Restaurant-Ketten Systemgastronomie in Not

Stand: 28.01.2021 10:46 Uhr

Die Betreiber großer Gastro-Ketten werden von den Corona-Maßnahmen hart getroffen. Unternehmer bangen um ihre Existenz, sollte der Lockdown noch länger anhalten.

Von Sandra Scheuring, HR

Ein Kaminfeuer lodert an der Wand des Restaurants - digital über mehrere Monitore hinweg. Die Küche mit Lavagrill ist offen, der Barbereich mit hohen Stühlen ausgestattet, die Atmosphäre typisch amerikanisch. Kein Wunder: Kent Hahne, Gründer der Restaurantkette The Ash und CEO der Gastronomie-Gruppe Apeiron, ist gebürtiger US-Amerikaner. Er bringt eigene Ideen mit ein, die von Designern und Architekten umgesetzt werden. Neun Mal gibt es The Ash in Deutschland: Burger, Steaks und Fries, aber auch das Design sind an allen Standorten ähnlich.

Verluste in Millionenhöhe

Systemgastronomen wie Hahne stehen nicht im Fokus der Öffentlichkeit, obwohl sie wie das inhabergeführte Restaurant um die Ecke unter dem Lockdown leiden. Während bei kleineren Gastronomiebetrieben die Verluste schnell in die Tausende gehen, sind es bei Hahne gleich mehrere Millionen Euro im Monat. "Bisher haben wir einmal einen Abschlag der November- und Dezemberhilfe in Höhe von 10.000 Euro und dann einen weiteren Abschlag von 40.000 Euro gezahlt bekommen", sagt er. "Dabei hatten wir Verluste von etwa 4,2 Millionen Euro im ersten und weiteren vier Millionen Euro im zweiten Lockdown." Der Januar, sagt er, sei da noch gar nicht mit eingerechnet. Hahne beschäftigt insgesamt 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zahlt hohe Mieten für die Lokale in Innenstadtlagen - unter anderem in Frankfurt am Main, Köln und Düsseldorf.

Das Schlimmste seien Unsicherheit und mangelnde Transparenz, welche Hilfen die Unternehmen einplanen können, sagt Andrea Belegante, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Systemgastronomie e.V. (BdS). Der Verband vertritt unter anderem die Marken Autogrill, Burger King, KFC, McDonald's, Nordsee, Pizza Hut, Starbucks, Vapiano und L'Osteria. Belegante fordert zeitnah Perspektiven, denn wirtschaftliche wie persönliche Kraft seien bei vielen Unternehmerinnen und Unternehmern erschöpft: "Die Politik muss für Klarheit sorgen."

Doch keine Umsatz-Erstattung?

Für Unruhe sorgen aktuell Änderungen an den Fördervoraussetzungen für die Corona-Hilfen, die das Bundeswirtschaftsministerium nachträglich vorgenommen hat. Die Systemgastronomen wie auch andere Unternehmen befürchten, dass Hilfszusagen quasi durch die Hintertür wieder einkassiert werden könnten. Die Bundesregierung hatte den seit November geschlossenen Hotels und Restaurants großzügig versprochen, den entgangenen Umsatz in Höhe von 75 Prozent des Vorjahres zu erstatten.

Nun verwirren Zusätze im Kleingedruckten, die als Bedingung "ungedeckte Fixkosten" für finanzielle Unterstützung heranziehen. Das hieße, dass Unterstützung nur jene Unternehmen bekommen, die unter dem Strich einen Verlust nachweisen können. Der BdS befürchtet, dass sich das sowohl auf Überbrückungshilfen als auch auf die November- und Dezemberhilfen auswirken kann. Restaurant-Manager Hahne sieht schon kommen, dass "wir nicht in den Genuss von 75 Prozent Umsatzerstattungen für November und Dezember kommen, sondern nur die ungedeckten Fixkosten erstattet bekommen."  Ein Riesenunterschied.

"Hilfe muss ankommen"

Diese zusätzliche Verunsicherung für ohnehin schwer belastete Unternehmen hätte unbedingt vermieden werden müssen, so der BdS: "Man hat diese Wendung mit dem EU-Beihilferecht erklärt. Das hätte allerdings bereits vorher offen, ehrlich und transparent so kommuniziert werden müssen." Unternehmer hätten die Novemberhilfen und die Zusagen in ihre damaligen Planungen einkalkuliert. So hätten sie beispielsweise Beschäftigte im November und Dezember weiter beschäftigt und damit Tausende Arbeitsplätze gesichert. Deshalb fordert der BdS: "Nun muss diese eingeplante Hilfe auch ankommen."

Zumal die gesamte Branche zwischenzeitlich kurz aufgeatmet habe, als die EU-Kommission vergangene Woche nach zähem Ringen die "außerordentlichen Wirtschaftshilfen" genehmigte. Damit sind Hilfen insbesondere für Unternehmen gemeint, die Beträge von mehr als vier Millionen Euro geltend machen wollen - zu denen die Systemgastronomen überwiegend zählen.

Steuergeld für McDonald’s und Co.

Manch einer zuckt zusammen, wenn viele Millionen Steuergeld auch an Fast-Food-Restaurants gehen sollen. Die Sympathien gehören eher den eigenständigen Restaurantinhabern, die mit Herzblut ihr Lokal vor dem Aus retten wollen. Aber bekannte internationale Markennamen bedeuten nicht, dass Restaurant-Ketten beispielsweise aus Amerika geführt werden. Oft sind es selbstständige Unternehmer, die hierzulande als Franchise-Nehmer agieren und beispielsweise von McDonald's eine Lizenz haben, um Produkte zu vertreiben.

Die Systemgastronomie beschäftigt 120.000 Menschen, darunter viele gering Qualifizierte. Manche Restaurants an Flughäfen oder in Einkaufszentren sind seit März bis heute durchgehend geschlossen. Hahne bangt um die Existenz seines Unternehmens: "Es wird von Monat zu Monat immer schwieriger. Wir denken mal, so bis März, April können wir uns noch über Wasser halten."

Über dieses Thema berichtete NDR im Schleswig-Holstein Magazin am 05. Januar 2021 um 20:00 Uhr.

Korrespondentin

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