Notverkäufe bei Maritim Hilferuf aus der Hotelbranche

Stand: 15.04.2021 16:36 Uhr

Die Corona-Krise hat die Hotelbranche hart getroffen, die Kette Maritim ist zu Notverkäufen gezwungen. Vertreter verschiedener Hotelgruppen legten einen Forderungskatalog an die Politik vor.

Wegen knapper Kassen in der Corona-Krise sieht sich die Hotelkette Maritim gezwungen, sich von einem Teil ihrer Standorte zu trennen. Man habe in Pandemiezeiten einen Liquiditätsverlust von 140 Millionen Euro verkraften müssen, teilte das Unternehmen mit.

"Obwohl wir vor der Pandemie über hohe Liquiditätsreserven verfügt haben, müssen wir nun über Hotel-Notverkäufe unser Überleben sichern", erklärte die Inhaberin des Familienunternehmens, Monika Gommolla. Maritim mit seinen weltweit rund 5000 Beschäftigten hat nach eigenen Angaben 40 Hotels, 29 davon im Inland mit 3000 Beschäftigten.

"So kann es nicht weitergehen"

"Die Maritim Hotelgruppe ist von der Pandemie extrem hart getroffen", so Gommolla. "Bereits im vergangenen Jahr schlug der erste Lockdown mit fast 90 Prozent Umsatzausfall zu Buche." Nach einer kurzen Erholungsphase im Sommer seien durch Beherbergungsverbote touristischer Gäste seit November 2020 wieder 90-prozentige Umsatzausfälle an fast allen Maritim-Hotelstandorten zu verzeichnen.

Staatliche Hilfen seien nahezu ausgeblieben, es seien bisher nur zwei Millionen Euro ausgezahlt worden. "Die Lage für die Hotellerie ist sehr ernst, so kann es nicht weitergehen", klagt Gommolla. Auch für größere Unternehmen der Branche und inhabergeführte Hotelgruppen wie Maritim müssten die staatlichen Hilfen schnellstmöglich zur Auszahlung kommen. Die Hotelkette Centro, die 2019 noch 60 Hotels mit 1200 Beschäftigten hatte, musste bereits im vergangenen Jahr 13 Standorte verkaufen.

"Überbrückungshilfen nicht ausreichend"

Dass die Zeit dränge, unterstrich Dirk Iserlohe, Vorstandschef der Finanzholding Honestis AG. Die AG ist Muttergesellschaft der Hotelkette Dorint, deren Aufsichtsratschef Iserlohe ebenfalls ist. Auf einer Pressekonferenz in Köln mit neun Hotelketten zur Lage der Branche in Deutschland stellte er am Donnerstag ein Forderungspapier an die Politik vor.

Darin wird vor allem moniert, dass die aktuelle finanzielle Unterstützung durch die Politik unzureichend sei. Die beihilferechtlichen Grenzen, die bei zwölf Millionen Euro liegen, reichten bei weitem nicht aus, so Iserlohe. Allein im Jahr 2020 habe der nichtgedeckte Verlust 30 Millionen Euro betragen.

"Keine Begrenzung der Kostenerstattungspflicht"

Für die GSH Hotels führte Marco El Manchi aus, dass der Umsatz im vergangenen Jahr um 60 Prozent eingebrochen sei. Die meisten Kollegen warteten noch immer auf staatliche Zuschüsse, die ohnehin nicht genügten, so El Manchi. Die Hotelkette Lindner berichtete von einem Umsatzeinbruch von 200 auf 45 Millionen Euro. Geschäftsführer Otto Lindner, der auch Vizepräsident des Branchenverbandes Dehoga ist, sprach von einer "furchtbaren Lage". Die Eigenkapitalreserven der Hotelbetreiber seien aufgebraucht. "Wir sind nicht der Pandemietreiber, deswegen steht uns Schadenersatz zu."

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, nahm ebenfalls an der Pressekonferenz teil: "Es geht um das Überleben einer ganzen Branche. Kein Bereich ist stärker betroffen." Deshalb dürfe es keine Begrenzung der Kostenerstattungspflicht geben.  

  

Drei Viertel weniger Übernachtungen

Wie tief die Branche hierzulande in der Krise steckt, zeigen auch die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) zu den Übernachtungen: Von den 51.000 erfassten Beherbergungsbetrieben in Deutschland hatte im Februar lediglich 29.300 geöffnet.

Im Februar 2021 gab es in den Beherbergungsbetrieben in Deutschland 7,2 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste. Das sind 76 Prozent weniger Übernachtungen als im entsprechenden Vorjahresmonat. 

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