zum Verkauf angeboten  | Bildquelle: dpa

Studie zur Ökobilanz Welche Maske für die Umwelt am besten ist

Stand: 20.12.2020 05:12 Uhr

Was ist besser für die Umwelt: Einweg- oder Stoffmasken? Forscherinnen und Forscher in der Schweiz haben jetzt die Ökobilanz des Mund-Nasen-Schutzes analysiert. Das Ergebnis überrascht.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Wer sich und andere vor dem Coronavirus schützen will, trägt Maske. Neben der Frage nach der Schutzwirkung stellt sich für viele auch die nach der Ökobilanz. Welche Maske schneidet besser ab - die Einmalmaske, die nach dem Gebrauch im Müll landet, oder die Stoffmaske, die gewaschen und wiederverwendet werden kann?

Zwei verschiedene Versuchsanordnungen

Forscherinnen und Forscher der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA im Schweizer Sankt Gallen haben sich der Sache angenommen. Studienleiterin Claudia Som erklärt, bezüglich des Maskenverbrauchs habe man sich bei der Untersuchung an der offiziellen Empfehlung für die Schweiz orientiert. "Für unsere Studie haben wir uns eine Person vorgestellt, die fünfmal pro Woche mit dem Zug zur Arbeit fährt und dreimal pro Woche einkaufen geht. Daher haben wir eine Stoffmaske, die fünfmal gewaschen wird, verglichen mit dreizehn Einwegmasken, die diese Person pro Woche braucht."

In einer zweiten Anordnung ist man davon ausgegangen, dass die Einwegmasken mehr als nur einmal benutzt werden und die Stoffmasken häufiger gewaschen werden, bevor auch sie irgendwann im Müll landen.

Die Schweizer Forscherinnen und Forscher betrachteten Herstellung, Nutzung und Entsorgung der Masken nach stets den gleichen Gesichtspunkten, erklärt der Leiter der EMPA-Ökobilanz-Gruppe Roland Hischier. "Das eine war der Treibhauseffekt. Das zweite war die graue Energie, also der Energieverbrauch, der dahintersteckt. Das dritte war der Wasserverbrauch, der 'Water Footprint'. Und das vierte ist ein Indikator für eine ökologische Gesamtbetrachtung."

Ökobilanz von Einwegmasken nicht per se schlechter

Die Analyse der Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigt, dass die Baumwoll-Stoffmasken bezogen auf Energieverbrauch und Treibhausgasbilanz besser abschneiden als die chirurgischen Einmalmasken. Aber bezogen auf Wasserverbrauch und Gesamtumweltbelastung haben Wegwerfmasken eine bessere Bilanz als ein Mund-Nasenschutz aus Baumwolle, so Hischier: "Die Hauptumweltbelastung bei einer Stoffmaske, die fällt in der Produktion an. Die Produktion dominiert den gesamten Lebenszyklus von so einer Maske."

Der Grund hierfür sei insbesondere der wasserintensive Baumwollanbau, was dafür spreche, eine Stoffmaske möglichst lange zu nutzen, bevor man sie wegwirft: "Wenn ich eine Maske häufiger einsetzen kann, also mehr Nutzungszyklen erreiche für die Maske, dann habe ich proportional natürlich einen geringeren Anteil dieses Herstellaufwandes, den ich tragen muss pro Nutzung meiner Maske", erklärt Hischier.

Nicht aus Umweltschutzgründen Wirksamkeit vernachlässigen

Allerdings sollte unbedingt die Empfehlung der Hersteller beachtet werden, wie häufig eine Maske gewaschen werden darf, bevor sie ihre Schutzwirkung verliert. Die Forschung zur Ökobilanz von Masken steht noch am Anfang, sagt Studienleiterin Som, denn etwa antiviral und antibakteriell wirkende Materialien wurden noch nicht betrachtet: "Also wir wollten uns auch andere Materialien, also nicht nur Baumwolle, sondern auch Polyester und vielleicht auch Viskose, Modal, Lyocell und andere Materialien genauer anschauen - plus eben auch Beschichtungen, die dazu führen können, dass man so eine Maske länger tragen kann und die somit auch die Lebensdauer erhöhen."

Diskutiert wird auch die Frage der Umweltbelastung durch achtlos weggeworfene Masken. Inwieweit hier kompostierbare Masken zu einer besseren Ökobilanz führen könnten, auch das muss noch erforscht werden.

Einweg- oder Baumwoll-Maske? –Schweizer Forschende untersuchen Ökobilanz
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
16.12.2020 12:41 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Dezember 2020 um 11:51 Uhr.

Darstellung: