Amazon-Chef Jassy Bezos' "Schatten" im Rampenlicht

Stand: 03.02.2021 15:15 Uhr

Nach dem Rücktritt von Amazon-Gründer Bezos übernimmt Andy Jassy den Chefposten des Internetkonzerns. Der 53-Jährige schuf aus einem Nebenprodukt den mittlerweile erfolgreichsten Bereich des Unternehmens.

Ein Porträt von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Andy Jassy ist kein Computer-Nerd, sondern BWLer. Im Jahr 1997 kam er direkt von der Harvard Business School zu Amazon nach Seattle. Seit vielen Jahren wird Jassy als Kronprinz gehandelt. Kein Wunder: Sein Geschäftsbereich, die Cloud, wirft etwas mehr als die Hälfte des operativen Gewinns bei Amazon ab.

Das Cloud-Geschäft sei noch ganz am Anfang, sagt Jassy vor gut einem Jahr auf einem Kongress. Der Bereich wachse schnell, in zehn Jahre dürfte er aber deutlich anders aussehen.

Der Schatten von Jeff Bezos

Der 53-jährige gebürtige New Yorker gehört zu Amazons "S-Team", einem Zirkel der Top-Führungskräfte. Jassy begann bei Amazon als technischer Assistent von Gründer Jeff Bezos und begleitete den Boss jahrelang auf Schritt und Tritt als "Schatten".

2003 betraute ihn Bezos dann mit dem Aufbau des Cloud-Geschäfts. Das war damals eher ein Abfallprodukt. Amazon wollte nicht genutzte Server-Kapazität an andere Firmen untervermieten. Im Jahr 2006 wurde daraus dann ein eigener Geschäftsbereich. Titel: Amazon Web Services, kurz AWS, geleitet von Jassy.

Dieser Dienst sei zunächst vor allem von Start-Ups genutzt worden, die darauf ihr Geschäft aufbauten, erzählt Jassy über die frühen Tage von AWS: Slack, Instagram, Pinterest und Stripe und Robinhood gehörten dazu. In den vergangenen sechs Jahren habe sich das aber geändert, jetzt nutzten immer mehr große Unternehmen und Behörden die AWS-Dienstleistungen.

Mit der Cloud zum Erfolg

Gut 15 Jahre später hat Jassy AWS zum erfolgreichsten Unternehmensbereich bei Amazon ausgebaut. Mittlerweile sind nicht mehr nur Start-Ups Kunden, sondern auch große Konzerne und Behörden. Netflix speichert seine gesamte Filmbibliothek bei AWS, die CIA hostet dort einen Teil ihrer Daten. Viele Unternehmen in aller Welt haben ihre eigenen Rechenzentren reduziert oder gar abgeschaltet, weil sie bei Amazon nur für die Nutzung bezahlen. 

Sein Unternehmensbereich hat darüber hinaus vielen Polizeibehörden in den USA Gesichtserkennungssoftware zu Verfügung gestellt - eine nicht unumstrittene Entscheidung, das ist auch Jassy bewusst: "Es gibt Wege, wo Technologie nicht verantwortungsvoll genutzt wird. Wenn zum Beispiel die Rechte Einzelner verletzt werden oder gegen Gesetze verstoßen wird. Dann muss man die Verusacher haftbar machen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, Technologien nicht per se zu verbieten."

Weil Amazon das Cloud-Geschäft quasi erfunden hat, ist es heute führend. Microsoft und Google folgen mit deutlichem Abstand. 

Jassy ist bekannt dafür, dass er sich mit seiner Meinung nicht zurückhält. So hat er die Gleichstellung sexueller Minderheiten durch das Oberste Gericht der USA begrüßt und Konsequenzen für den Tod der schwarzen Amerikanerin Breonna Taylor bei einem Polizeieinsatz gefordert. 

Jassy ist seit 1997 mit der Mode Designerin Elana Rochelle Caplan verheiratet, die beiden haben zwei Kinder und leben in Seattle. 

Der Neue an der Amazon-Spitze: Andy Sassy im Porträt
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
03.02.2021 13:59 Uhr

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