Die Hauptzentrale des Thyssenkrupp Konzern in Essen. | Bildquelle: dpa

Nach geplatzter Fusion Thyssenkrupp klagt gegen EU-Verbot

Stand: 22.08.2019 12:41 Uhr

Im Juni zerstoben die Pläne Thyssenkrupps, seine Stahlsparte mit der von Tata Steel zu verschmelzen. Die EU hatte erhebliche Einwände und untersagte das Joint-Venture. Dagegen klagen nun die Essener.

Der Industriekonzern Thyssenkrupp wehrt sich gegen das Verbot einer Fusion seiner Stahlsparte mit dem indischen Tata-Konzern. Der Essener Konzern reichte nach eigenen Angaben am Klage beim Gericht der Europäischen Union ein. Vorstandschef Guido Kerkhoff hatte dies bereits angekündigt. Das Unternehmen halte die Entscheidung der EU-Kommission, den Zusammenschluss wegen Wettbewerbsbedenken zu untersagen, für falsch, erklärte Vorstand Donatus.

"Die Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie ist nach wie vor richtig und notwendig, das zeigt auch die aktuell für die Stahlhersteller kritische Marktsituation", sagte Kaufmann. Die Überkapazitäten und der hohe Importdruck aus Asien schafften ein Umfeld, in dem das geplante Joint Venture mit Tata Steel den Wettbewerb nicht beeinträchtigt hätte. "Deshalb reichen wir Klage ein."

Die EU befürchtet Schaden für den Verbraucher

Die EU-Kommission hatte im Juni den geplanten Zusammenschluss der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit dem europäischen Geschäft von Tata Steel untersagt, weil sie den Wettbewerb bei den Produktgruppen Verpackungsstahl und feuerverzinkte Bleche für die Automobilindustrie für gefährdet hielt. Die Fusion hätte nach ihrer Einschätzung zu steigenden Preisen geführt.

Die von Thyssenkrupp und Tata Steel gemachten Zugeständnisse hielt die Behörde für nicht ausreichend. Der Zusammenschluss sei untersagt worden, um ernsthaften Schaden von europäischen Industriekunden und Verbrauchern abzuwenden, sagte damals Wettbewerbshüterin Margrethe Vestager.

Konzernführung musste Aufteilung abblasen

Bevor die EU-Kommission die Pläne von Tata Steel und Thyssenkrupp bremste, hatten die Konzerne drei Jahre lang an dem Vorhaben gearbeitet. Entstanden wäre dann der zweitgrößte Stahlkonzern in Europa nach AcelorMittal. Das Joint Venture hätte Werke in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden mit 48.000 Mitarbeitern gehabt. Das Stahlgeschäft hatte immer wieder die Bilanzen des Industriekonzerns getrübt – im Gegensatz zu seiner Technologiesparte. Thyssenkrupp wollte mit der Teilfusion seine Abhängigkeit vom Stahlgeschäft verringern, das unter Überkapazitäten und dem Wettbewerbsdruck aus Asien leidet.

Für den Essener Konzern hatte das Platzen des Geschäfts unmittelbare Folgen. Die Konzernführung kündigte darauf im Zuge einer strategischen Neuausrichtung die Streichung von weltweit 6000 Stellen an, davon 4000 in Deutschland. Das Management musste einen Strategieschwenk vornehmen: Die geplante Aufteilung des Unternehmens in einen reinen Werkstoffkonzern mit der Stahlproduktion und ein Industrieunternehmen mit dem Aufzugs- und Automobilzuliefergeschäft blies die die Konzernführung ab. Die Abhängigkeit vom wechselhaften und kapitalintensiven Stahlgeschäft ist damit wieder gestiegen.

Vorstandschef Kerkhoff stieß einen umfassenden Umbau an und sucht nun für verschiedene Industriegeschäfte Partner. Um Geld in die Kasse zu bekommen, soll das Aufzuggeschäft an die Börse gebracht werden

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. August 2019 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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