Johnson & Johnson EMA erteilt Impfstoff grünes Licht

Stand: 20.04.2021 17:03 Uhr

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) bewertet den Nutzen des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson höher als die Risiken. Damit kann das Präparat auch in der EU eingesetzt werden.

Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson (J&J) kann in der EU nach Prüfung der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) uneingeschränkt verwendet werden. Der Wirkstoff könne zwar in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen, ähnlich wie bei dem Impfstoff von AstraZeneca, dennoch sei der Nutzen des Impfstoffs höher als die Risiken. Ein entsprechender Warnhinweis soll beigefügt werden.

In der EU ist der Corona-Impfstoff des US-Konzerns seit Mitte März zugelassen, wurde aber wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen nicht eingesetzt. Auch die US-Behörden hatten vergangene Woche nach dem Auftreten vereinzelter Thrombosen zu einer vorübergehenden Aussetzung von Impfungen mit dem Mittel geraten. J&J hatte daraufhin die Auslieferung des Impfstoffs in die EU, die erst Anfang vergangener Woche begonnen hatte, verschoben.

Der Impfstoff wurde von der belgischen Johnson-Tochter Janssen entwickelt. Die EU-Kommission hat bereits 200 Millionen Impfdosen bei J&J bestellt. Davon würde Deutschland 36,7 Millionen erhalten. Es ist das zweite Mal, dass die EMA nach der Zulassung einen Corona-Impfstoff erneut prüft. Auch bei dem Wirkstoff des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca hatte es Hirnvenenthrombosen gegeben, vor allem bei jüngeren Frauen. Die Fälle bei dem Johnson-Präparat seien denen bei dem Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca sehr ähnlich, stellten nun auch die Experten fest.

Jahresprognose angehoben

Im ersten Quartal hat J&J mit seinem Corona-Impfstoff 100 Millionen Dollar umgesetzt. 7,2 Millionen Dosen des Impfstoffs, der Ende Februar in den USA zugelassen worden war, seien dort bislang gespritzt worden, so der Konzern. Gewinne will J&J daraus keine erwirtschaften. Ähnlich wie AstraZeneca hat sich auch der US-Konzern dazu verpflichtet, sein Vakzin zum Selbstkostenpreis herzustellen.

Dennoch hat J&J, beflügelt von guten Quartalszahlen, seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Danach strebt der Konzern ein Ergebnis je Aktie von mindestens 9,42 Dollar an statt wie bisher 9,40 Dollar. Auch beim Umsatz zeigt sich J&J optimistischer als zu Jahresbeginn.

J&J stellt Vektorimpfstoff her

Wie beim Corona-Impfstoff des Konkurrenten AstraZeneca und dem russischen Vakzin Sputnik V handelt es sich um einen Vektorimpfstoff. Dabei wird als Vektor ein sogenanntes Adenovirus genutzt. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde jedoch so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. Über den Vektor werden genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2 zu produzieren. Auf diese Weise wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Corona-Virus vorbereitet.

Der Impfstoff von J&J galt zunächst als "echte Wunderwaffe", weil er bei Kühlschranktemperatur gelagert werden kann und eine Impfdosis ausreicht, um eine umfassend wirksame Immunisierung zu erreichen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. April 2021 um 17:00 Uhr.

Darstellung: