Frankfurter Flughafen Fraport erwartet Boom nach Lockerungen

Stand: 16.03.2021 17:37 Uhr

Umsatz halbiert, Passagierzahlen so niedrig wie 1980: Trotz eines historisch schlechten Ergebnisses für 2020 macht der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport Hoffnung auf eine Rückkehr zum Vorkrisen-Niveau.

Von Joscha Bartlitz, HR            

"Es ist für den Luftverkehr die größte Krise aller Zeiten", erklärte der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte gleich mit seinen Anfangsworten bei der - natürlich virtuellen - Bilanzpressekonferenz. Doch ebenso schnell wollte der 60-jährige Konzernchef eine gewisse Aufbruchstimmung vermitteln, indem er hinzufügte: "Wir sehen ganz klar Licht am Ende des Tunnels."

Noch aber hat die Corona-Krise die Fraport AG, die an 31 Flughäfen rund um den Globus beteiligt ist, fest im Griff. An ihrem Heimatstandort Frankfurt am Main bleiben die Passagierzahlen vom Rekordniveau von 2019 Welten entfernt. Damals fertigte der größte deutsche Flughafen mehr als 70 Millionen Passagiere ab. 2020 waren es gerade einmal 18,8 Millionen - und damit nur gut eine Million mehr als 1980, als das Fliegen im Leben der Menschen noch eine viel geringere Bedeutung hatte. Von da an stiegen die Passagierzahlen stetig - bis sie im vergangenen Jahr durch Reisebeschränkungen als Folgen der Pandemie abrupt einbrachen.

Luftaufnahme des Flughafens Frankfurt | Bildquelle: dpa
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Die Passagierzahlen am Frankfurter Flughafen sanken wegen der Corona-Krise auf das Niveau von 1980.

Fraport will zusätzlichen Stellenabbau vermeiden

Für 2021 kalkuliert Stefan Schulte in Frankfurt vorsichtig mit "unter 20 bis 25 Millionen" Passagieren - weniger, als er im vergangenen Herbst selbst noch erwartet hatte. Für den ARD-Luftfahrtexperten Michael Immel ist das ein klares Warnsignal: "Wenn Fraport auch im kommenden Jahr mit weniger Auslastung rechnet, dann wird sicherlich noch einmal die Frage nach der Anzahl der Beschäftigten aufkommen."

4000 Arbeitsplätze baut die Fraport bis Ende 2021 bereits ab - "sozialverträglich", wie Schulte betont. Neben weiteren Sparmaßnahmen reduziert der Flughafenbetreiber allein dadurch seine Kosten um bis zu 250 Millionen Euro.

Laut Immel könnte es noch schlimmer kommen. Denn "wenn nur maximal ein Drittel der Fluggäste im Ausblick für das Jahr 2021 erwartet wird, dann werden in den kommenden Monaten auch weiterhin etliche Beschäftigte erst einmal nicht gebraucht, weil viel weniger Flugzeuge abgefertigt werden". Schulte erklärte gegenüber der tagesschau aber: "Wir gehen davon aus, dass wir keinen Stellenabbau mehr vornehmen müssen." Dafür setzt das Unternehmen auch 2021 weiter auf Kurzarbeit.

Hoffnung auf Wirkung der Impfungen

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich der Luftverkehr wieder erholen wird und dass wir - so hoffen wir zumindest - durch das Schlimmste dieser Krise durch sind", sagt Schulte. Sobald es Lockerungen gebe, würden die Flugbuchungen nach oben schießen. Dies zeige das aktuelle Beispiel Mallorca. Unter anderem für die Balearen-Inseln hob die Bundesregierung die Reisewarnung vor wenigen Tagen auf. Seitdem explodieren die Buchungszahlen, selbst wenn die Regierung dazu aufruft, weiter keine touristischen Reisen zu unternehmen.

Michael Immel | Bildquelle: hr
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"Wir werden rund um die Feiertage sicherlich wieder vollere Abflughallen am Drehkreuz in Frankfurt am Main sehen" - ARD-Luftfahrtexperte Michael Immel.

Immel erläutert, dass große deutsche Ferienflieger "quasi über Nacht" mehrere hundert Flüge nach Mallorca in ihr Flugprogramm aufgenommen haben. "Die touristischen Verkehre, vor allem die Europa-Verkehre, werden viel schneller und stärker wiederkommen, als es der ein oder andere jetzt vielleicht vermutet, weil da ein sehr großer aufgestauter Nachholbedarf ist", sagte Schulte der tagesschau. Die Mallorca-Buchungen seien da nur "eine ganz kleine Flamme". Schon im Sommer "werden wir wieder sehr starken Luftverkehr sehen, nicht nur in Frankfurt", so Schultes Einschätzung.

Frachtgeschäft läuft bestens

Immel zufolge aber kann die Fraport bei Erholungseffekten "eher mit dem gestiegenen Cargo-Aufkommen kalkulieren als mit dauerhaft wachsenden Passagierzahlen". Denn das Frachtgeschäft läuft ohnehin am größten Cargo-Flughafen Europas weiter bestens, weil sich hier in der Corona-Krise die Frachtflüge bündeln. Allein im Februar erhöhte sich das Aufkommen an Fracht und Luftpost in Frankfurt im Jahresvergleich um 21,4 Prozent auf 177.401 Tonnen - sogar ein neuer Höchstwert für den Monat Februar. "Sie sehen daran die Bedeutung des Frankfurter Flughafens für Deutschland und dessen Versorgung mit medizinischen Geräten und pharmazeutischen sowie industriellen Produkten in der Krise", erklärte Schulte.

Doch für eine Rückkehr zu positiven Konzernzahlen ist das Passagiergeschäft für die Fraport unabdingbar. Sowohl touristische Reisen als auch Geschäftsreisen könne es schon bald wieder geben, betonte Schulte. Das Vorkrisenniveau könne "viel schneller" erreicht werden als viele in der Branche glaubten. "Wir erwarten es im Moment für 2025/2026", erklärte der Fraport-Chef gegenüber der tagesschau. Dann soll auch das neue Terminal 3 des Frankfurter Flughafens bereitstehen, dessen Fertigstellung sich von 2023 auf 2026 verschieben wird. "Vielleicht auch Ende 2025, je nachdem wie sich der Markt entwickelt", erklärte der Fraport-Vorstandsvorsitzende. Nicht, ohne noch ein wenig zweckoptimistisch hinzuzufügen: "Ja, wir glauben an die Zukunft!"

ARD-Börse: Flughafenbetreiber Fraport mit tiefroten Zahlen
Klaus-Rainer Jackisch, HR
17.03.2021 11:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. März 2021 um 18:00 Uhr.

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