Kopieren oder kaufen? Clubhouse weckt Begehrlichkeiten

Stand: 11.02.2021 16:18 Uhr

Der Erfolg zieht Nachahmer an: In der Welt der sozialen Medien weckt der Erfolg der Audio-App Clubhouse Begehrlichkeiten. Twitter und Facebook testen vergleichbare Angebote.

Derzeit ist die Audio-App Clubhouse in aller Munde. Bei Clubhouse können sich die Nutzer aktiv an Gesprächsrunden beteiligen und mitdiskutieren. Sie können aber auch einfach zuhören, ähnlich wie bei einem Podcast.

Rund zwei Millionen aktive Anwender tummeln sich bei Clubhouse. Das Management erreichte durch geschicktes Marketing mit dem Einsatz von Prominenz und durch künstliche Verknappung des Angebots, dass ein regelrechter Hype um das Konzept entstand. Wer bei Clubhouse mitmachen möchte, muss auf die Einladung eines Mitglieds hoffen, oder sich auf eine Warteliste setzen lassen.    

Twitter will mitspielen

Der Erfolg weckt Begehrlichkeiten bei der alteingesessenen Konkurrenz, sodass die Suche nach vergleichbaren Formaten längst in vollem Gange ist: Der Kurznachrichtendienst Twitter testet im Augenblick ein Angebot namens Spaces. Produktchef Kayvon Beykpour sagte in einer Spaces-Unterhaltung, er sehe Chancen darin, den Austausch von Informationen bei Twitter durch Gespräche zwischen Nutzern zu ergänzen.

Beykpour führt den Erfolg von Clubhouse auch darauf zurück, dass ohne Videobild die Hürde für die Teilnahme an einer Unterhaltung niedriger sei. Anders als Clubhouse, wo die Zahl der Zuhörer bei einer Talkrunde auf 5000 begrenzt ist, sieht Twitter bei Spaces keine Beschränkungen vor. Auch denkt der Produktchef darüber nach, ob es eine Aufnahmefunktion zum späteren Anhören geben soll. Aktuell verfallen die Unterhaltungen bei Space nach dem Ende des Livestreams.

Zum einen seien die Nutzer dadurch lockerer, zum anderen lohne es sich meistens auch nicht, sich Unterhaltungen nachträglich komplett anzuhören, findet Beykpour. Er könne sich aber vorstellen, dass es eine sinnvolle Funktion sein könnte, interessante Fragmente der Talkrunden zum späteren Teilen aufzeichnen zu können. Für Twitter ist das Format deshalb interessant, weil der Konzern mehr als 300 Millionen aktive Nutzer hat und damit auf ein großes Netzwerk von Menschen zurückgreifen kann, die einander auf der Plattform folgen.

Auch Facebook steht in den Startlöchern

Aber auch bei Clubhouse dürften die Nutzerzahlen rapide steigen. Aktuell wird die App nur für iPhone-Nutzer angeboten. Vor einigen Tagen kündigten die beiden Firmengründer Paul Davison und Rohan Seth an, dass bald auch Android-Anwender in das soziale Netzwerk eingelassen würden. Das nötige Geld für die Erweiterung hatte sich Clubhouse bei einer aktuellen Finanzierungsrunde gesichert.

Mit dem Potenzial, das der Konkurrent Facebook in finanzieller Hinsicht und mit Blick auf die Nutzerzahlen mitbringt, können sich indes beide Mitbewerber nicht messen. Facebook ist dafür bekannt, populäre Funktionen anderer Social-Media-Dienste in seinen Apps nachzuahmen - oder einen Konkurrenten auch gleich ganz zu übernehmen, wie die Beispiele Instagram und WhatsApp zeigen.

Deshalb ist es auch wenig überraschend, wenn die "New York Times" (NYT) berichtet, dass Facebook-Führungskräfte die Entwicklung eines Clubhouse-Konkurrenzprodukts in Auftrag gegeben hätten. Die Zeitung zitiert zwei Insider, die behaupten, das Produkt befinde sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Facebook-Chef Mark Zuckerberg habe sich für Kommunikationsformen im Bereich Audio interessiert.

Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung Nordmagazin am 05. Februar 2021 um 19:30 Uhr.

Darstellung: