Dunkle Wolken ziehen über den Firmensitz der TUI in Hannover hinweg. | Bildquelle: dpa

Corona-Krise TUI erhält erneut Milliardenhilfe

Stand: 02.12.2020 17:52 Uhr

Es ist bereits die dritte Finanzspritze in diesem Jahr: Der Reisekonzern TUI erhält vom Bund und von privaten Investoren Corona-Hilfen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Die Konkurrenz sieht die staatliche Unterstützung kritisch.

Der TUI-Konzern erhält weitere Staatshilfen gegen einen möglichen finanziellen Absturz in der Corona-Krise. Wie der weltgrößte Reiseanbieter aus Hannover mitteilte, einigte er sich mit dem Bund sowie privaten Investoren und Banken auf ein Finanzierungspaket in Höhe von 1,8 Milliarden Euro.

Das Paket stärke die Position der TUI und stelle ihr eine ausreichende Liquiditätsreserve zur Verfügung, hieß es. "Diese gleicht auch die bis zum Beginn der Sommersaison 2021 angenommenen Reisebeschränkungen aus." Die Hilfen seien notwendig geworden aufgrund der zunehmenden Reisebeschränkungen durch wieder ansteigende Infektionszahlen. Viele Kunden hätten ihr Buchungsverhalten kurzfristig geändert.

Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnete die beschlossenen Hilfsmaßnahmen für TUI als wichtig, damit der Reiseanbieter die schwierige Zeit überbrücken könne. "Das Unternehmen war vor der Krise profitabel und hat als Unternehmen der Reisebranche durch die Corona-Krise mit nie dagewesenen Schwierigkeiten zu kämpfen", sagte eine Sprecherin von Minister Peter Altmaier.

Staatsfonds darf zwei Aufsichtratsmitglieder benennen

Das Finanzierungspaket sieht laut TUI konkret eine Kapitalerhöhung von rund 500 Millionen Euro vor, die von privaten Investoren geschultert wird. Daneben geht es um eine in Aktien der TUI wandelbare stille Einlage des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 420 Millionen Euro sowie um eine nicht wandelbare stille Einlage des WSF in Höhe von 280 Millionen Euro. Der stillen Einlage muss die EU-Kommission allerdings noch zustimmen.

Vorausgegangen waren Verhandlungen mit der Bundesregierung. Zwei vom WSF benannte Personen sollen Mitglieder des Aufsichtsrats der TUI werden. Der staatliche WSF dient der Stabilisierung der Wirtschaft in Folge der Corona-Pandemie. Er stellt Unternehmen Stabilisierungsmaßnahmen zur Stärkung ihrer Kapitalbasis und zur Überwindung von Liquiditätsengpässen bereit. So hatte die Bundesregierung auf diesem Weg bereits ein milliardenschweres Rettungspaket für die Lufthansa auf den Weg gebracht.

Kritik an Milliardenhilfen vom Rewe-Chef

Außerdem umfasst das Finanzierungspaket laut TUI eine Staatsgarantie in Höhe von 400 Millionen Euro - oder alternativ eine entsprechende Erhöhung der nicht wandelbaren stillen Einlage des WSF sowie eine zusätzliche Kreditlinie der Staatsbank KfW über 200 Millionen Euro. Eine bereits bestehende Kreditlinie der KfW wird zudem bis Juli 2022 verlängert. TUI teilte mit, dass die stillen Einlagen durch den WSF mit weiteren Einschränkungen verbunden seien, unter anderem im Hinblick auf Investitionen in andere Unternehmen.

TUI war im Frühjahr als erstes deutsches Großunternehmen von der staatlichen Förderbank KfW mit einem Darlehen über 1,8 Milliarden Euro unterstützt worden. Neben dem Hannoveraner Konzern und der Lufthansa wird auch der Reise-Konkurrent FTI öffentlich gestützt. Ende September waren für TUI 1,2 Milliarden Euro in Form einer zweiten Kreditlinie sowie einer Anleihe hinzugekommen, die der Bund auch in eigene Anteile des Konzerns umwandeln kann.

Kritik an den Milliardenhilfen für TUI und FTI hatte bereits vor zwei Wochen der Chef des Handelskonzerns Rewe, Lionel Souque, geäußert. Zum Rewe-Konzern gehört auch das Reiseunternehmen DER Touristik. "Ich hoffe sehr, dass unsere Konkurrenten die erhaltenen Hilfen nach der Krise komplett zurückzahlen und der Staat nicht ein Auge zudrückt", sagte Souque dem "Manager Magazin". Sollte das nicht der Fall sein, wäre das seiner Ansicht nach "grob unfair".

TUI bekommt weitere Staatshilfen
Dirk Rodenkirch, ARD Berlin
02.12.2020 17:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 02. Dezember 2020 tagesschau24 um 16:00 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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