Britisch-schwedischer Konzern Wie AstraZeneca die Wende gelang

Stand: 11.02.2021 12:46 Uhr

AstraZeneca hat sich in der Corona-Krise zu einem der wichtigsten Impfstoff-Hersteller entwickelt. Dabei war der Konzern zuvor gar nicht auf diesem Gebiet tätig. Die neue Strategie von Firmenchef Soriot scheint aufzugehen.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London 

In der Corona-Pandemie hat AstraZeneca angefangen, eine zentrale Rolle für die Impfstoffproduktion zu spielen. Dabei war das Unternehmen in der Vergangenheit nie ein großer Impfstoffhersteller. Der britisch-schwedische Konzern existiert seit 1999. Damals fusionierten das 1913 in Schweden gegründete Unternehmen Astra und das britische Unternehmen Zeneca. AstraZeneca hatte sich auf Medikamente gegen Krebs-,  Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen spezialisiert.

Aber dann kam das Jahr 2020, ein Corona-Virus, das die Welt erschüttern sollte, und vieles wurde anders. "Bei AstraZeneca arbeiten wir mit anderen Branchen-Unternehmen zusammen, mit Regierungen und Organisationen rund um die Welt. Wir schmieden Allianzen, die normalerweise undenkbar wären", erzählt Geschäftsführer Pascal Soriot.

Verbindungen zur Spitzenforschung

AstraZeneca baute in Zusammenarbeit mit dem britischen Pharma-Konkurrenten GlaxoSmithKline und der Universität Cambridge ein Labor für Covid-19-Tests auf. Unter der Führung von Soriot hat AstraZeneca seinen Hauptsitz aus der Provinz nach Cambridge verlegt, um näher an der Spitzenforschung zu sein. Eine Kooperation für die Impfstoffentwicklung und -produktion ist AstraZeneca im April letzten Jahres dann aber mit der anderen Spitzenuniversität in Oxford eingegangen.

"Als die Pandemie begann, wurde sehr schnell klar, dass die pharmazeutische Industrie alles aufbieten müsste, um Behandlungsmethoden und Impfstoffe zu finden", sagt AstraZeneca-Chef Soriot. Das Unternehmen sei deshalb an die Universität Oxford herangetreten. Die Wissenschaftler brachten ihre Ergebnisse aus jahrelanger Forschung ein, AstraZeneca seine Erfahrung, Impfstoffe im globalen Maßstab zu entwickeln und zu produzieren.

Entwicklungsländer sollen profitieren

Allerdings hat AstraZeneca selbst auch nur begrenzte Kapazitäten. Einen Großteil der Impfstoffproduktion hat das Unternehmen deshalb ausgelagert - unter anderem zu einem der weltweit größten Hersteller von Impfstoffen, dem Serum Institute in Indien. Ein beträchtlicher Teil der Impfdosen soll ohnehin für Entwicklungs- und Schwellenländer zur Verfügung stehen.

Der Universität Oxford und AstraZeneca war diese ethische Komponente eigenen Angaben zufolge sehr wichtig. "Covid-19 ist eine weltweite Bedrohung, und wir werden sie nur bezwingen, wenn wir den größtmöglichen Zugang zu potenziellen Impfstoffen bieten", sagt Soriot. Deshalb hätten beide Partner entschieden, mit anderen zusammenzuarbeiten, um allen weltweit einen fairen Zugang zu verschaffen. "Während der Pandemie wollen wir das ohne Profit tun", verspricht der Firmenchef.

Analysten glauben an AstraZeneca

Was immer noch die Möglichkeit eröffnet, nach der akuten Krise mit dem Impfstoff Geld zu verdienen, wobei ärmere Länder das Vakzin gegen Covid-19 offenbar dauerhaft zum Selbstkostenpreis bekommen sollen. An der Börse sorgt die Abgabe zum Selbstkostenpreis nicht für Höhenflüge, aber Analysten glauben trotzdem, dass AstraZeneca einen unternehmerischen Gewinn erzielen kann: in Form von Expertise und der Erprobung eines neuen Geschäftsfelds.

Eigentlich müsste der Konzern auch mit einem Imagegewinn und politischem Wohlwollen rechnen können. Es ist aber fraglich, inwiefern das Unternehmen darauf nach dem Streit mit der EU-Kommission um Vertragsklauseln und Lieferausfälle noch hoffen kann.

Klar sind dagegen Soriots Ambitionen für das Unternehmen. Als der Franzose 2012 Vorstandschef wurde, stand AstraZeneca nicht gut da. Wichtige Patente liefen aus, und gewinnversprechende Neuentwicklungen gab es kaum. 2014 musste das Pharmaunternehmen eine feindliche Übernahme durch den US-Konzern Pfizer abwehren. Soriot brachte AstraZeneca dann aber wieder auf die Erfolgsspur. So erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Jahr ein Plus von 3,2 Milliarden Dollar. Der Umsatz wuchs um rund 10 Prozent auf 26,6 Milliarden Dollar.

AstraZeneca - Unternehmensporträt
Imke Köhker, ARD London
11.02.2021 09:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 11. Februar 2021 um 11:20 Uhr.

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