Musikbranche in der Pandemie Dur und Moll in Corona-Zeiten

Stand: 11.04.2021 10:50 Uhr

Dass wegen Corona kaum Live-Konzerte möglich sind, spüren die Verkäufer von Instrumenten und Equipment. Die steigende Zahl der Hobby-Musiker gleicht das teils aus. Einige Instrumente erleben einen Boom.

Von Jens Eberl, WDR

Viele Menschen scheinen sich Corona-Sorgen mit Musik zu vertreiben. Vielleicht erklären aber auch Langeweile und die viele Zeit zu Hause jene Zahlen, die Daniel Knöll zum Staunen bringen. Er ist Geschäftsführer des Branchenverbands Society Of Music Merchants, kurz SOMM, der gerade die Umsatzzahlen abgefragt hat. Danach haben Menschen die Liebe zur Gitarre und zum Klavier wiederentdeckt. 2020 seien jeweils acht Prozent mehr in diesen Instrumentengruppen verkauft worden als im Jahr vor Corona.

Boom der E-Gitarre

Vor allem die E-Gitarre erlebt einen Boom: Hier stiegen die Zahlen sogar um knapp 30 Prozent. Ähnlich gut sieht es bei Synthesizern und den Digitalpianos aus. "Gitarre und Taste, das sind die Renner", sagt Knöll. Der Grund: Dies seien Instrumente, die relativ schnell zu erlernen seien.

Der Verband SOMM hat festgestellt, dass die Verbraucher auch bereit waren, für Instrumente tiefer in die Tasche zu greifen. Viele hätten teure Instrumente wie beispielsweise einen Flügel bestellt. "Der Urlaub ist wegfallen. Das Geld konnte nicht für Reisen oder Konsumartikel ausgegeben werden. Also haben viele in ein Instrument investiert", sagt Knöll.

Einbruch bei Ausrüstung für Live-Auftritte

Die Zahlen machen dem Verband Hoffnung, denn insgesamt war 2020 ein schlechtes Jahr für die Branche. Im Gesamtmarkt ging der Umsatz um fast zehn Prozent zurück. Einen regelrechten Einbruch gab es bei allem, was mit Live-Auftritten zu tun hat. Dazu gehört das Equipment wie zum Beispiel Beschallung, Mikrofone, Kopfhörer, Verstärker, Boxen. Hier gab es einen Umsatzverlust von bis zu 30 Prozent.

Verkäufer von Blasinstrumenten hatten es im vergangenen Jahr ebenfalls schwer. "Hier hat uns die Diskussion über die Aerosole bis ins Mark getroffen", sagt Knöll. Fast 20 Prozent weniger Instrumente wurden hier verkauft.

Gitarrenspieler sieht eine andere Gitarrenspielerin auf einem Laptop | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Im Lockdown setzten viele auf Online-Musikstunden und versuchten auch, sich Instrumente mit Hilfe von Video-Tutorials beizubringen.

Hobbymusiker helfen der Branche durch die Krise

Zu Hause fingen Menschen nicht nur an, Instrumente zu benutzen. In den eigenen Wänden wurde und wird auch viel produziert. Recording Hardware, Studiomonitore: Alles, was man in einem kleinen Studio braucht, um selbst etwas aufzunehmen, verkaufte sich gut. Das gilt auch für DJ-Equipment. Wenn die Clubs geschlossen haben, wird eben zu Hause gemixt.

Viele Menschen hätten sich ein neues Hobby gesucht, vermutet der Branchenverband. Ein Indiz dafür: Die Zugriffszahlen von Video-Tutorials im Internet stiegen stark. Im Lockdown versuchen viele, sich das Spielen der Instrumente selbst beizubringen.

Das Deutsche Musikinformationszentrum hat dazu eine Studie in Auftrag ergeben. Das Ergebnis: 14,3 Millionen Menschen in Deutschland musizieren in ihrer Freizeit. 19 Prozent der Bevölkerung ab einem Alter von sechs Jahren machen danach als Hobby Musik. Hier sei eine steigende Tendenz zu erkennen, auch wenn Corona die Branche hart getroffen hat. Knöll ist eine gewisse Erleichterung anzumerken. "Dank der Hobbymusiker sind wir noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 23. Oktober 2020 um 21:45 Uhr.

Korrespondent

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