Ein Mitarbeiter von Thyssenkrupp geht im Stahlwerk in Duisburg an Rohstahlrollen vorbei. | Bildquelle: dpa

Möglicher Konzernumbau Angst vor thyssenkrupp-Zerschlagung

Stand: 17.07.2018 11:32 Uhr

Bei thyssenkrupp wächst die Angst vor einer Zerschlagung des Konzerns: Im Konflikt mit den Großaktionären geht nach dem Vorstandschef auch der Aufsichtsratsvorsitzende Lehner. An der Börse steigt der Kurs jedoch.

Der schwelende Streit mit unzufriedenen Großaktionären sorgt für viel Unruhe bei thyssenkrupp. Mit dem Abgang des Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Lehner zum Monatsende ist die Führungskrise beim Industriekonzern perfekt. Lehner begründete seinen Rücktritt - wie schon der vor nicht einmal zwei Wochen ausgeschiedene Vorstandschef Heinrich Hiesinger - mit einer mangelnden Unterstützung durch die großen Aktionäre Cevian und Elliott.

Ein gemeinsames Verständnis im Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung sei nicht mehr gegeben gewesen. Übergangsweise leitet inzwischen Finanzvorstand Guido Kerkhoff das Unternehmen.

Betriebsrat will Arbeitsplätze sichern

Angesichts dieser Führungskrise wächst die Angst vor einer Zerschlagung des Konzerns. Dazu dürfe es nicht kommen, forderte Gesamtbetriebsratschef Wilhelm Segerath in Essen. Für die Beschäftigten gehe es nun um die Sicherung der Arbeitsplätze: "Wir wollen gemeinsam mit der Stiftung und allen Aktionären versuchen, das Unternehmen zu erhalten."

Die IG Metall kündigte an, den Konzern gemeinsam mit der Krupp-Stiftung zurück in die Spur bringen zu wollen. Der Abgang von Aufsichtsratschef Lehner bezeichnete der Gewerkschaftssekretär und Vize-Chef des Aufsichtsrats Markus Grolms als bedauerlich. "In solchen Zeiten ist die Mitbestimmung unverzichtbar für die Stabilität des Unternehmens. Gemeinsam mit der Krupp-Stiftung werden wir genau dafür einstehen", fügte Grolms hinzu.

Ein Stahlarbeiter bei thyssenkrupp | Bildquelle: dpa
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Die Sicherung der Arbeitsplätze ist angesichts der Diskussioin um eine Zerschlagung von thyssenkrupp nun die Priorität des Betriebsrats.

Lehner: "Zerschlagung nicht im Sinne unseres Landes"

Ulrich Lehner
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Ulrich Lehner wirft als Aufsichtsratschef von thyssenkrupp hin - und sorgt sich um das Unternehmen.

Zuvor war das thyssenkrupp-Management von Anteilseignern wie dem schwedischen Finanzinvestor Cevian und dem US-Hedgefonds Elliott mit der Forderung nach einem schnelleren Konzernumbau unter Druck gesetzt worden. Größter Aktionär ist mit 21 Prozent die Krupp-Stiftung vor dem Finanzinvestor Cevian mit knapp 18 Prozent. "Wir schützen den Finanzmarkt, aber wir schützen zu wenig die Industrie und die Realwirtschaft", kritisierte Gesamtbetriebsratschef Segerath die Entwicklungen.

Der scheidende Aufsichtsratschef Lehner sagte, seine Entscheidung solle dazu beitragen, "das notwendige Bewusstsein bei allen Beteiligten zu schaffen, dass eine Zerschlagung des Unternehmens und der damit verbundene Verlust von vielen Arbeitsplätzen keine Option darstellt - weder im Sinne des Stifters noch im Sinne unseres Landes."

thyssenkrupp-Aktie steigt

Die Interessen der Anleger an der Börse sind andere: In der Hoffnung auf einen baldigen umfassenden Umbau von thyssenkrupp steigen sie aktuell bei dem Mischkonzern ein. Die Aktien stiegen am Vormittag bei überdurchschnittlichen Umsätzen um bis zu 7,1 Prozent auf 22,07 Euro.

Der Finanzinvestor Cevian

Der schwedische Finanzinvestor Cevian verwaltet für internationale Anleger derzeit ein Vermögen von rund 13 Milliarden Euro. Die Beteiligungsgesellschaft hat sich vor allem auf europäische Industrieunternehmen spezialisiert, die sie an der Börse für unterbewertet hält. "Gesunde Unternehmen, die übersehen, missverstanden oder bei den Investoren in Ungnade gefallen sind" - so beschreibt Cevian seinen Schwerpunkt selbst.
Dabei gehört es zur Firmenpolitik, sich aktiv in die Geschäfte einzumischen und wichtige strategische Weichenstellungen zu beeinflussen.

Cevian wurde 2002 von Christer Gardell und Lars Förberg gegründet. Die Firma hat neben dem Sitz in Stockholm Büros in Zürich und London. Der Anlagefokus ist auf fünf bis sieben Jahre ausgerichtet, in denen der Aktienkurs der Beteiligungen möglichst stark steigen soll.

Bei thyssenkrupp kaufte sich Cevian Ende 2013 ein. Inzwischen hält der Investor gut 18 Prozent der Anteile und ist damit hinter der Krupp-Stiftung zweitgrößter Aktionär. Vom Dienstleistungs- und Baukonzern Bilfinger gehören Cevian fast 30 Prozent. Seine Milliardenbeteiligung am Lkw-Bauer Volvo verkaufte Cevian Ende 2017.

Über dieses Thema berichtete am 17. Juli 2018 die tagesschau um 12:00 Uhr und berichtete die tagesschau um 20:00 Uhr.

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