Institut in der Krise Commerzbank macht Milliardenverlust

Stand: 04.02.2021 10:03 Uhr

Der Aufsichtsrat der Commerzbank hat den vom Vorstand geplanten Umbau samt Stellenabbau durchgewunken. Ein erster Blick auf die Bilanz des vergangenen Jahres zeigt: Das Minus ist riesig.

Das Minus in der Bilanz der Commerzbank summiert sich im abgelaufenen Geschäftsjahr vorläufigen Zahlen zufolge auf 2,9 Milliarden Euro. Zumindest ein Teil davon ist auf den geplanten Konzernumbau zurückzuführen. Insgesamt sollen die Kosten nach Angaben des Managements 1,8 Milliarden Euro betragen. 800 Millionen davon schlagen bereits im Geschäftsjahr 2020 zu Buche.

Hinzu kommen noch Abschreibungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro, weil sich übernommene Geschäfte der Dresdner Bank und der polnischen MBank nicht so gut entwickelten wie seinerzeit erhofft. Die Commerzbank hatte die Dresdner Bank im Jahr 2009 von der Allianz gekauft. In der kommenden Woche wird die Commerzbank die Einzelheiten der Jahresbilanz präsentieren.

Aufsichtsrat billigt Sparpläne

Die Commerzbank gewährte nicht nur einen Einblick in die Zahlen. Auf einer Sondersitzung am Mittwoch billigte der Aufsichtsrat mehrheitlich die Sparpläne des Vorstands bis 2024. "Die vom Vorstand vorgeschlagene Strategie wird vom Aufsichtsrat inhaltlich und fachlich mitgetragen und die Umsetzung konstruktiv begleitet", teilte das Management mit.

Die Sparpläne sehen vor, dass weltweit 10.000 Vollzeitstellen gestrichen werden. In Deutschland ist nach bisherigen Angaben der Bank jeder dritte Arbeitsplatz von den Kürzungen betroffen. Ende September vergangenen Jahres zählt der Konzern noch gut 39.600 Vollzeitstellen. Für Aufmerksamkeit hatte vor allem die geplante Beinahe-Halbierung des Filialnetzes in Deutschland von 790 auf 450 Filialen gesorgt.

"Zügig und fair"

Um die Verhandlungen zum Personalabbau "zügig und mit der gebotenen Fairness und Transparenz voranzutreiben", schloss der Vorstand eine formlose Absprache mit dem Gesamtbetriebsrat der Commerzbank AG. "Ziel ist es, für frühestmögliche Klarheit und Transparenz über Betroffenheiten, Zeitabläufe und Perspektiven zu sorgen."

Manfred Knof | Bildquelle: dpa
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Manfred Knof, Vorstandschef der Commerzbank.

Es werde angestrebt, "bis zur Hauptversammlung am 5. Mai 2021 die notwendigen Rahmenregelungen - Rahmen-Interessenausgleich und Rahmen-Sozialplan - mit dem Gesamtbetriebsrat abzuschließen", heißt es weiter.

Mehr Digitalisierung geplant

Ein weiteres wichtiges Thema bei der Neujustierung der Commerzbank ist die Digitalisierung. Der Vorstand kündigte deshalb an, Geschäftsprozesse "konsequent und durchgängig" zu digitalisieren und zu automatisieren. Vorangetrieben werden soll dies gemeinsam mit der Online-Tochter Comdirect, die gerade integriert wird.

Auch das kostet zunächst viel Geld: 1,7 Milliarden Euro werden in die IT investiert. Die Kosten im Konzern sollen dann bis 2024 um 1,4 Milliarden Euro verglichen mit dem Jahr 2020 sinken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2021 um 12:00 Uhr.

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