Eine Stellenausschreibung des Bekleidungseinzelhändlers GAP | Bildquelle: AP

Arbeitsmarkt Was ist dran am US-Wirtschaftswunder?

Stand: 10.01.2020 04:22 Uhr

Die Arbeitslosigkeit in den USA ist so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Zahlen verbucht Präsident Trump als Erfolg seiner Politik. Sie hat aber auch eine Kehrseite.

Von Torben Ostermann, ARD-Studio Washington

Es ist ein Lieblingsthema von Donald Trump, und wahrscheinlich gibt es nur wenige Dinge, über die der US-Präsident lieber spricht. Der US-Wirtschaft gehe es blendend, und die Arbeitslosenzahlen seien so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr - wiederholt Trump mantraartig: "Das sind die besten Zahlen seit 50 Jahren! Wir haben schon seit Ewigkeiten nicht mehr solche Zahlen gehabt!"

Für Trump ist eine starke Wirtschaft wahlentscheidend. Brummt sie weiter, steigen seine Chancen darauf, weitere vier Jahre im Weißen Haus in der Pennsylvania Avenue wohnen zu dürfen.

Vor allem Jobs im Niedriglohnsektor

Doch was kommt bei denen an, die Trump erreichen will? Die einfachen Leute in der Mitte des Landes? Gary Hufbauer ist ein renommierter Ökonom und Fachmann für den US-Arbeitsmarkt. Zuletzt seien vor allem Teilzeitjobs im Niedriglohnsektor entstanden, sagt er - und das sei ein großes Problem. "Diese Jobs sorgen nicht dafür, dass du krankenversichert bist. Und außerdem bekommst du keine Rente. Davon sind vor allem jüngere Arbeitnehmer betroffen."

Bei Trump klingt das anders. Zu seiner Strategie, Amerika wieder groß machen zu wollen, passen die alarmierenden Zahlen aus dem Niedriglohnsektor nicht. Alarmierende Zahlen, die zeigen, dass bei immer mehr Amerikanern ein Job nicht mehr ausreicht. Für viele Millionen Berufstätige heißt es: Nach dem Feierabend ist vor dem nächsten Schichtbeginn. "Mehr als die Hälfte der Familien in diesem Land geben monatlich mehr Geld aus, als sie einnehmen. Die sind also auf zusätzliches Geld angewiesen, von Verwandten oder aus anderen Quellen."

Mehr zum Thema

Explodierende Lebenshaltungskosten

Diese prekären Beschäftigungsverhältnisse würden die Menschen krank machen, da ist sich Hufbauer sicher und verweist auf zahlreiche Studien zu diesem Thema. "Unglücklicherweise sehen wir, dass immer mehr Menschen mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. Das lässt sich zum Beispiel daran ablesen, dass in den Gegenden, wo die Jobs nicht gut sind, mehr Menschen von Schmerzmitteln abhängig sind."

Seit zehn Jahren beträgt der bundesweite Mindestlohn in den USA mickrige 7,25 Dollar - trotz explodierender Lebenshaltungskosten. Zahlreiche Bundesstaaten sind mittlerweile vorgeprescht und haben einen eigenen, höheren, Mindestlohn eingeführt. Trump wird bis zur Wahl weiterhin von der boomenden US-Wirtschaft und den glänzenden Arbeitsmarktzahlen sprechen. Dass die Realität mancherorts weniger verheißungsvoll ist, scheint unter seinen Anhängern bisher keine große Rolle zu spielen.

Was ist dran am US-Wirtschaftswunder?
Torben Ostermann, ARD Washington
10.01.2020 10:16 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Januar 2020 um 05:50 Uhr.

Darstellung: