Verlustjahr für CTS Eventim Konzertveranstalter setzen auf 2022

Stand: 23.03.2021 16:19 Uhr

Konzerte werden in Deutschland weiterhin nicht stattfinden: schwere Zeiten also für den Veranstalter CTS Eventim. Und so wie es aussieht, werden die Zeiten vorerst schwer bleiben.

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Dass die Konzertbranche in besonderer Weise unter der Pandemie leidet, ist bekannt: Es hagelt seit Monaten Absagen und Verschiebungen. In den vergangenen Tagen wurden weitere wichtige und traditionsreiche Events für den Sommer abgesagt. Dazu gehören die vom Veranstalter-Netzwerk "Eventim Live" organisierten Musikfestivals "Rock am Ring", "Rock im Park", "Deichbrand", "Hurricane", "Southside", "SonneMondSterne" und das Schweizer "Greenfield Festival".

Läuft es anderswo besser? In Großbritannien, dem sogenannten Mutterland der Popmusik, hatte Premierminister Boris Johnson im Februar angekündigt, dass sämtliche Kontaktbeschränkungen im Juni wegfallen sollen. Das könnte zumindest dort der Startschuss sein für eine unterhaltsame zweite Jahreshälfte. Aber sicher ist das keineswegs. Denn wenn es eine Lehre aus der Corona-Krise gibt, dann diese: Man kann sich trotz Impfungen auf solche Prognosen nicht verlassen.

Ein Pfad in Richtung Normalität?

Gleichwohl bleiben die aktuellen Impf- und Testkampagnen für das Management des Ticketverkäufers und Konzertveranstalters CTS Eventim der Stoff, aus dem die Hoffnungen sind: "Die Zeichen stehen gut, dass angesichts einer immer breiteren Verfügbarkeit von Impfstoffen sowie Schnelltests und dem Fortschritt der Impfkampagnen unsere Branche in den nächsten Monaten den Pfad in Richtung Normalität einschlägt", meint Konzernchef Klaus-Peter Schulenberg anlässlich der aktuellen Geschäftszahlen.

Der Pfad ist lang, denn die Folgen der Pandemie hinterlassen tiefe Spuren in der Bilanz des im MDAX notierten Unternehmens. Der Umsatz brach 2020 um rund 82 Prozent auf 256,8 Millionen Euro ein. Unter dem Strich stand ein Verlust von 82,3 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern noch einen Überschuss von fast 133 Millionen Euro erwirtschaftet.

Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandschef CTS Eventim
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CTS-Chef Klaus-Peter Schulenberg: "Die Zeichen stehen gut."

"Ein Meer von Fehlern"

Und selbst wenn es tatsächlich zu vorsichtigen Öffnungen kommen sollte, wird so etwas wie eine Normalität nicht allzu bald eintreten. "Auch mit einem schrittweisen Wiederanlauf werden wir aufgrund der langen Vorlaufzeiten und den Kapazitätseinschränkungen vor allem bei größeren Veranstaltungen im Jahr 2021 in vielen Bereichen noch nicht wirtschaftlich arbeiten können", meint Linda Residovic, Geschäftsführerin des VPLT, des Verbands für Medien- und Veranstaltungstechnik.

Die Belastung für die Veranstaltungswirtschaft werde weiterhin enorm hoch bleiben. "Nach wie vor gilt daher unsere Forderung nach einem großen Sonderprogramm für die Veranstaltungswirtschaft", so Residovic.

Die jüngsten Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern kommen deshalb auch bei FAMAB, einem Branchenverband, der die Interessen der verschiedenen im Veranstaltungswesen tätigen Unternehmen vertritt, nicht gut an: Die zunächst vollmundig angekündigte Öffnungsstrategie ertrinke in einem Meer operativer Fehler, sagte der FAMAB-Vorsitzende Experte Jörn Huber: "Wir sind länger im Lockdown als jeder andere Sektor."

Menschen feiern auf einem Konzert in Baden-Württemberg | Bildquelle: picture alliance / Marius Bullin
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Beim Konzertbesuch in früheren Tagen waren Kontakte fast unvermeidlich.

Tausende Arbeitsplätze in Gefahr  

Immer wieder weist die Veranstaltungsbranche auf ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung hin, um die Politik für ihre Belange zu sensibilisieren: Sie sei in Deutschland die sechstgrößte Wirtschaftsbranche, habe eine Studie des Research Institutes for Exhibition and Live Communication ergeben. Rund 1,5 Millionen Mitarbeiter würden für einen Umsatz von knapp 130 Milliarden Euro sorgen.

Nach einer Studie des Beratungsunternehmens DIW Econ über die Musikwirtschaft im Besonderen aus dem September 2020, die im Auftrag einer Reihe von in der Musikbranche tätigen Verbänden durchgeführt wurde, erwirtschaftete sie im Jahr 2019 13,6 Milliarden Euro. Zu den Verbänden gehören unter anderem BDKV, BVMI, GEMA und DMV.

Der Musikbereich sei der der zweitstärkste Wirtschaftszweig innerhalb der gesamten Medienindustrie - nach den Fernsehveranstaltern. Ende 2019 arbeiteten hier etwa 157.800 Menschen, darunter 64.000 Selbstständige und rund 93.000 Arbeitnehmer. Tausende Arbeitsplätze seien wegen Corona in Gefahr durch die eng verflochtenen Dienstleistungs- und Verwertungsketten untereinander, heißt es in der Studie.

Keine Prognose möglich

Die Zeit scheint also zu drängen, denn es herrschen große Zweifel darüber, ob es in diesem Jahr noch die gewohnten Konzertereignisse geben kann. "Der internationale Tour-Zirkus wird erst 2022 wieder so richtig in Gang kommen, denn eine Tour in Europa trägt sich nur, wenn die Termine sicher im normalen Umfang stattfinden können", sagte Stephan Thanscheidt, Vorstandsmitglied des Branchenverbands BDKV der "FAZ".

Aber wie könnte die nähere Zukunft aussehen? Unter dem Titel "Manifest Restart" stellt das "Forum Veranstaltungswirtschaft" eine Teststrategie vor, die sichere Zonen für Veranstaltungen ermöglichen und zur Eindämmung des Infektionsgeschehens beitragen soll. Ziel sei es, auch dank des erhofften Impffortschrittes wieder zu einer Vollauslastung der Kapazitäten zu kommen.

Aber noch bleibt vor allem die Ungewissheit. CTS Eventim wagt für das laufende Geschäftsjahr keine Prognose: Wegen der Unsicherheiten über den Pandemie-Verlauf sei ein genauer Ausblick derzeit weiterhin nicht möglich.

Über dieses Thema berichteten NDR Info am 10. März 2021 um 15:14 Uhr und Deutschlandfunk Kultur am 23. März 2021 um 17:30 Uhr.

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