Der britische Touristikkonzern Thomas Cook ist insolvent. | Bildquelle: dpa

Britischer Touristikkonzern Thomas Cook stellt Geschäft ein

Stand: 23.09.2019 08:31 Uhr

Der Touristikkonzern Thomas Cook hat Insolvenz beantragt. Alle Flüge wurden gestrichen. Auch deutsche Tochterunternehmen stellten den Verkauf ein. Rund 600.000 Touristen sind unmittelbar von dem Zusammenbruch betroffen.

Die Bemühungen, den angeschlagenen britischen Touristikkonzern Thomas Cook zu retten, sind gescheitert. Es sei bereits ein entsprechender Insolvenzantrag vor Gericht gestellt worden, teilte der Konzern auf seiner Website mit. Betroffen sind davon etwa eine Million Kunden, die ihren Urlaub erst noch antreten wollten, aber auch rund 600.000 Thomas Cook-Kunden, die derzeit schon im Urlaub sind.

Unternehmenschef Peter Fankhauser bedauerte das Scheitern der Gespräche und sprach in der Erklärung von einem "tieftraurigen Tag" für den Konzern.

Britische Regierung lehnte Bitte ab

Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund verhandelt worden. Das Traditionsunternehmen benötigte das Geld, um in die Zukunft seines Geschäfts zu investieren.

Nach Angaben des britischen Premierministers Boris Johnson lehnte seine Regierung eine Finanzierungsbitte in Höhe von 150 Millionen Pfund ab. "Das ist natürlich eine Menge Steuergeld und stellt, wie die Menschen anerkennen werden, eine moralische Gefahr für den Fall dar, dass Unternehmen künftig mit solchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden", sagte Johnson der Nachrichtenagentur AP.

Thomas Cook war 1841 gegründet worden und betreibt Hotels, Ferienresorts, Airlines und veranstaltet Kreuzfahrten. Der Konzern hat knapp 21.000 Mitarbeiter weltweit.

Condor-Flüge "finden planmäßig statt"

Der Ferienflieger Condor, Teil der Thomas-Cook-Gruppe, versicherte kurz nach Bekanntwerden der Insolvenzpläne, dass der Betrieb weitergehe. "Condor-Flüge werden weiterhin durchgeführt, obwohl die Muttergesellschaft Thomas Cook Group plc ‎Insolvenz eingereicht hat." Weiter hieß es in einer Condor-Mitteilung: "‎Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit ‎beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft."

Die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, stoppten den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett. Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte die Thomas Cook GmbH mit.

"Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus", hieß es weiter. Sollten diese Optionen scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, für weitere Gesellschaften Insolvenz zu beantragen.

"Größte Rückführung in Friedenszeiten"

Der britische Premierminister Boris Johnson versprach gestrandeten Urlaubern die Hilfe seiner Regierung: "Wir werden unser Bestes tun, um sie nach Hause zu holen." Etwa 150.000 britische Touristen, die derzeit im Urlaub sind, sind von der Pleite betroffen.

Nach Angaben des Senders BBC hatte die zivile Luftfahrtbehörde CAA für den Notfall zahlreiche Flugzeuge bereitgestellt. Damit laufe die "größte Rückführung in Friedenszeiten" an, wie der britische Verkehrsminister Grant Shapps bei Twitter mitteilte. Die Rückholaktion trägt nach BBC-Angaben den Codenamen "Matterhorn". In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu holen.

Thomas Cook war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Bereits 2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und ächzt unter der hohen Zinslast. Der jüngste Preiskampf im Reise- und Fluggeschäft kam erschwerend hinzu, ebenso wie die anhaltende Unsicherheit um den Brexit, die die Urlaubsfreude der britischen Kundschaft dämpft.

Mit Informationen von Imke Köhler, ARD-Studio London

Thomas Cook hat Betrieb eingestellt
Imke Köhler, ARD London
23.09.2019 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 23. September 2019 Deutschlandfunk um 07:00 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 09:00 Uhr.

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