Das Tencent-Logo leuchtet auf der World Internet Conference in Wuzhen (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS

Internetgigant Tencent Auf Augenhöhe mit Facebook

Stand: 04.08.2020 10:20 Uhr

Der Börsenwert des chinesischen Internetkonzerns Tencent geht derzeit durch die Decke. Dazu trägt nicht nur die Super-App WeChat bei, sondern auch die kräftige Unterstützung der Staatsführung.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die großen chinesischen Online-Konzerne werden zwar finanziell immer mächtiger, außerhalb Chinas stoßen sie aber zunehmend auf Misstrauen und politischen Widerstand. US-Außenminister Mike Pompeo will beispielsweise die Erfolgs-App WeChat in den USA verbieten.

Eine App für fast alles

WeChat ist die digitale Allzweckwaffe in China. Die App, die auf Chinesisch WeiXin heißt, erledigt unter anderem das, für was man außerhalb Chinas Facebook, Twitter und Google verwenden würde. Zusätzlich kauft man mit WeChat in China Konzertkarten und Kinotickets, reserviert einen Tisch im Lieblingsrestaurant, bezahlt anschließend die Rechnung damit - und selbst um die Stromrechnung und einen Termin beim Zahnarzt kümmert sich WeChat. Sprich: Wenn Chinesinnen und Chinesen online gehen, dann landen sie meistens auf WeChat.

Aurelien Rigart von der Shanghaier Beratungsfirma IT Consultis bezeichnet WeChat als Super-App oder sogar als eigenes Betriebssystem. Allein im vergangenen Jahr hätten User umgerechnet rund 100 Milliarden Euro innerhalb von WeChat ausgegeben, sagt er.

Eine Frau läuft an WeChat-Maskottchen auf der Straße vorbei. | Bildquelle: REUTERS
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WeChat ist eine Mischung aus Messenger, sozialem Netzwerk, Bezahlsystem und Online-Shopping-Seite.

Enge Zusammenarbeit mit der Staatsführung

Ein Teil dieser WeChat-internen Umsätze bleiben beim Mutterkonzern Tencent hängen. Das sorgt für kontinuierlich wachsende Einkünfte des Konzerns mit Firmensitz in Shenzhen. Hilfreich ist für Tencent außerdem die offen zur Schau gestellte Nähe zur Staats- und Parteiführung.

"China ist bei der Digitalisierung schneller vorangegangen als andere große Nationen", freute sich Tencent-Gründer und Firmenchef Ma Huateng bei einem IT-Kongress in Shenzhen vor zwei Jahren. "Und die chinesische Führung fördert die Digitalisierung".

Das System funktioniert wie eine Art perfekt orchestrierte Symbiose: Die kommunistische Führung in Peking sonnt sich in den Erfolgen der chinesischen Tech-Konzerne. Sie verpasst sich so außerdem ein technikfreundliches und modernes Image.

Zweigeteilte Internet-Welt

Andererseits hält die Staats- und Parteiführung den heimischen Onlinekonzernen wirtschaftlich den Rücken frei. Die staatliche Zensur sperrt fast ausnahmslos alle nicht-chinesischen Social-Media-Angebote. So genießen Tencent und die anderen chinesischen Online-Unternehmen eine Art Monopol.

Das Resultat ist bereits seit einigen Jahren eine zweigeteilte Internet-Welt. Längst gibt es eine chinesische und ein nicht-chinesische Onlinewelt. Und Tencent spielt auf der chinesischen Seite ganz vorne mit.

Der Tencent-Stand auf der "World 5G Exhibition" in Peking (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS
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Tencent ist auch einer der größten Produzenten von Onlinespielen.

Kopf-an-Kopf-Rennen mit Facebook

Auch außerhalb Chinas verdient Tencent Geld, unter anderem mit der Finanzierung von Hollywood-Filmen und mit Computerspielen für Smartphones und Tablets. "Tencent steht für 70 Prozent des weltweiten Online-Gaming-Marktes - inklusive der größten und erfolgreichsten Spiele", erklärt IT-Unternehmensberater Rigart.

Bereits seit Jahren gehört Tencent zu den größten börsennotierten Unternehmen der Welt. Vor wenigen Tagen war der Konzern umgerechnet rund 564 Milliarden Euro wert. Damit überholte das Unternehmen zwischenzeitlich Facebook als wertvollste Social-Media-Plattform. Der US-Konkurrent war zu diesem Zeitpunkt rund sieben Milliarden Euro weniger wert.

Inzwischen hat Facebook Tencent zwar wieder eingeholt, aber Wirtschaftsanalysten weltweit blicken weiter gespannt auf das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Online-Konzernen, unter anderem wegen der wachsenden politischen Spannungen zwischen den Großmächten China und den USA.

Chinesischer Internet-Konzern Tencent überholt Facebook
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
04.08.2020 09:26 Uhr

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