Studie zur Finanzierung Rekordsummen für BioNTech & Co.

Stand: 20.04.2021 15:15 Uhr

Dank BioNTech und CureVac haben die deutschen Biotechfirmen im vergangenen Jahr so viel Geld eingesammelt wie noch nie. Dennoch beklagt die Branche zu hohe Hürden, um an frisches Kapital zu kommen.

Die Finanzierung der deutschen Biotechunternehmen ist im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 3,1 Milliarden Euro gestiegen, mehr als doppelt soviel wie im bisherigen Rekordjahr 2018. Allerdings entfiel die Hälfte davon - 1,55 Milliarden Euro - auf die Finanzierungen der beiden Impfstoffentwickler BioNTech und CureVac. Doch auch ohne diese beiden Leuchttürme hätten die heimischen Biotechfirmen eine Rekordsumme von rund 1,5 Milliarden Euro eingesammelt, wie Zahlen der Prüfungsgesellschaft EY zeigen.

Biotechfirmen aus Deutschland schlagartig im Fokus

"2020 war ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Jahr für die deutsche Biotechnologie-Branche", erklärt einer der Autoren der Studie, Alexander Nuyken. "Die Corona-Pandemie hat Biotechunternehmen aus Deutschland und ihre Lösungen für Impfstoffe schlagartig in den Fokus gerückt. Die Finanzierungszahlen explodieren geradezu."

Wie schon 2019 haben sich auch 2020 gleich zwei Biotechnologieunternehmen aus Deutschland aufs Börsenparkett begeben - wenn auch nicht in Europa, sondern an der Technologiebörse Nasdaq in New York: CureVac und das ebenfalls in Tübingen ansässige Unternehmen Immatics. Sie nahmen auf diesem Weg 215 beziehungsweise 224 Millionen Euro ein.

Ernsthafte Größe erreicht

Bei der Aufnahme von Risikokapital war CureVac besonders erfolgreich. Die Firma erhielt insgesamt 560 Millionen Euro, darunter eine Staatsbeteiligung durch die KfW über 300 Millionen Euro für die Entwicklung eines Corona-Impfstoffes. Damit vereinte das Unternehmen weit mehr als die Hälfte des insgesamt eingesammelten Venture Capitals auf sich - zusammen erhielten die deutschen Biotechunternehmen 882 Millionen Euro und damit 84 Prozent mehr als im Vorjahr.

Unter Risikokapital oder Venture Capital versteht man Gelder, die für Existenzgründer und junge Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, oft von Beteiligungsgesellschaften, sogenannten Venture-Capital-Fonds.

Insgesamt sind die deutschen Biotechunternehmen zu einer ernsthaften Größe aufgestiegen. Den EY-Zahlen zufolge erwirtschafteten sie 2020 einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro, 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten legte um 18 Prozent auf 13.995 zu. Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung können die börsennotierten Biotechs sogar ein Wachstum um zwei Drittel auf 1,4 Milliarden Euro vermelden.

Biotechs sind nicht nur Impfstoffproduzenten

Dieses Momentum gelte es zu nutzen, um den Biotechstandort nachhaltig zu stärken und zu zeigen, dass die Biotechbranche nicht nur für die Bekämpfung von Krankheiten eingesetzt werden könne, sondern auch innovative Lösungsansätze für Umwelt-, Energie- oder Ernährungsthemen biete, betont EY-Experte Nuyken.

"Biotech muss als Schlüsseltechnologie in vielen Bereichen angesehen werden, nicht nur in der Pandemie", sagt auch Oliver Schacht, Vorstandschef des Branchenverbands Bio Deutschland. Die Politik müsse die Bedingungen für Wachstumsfinanzierung verbessern. Zwar gebe es in Deutschland Gelder für Grundlagenforschung und die Frühphasenfinanzierung von Firmen, aber es mangele an hohen Summen für die späteren klinischen Phasen der Arzneientwicklung. So dürften Investoren wie Versicherungen kaum in Biotechfirmen investieren, und Aktiengewinne in Deutschland würden hoch besteuert.

Hemmnis Außenwirtschaftsverordnung

Tatsächlich habe der Gesetzgeber aus Angst vor dem Ausverkauf von deutschem Know-how die Außenwirtschaftsverordnung verschärft und damit ein weiteres Hemmnis für Investitionen aus dem Ausland geschaffen, monieren auch die Experten von EY. So benötigen Investoren, die nicht in der EU ansässig sind, ab einer Beteiligung von zehn Prozent eine Sondererlaubnis.

Dies stelle sich vermehrt als Investitionshemmnis für dringend benötigtes Kapital für die gesamte Biotechbranche dar, heißt es in der EY-Studie. Denn viele europäische Venture-Capital-Fonds seien aus steuerlichen Gründen an Standorten außerhalb der EU angesiedelt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. April 2021 um 14:00 Uhr.

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