Elektronikhändler Ceconomy Ende eines jahrelangen Streits

Stand: 15.12.2020 13:04 Uhr

Der Betreiber der Elektronikmärkte Media-Markt und Saturn hat den jahrelangen Konflikt mit der Gründerfamilie Kellerhals beendet. Dabei geht es um über 800 Millionen Euro.

Der Elektronikhändler Ceconomy, Betreiber der Ketten Media-Markt und Saturn, hat endlich einen Schlussstrich unter die seit Jahren schwelenden Konflikte mit der Familie Kellerhals gezogen. Der inzwischen verstorbene Media-Markt-Mitgründer Erich Kellerhals und Minderheitsaktionär hatte sich immer wieder über die strategische Ausrichtung der Elektronikkette beklagt und war darüber mit der Unternehmensführung in Streit geraten.

Nun wird die Media-Saturn-Holding komplett die von der Familie Kellerhals gehaltene Beteiligung von 21,62 Prozent übernehmen. Dafür bekommt die Kellerhals-Familienholding Convergenta eine Beteiligung von 25,9 Prozent an Ceconomy, Wandelanleihen im Wert von 160 Millionen Euro und 130 Millionen Euro in bar. Ceconomy bezifferte den Wert der Transaktion auf Basis des aktuellen Ceconomy-Aktienkurses auf insgesamt 815 Millionen Euro.

Erich Kellerhals
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Der 2017 gestorbene Unternehmer Erich Kellerhals eröffnete Ende der 1970er-Jahre den ersten Media-Markt.

Einsparungen in Millionenhöhe

"Mit dieser Einigung haben wir die Zeit vergangener Konflikte hinter uns gelassen und eine gute Lösung im Sinne aller Beteiligten gefunden", kommentierte Ceconomy-Chef Bernhard Düttmann. Auch die Familie Haniel, ein anderer Großaktionär von Ceconomy, begrüßte die Einigung.

Mit der Neuorganisation der Gesellschafterstruktur will Ceconomy die komplizierte Struktur des Konzerns vereinfachen. Das Unternehmen erhofft sich dadurch Einsparungen in Millionenhöhe.

Noch mehr Online-Verkäufe

Zudem soll sich die Transaktion positiv auf das Ergebnis auswirken. Dabei wird der bisherige Gewinnanteil der Convergenta auf Ceconomy verlagert, was dem Unternehmen zufolge mehr als 50 Millionen Euro pro Jahr ausmacht. Auch operativ soll sich einiges tun: Das Onlinegeschäft solle weiter ausgebaut werden und einen Umsatzanteil in Richtung 30 Prozent erreichen, teilte Ceconomy am Dienstag weiter mit. Im vergangenen Geschäftsjahr hatten die Online-Verkäufe einen Anteil am Umsatz von 20 Prozent.

Nun werden auch die stationären Läden neu aufgestellt. Dazu soll es künftig vier Kategorien geben: Die klassischen Märkte mit einer Fläche von im Schnitt 1.750 Quadratmetern bilden weiterhin den Schwerpunkt. Deutlich kleiner werden sollen "Smart"-Märkte, wobei hier der Fokus auf der schnellen Mitnahme der Produkte sowie auf Dienstleistungen liegen soll.

Produkte für das "Smart Home"

Dazu kommen ein Shop-in Shop-System sowie Flagship-Läden, in denen etwa die neuesten Technologien gezeigt werden sollen. Die mittelfristige Strategie sieht dabei außerdem vor, Angebote und Dienstleistungen auszubauen und neue Produktkategorien einzuführen, etwa im Bereich Gesundheit.

Auch das in der Pandemie stark laufende Geschäft mit Elektronik in den Bereichen Mobilität und "Smart Home" will Ceconomy erweitern und setzt dabei auf einen wachsenden Anteil von Eigenmarken. "Wir sehen bereits erste Erfolge einzelner Maßnahmen und gehen optimistisch in die weitere Umsetzung", kommentierte Düttmann.

Metro und Ceconomy
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Ceconomy entstand 2017 durch die Abspaltung vom Metro-Konzern.

Ungewissheit in der Pandemie

Im vergangenen Geschäftsjahr (per Ende September) ist der Umsatz wegen der umfangreichen Ladenschließungen im Zuge der Pandemie währungs- und portfoliobereinigt um 1,8 Prozent auf rund 20,8 Milliarden Euro zurückgegangen. Mittelfristig will Ceconomy bis 2022/23 die Umsätze auf über 22 Milliarden Euro steigern.

Unter dem Strich verzeichnete der Konzern einen Verlust von 237 Millionen Euro, dabei belasteten Abschreibungen auf die Beteiligung an der französischen Elektronikkette Fnac Darty. Im laufenden Geschäftsjahr wird ein positives Ergebnis von 320 bis 370 Millionen Euro angepeilt. Allerdings hängt das Erreichen der Ziele vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab, schränkte Ceconomy ein.

Aktie springt in die Höhe

An der Börse sorgte das Ende der Streitigkeiten mit der Kellerhals-Familie für Erleichterung. Die im MDax notierte Ceconomy-Aktie schoss um gut 26 Prozent in die Höhe und notierte erstmals seit langem wieder über der Marke von 5,00 Euro.

Über dieses Thema berichtete der BR Hörfunk am 15. Dezember 2020 um 09:10 Uhr in "B5 Wirtschaft und Börse".

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