Ein Taxifahrer in Shanghai

Proteste gegen Taxidienstvermittler Uber expandiert in China

Stand: 15.07.2015 10:30 Uhr

Der US-Taxidienstvermittler Uber expandiert immer weiter und zieht so weltweit den Zorn der etablierten Taxifahrer auf sich. In immer mehr Staaten regt sich Protest gegen die Geschäftspraktiken des Unternehmens. Zunehmend auch in China.

Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Shanghai

Man hört sie immer häufiger fluchen, die Taxifahrer auf den Straßen von Shanghai. "Die nehmen uns unser Geschäft weg! Das ist doch nicht gut! Diese Angebote müssen verboten werden. Falls nicht, machen wir Ärger!", sagt einer über den Taxidienstvermittler Uber.

Person zeigt Uber App auf seinem Handy
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Bequem per App: Private Fahrdienste verdrängen Taxis

Ein Taxi per Smartphone-App zu bestellen, dieses Konzept funktioniert in China noch besser als anderswo. Denn kaum sonst irgendwo ist die Bevölkerung so jung, so technikbegeistert und Smartphone-verliebt wie in China. Ohne Handy bekommt man hier inzwischen fast kein Taxi mehr. Deswegen expandiert Uber in China gerade besonders aggressiv. Und das, ohne auch nur einen Cent Geld zu verdienen. Im Gegenteil: Uber legt massiv drauf.

Uber: Haben mehr als 60.000 Arbeitsplätz geschaffen

"Wenn in China etwas gut funktioniert, dann breitet es sich aus, schneller als irgendwo sonst auf der Welt, einschließlich Amerika", macht Geschäftsführer Travis Kalanick in einem Interview mit dem chinesischen Wirtschaftsjournal Caixin klar.

China ist für Uber inzwischen der zweitwichtigste Markt nach den USA. Jeden Tag werden landesweit rund eine Million Fahrten gebucht. Ende Mai teilte Uber mit, man habe in China inzwischen mehr als 60.000 Arbeitsplätze geschaffen. Seit Ende vergangenen Jahres der chinesische Internetkonzern Baidu bei Uber eingestiegen ist, wächst das Unternehmen noch schneller.

"Die Regierung sieht tatenlos zu"

Smartphone-Apps, mit denen bequem Taxis gebucht werden, sind in Chinas Metropolen schon seit einigen Jahren verbreitet. Bisher profitierten die lokalen Taxiunternehmen davon. Jetzt wandelt sich das Geschäft. Denn mit der neuesten Generation von Apps können Kunden private Fahrer buchen. Die verlangen meistens weniger als gewöhnliche Taxis, haben aber oft modernere Autos.

Ein Taxifahrer in Shanghai
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Nicht begeistert von Uber: Ein Taxifahrer in Schanghai

Diese Anbieter hätten bald mehr auf Autos auf den Straßen als die alteingesessenen Unternehmen, beklagt ein anderer Taxifahrer. "Wenn die Regierung weiter tatenlos zusieht, bleibt mir nichts anderes übrig, als meinen Job hinzuschmeißen."

Und Chinas Staatsführung will angeblich etwas tun. Nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins JieMian plant die Regierung neue Regeln im Bereich Taxi-Apps. Demnach müssen auch ausländische Anbieter ihre Rechenzentren künftig in China haben, inklusive Zugriff auf alle Daten durch die Regulierungsbehörden. Zahlungen dürfen nur noch über chinesische Banken abgewickelt werden. Besonders niedrige Fahrpreise sollen verboten werden, heißt es. Werden diese Pläne tatsächlich umgesetzt, würden sie vor allem Uber treffen.

Dieser Beitrag lief am 15. Juli 2015 um 12:36 Uhr im Inforadio.

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