Deutsche Schlüsselindustrie Der Maschinenbau stemmt sich gegen die Krise

Stand: 04.02.2021 16:16 Uhr

Deutschlands Vorzeigeindustrie ist der Maschinenbau. Doch auch die vielen, oft familiengeführten Unternehmen mussten in der Pandemie Rückschläge einstecken. Das zeigen Zahlen des Branchenverbands VDMA.

Von Eva Macht, SWR

Sein Schritt ist dynamisch. Ioannis Ioannidis, Vorstandsvorsitzender der Oskar Frech GmbH, durchquert die Fabrikhalle in Schorndorf bei Stuttgart. Der schwäbische Maschinenbauer stellt Druckgussteile her und ist in dieser Technologie nach eigenen Angaben weltweit führend. Etwa 400 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, auch für sie hatte das Coronajahr 2020 Auswirkungen. 20 Prozent der Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt und sind es bis heute.

Sinkende Nachfrage erzwingt Kurzarbeit

So wie die Oskar Frech GmbH setzten 70 Prozent aller Maschinenbauer in Baden-Württemberg auf Kurzarbeit: ein Mittel, mit dem Unternehmen versucht haben, der sinkenden Nachfrage zu begegnen. Für den Maschinenbau, einem der stärksten Wirtschaftszweige der deutschen Industrie, ist das ein Einschnitt.

"Im Jahr 2020 gab es einen starken Rückgang der Nachfrage", so Ioannidis, "mit einem deutlichen, aber verkraftbaren Umsatzrückgang." Bei den Auftragseingängen vermeldet heute der Branchenverband VDMA für das Gesamtjahr 2020 einen Rückgang um real elf Prozent, das ist ein zweistelliges Minus im Vergleich zum Vorjahr - und der stärkste Dämpfer seit der Finanzkrise 2008/2009.

VDMA-Präsident Karl Haeusgen erklärt die Gründe: "Die größte Herausforderung war, dass die Pandemie alle Prozesse zeitgleich durcheinander gewirbelt hat. Mit starken Ausschlägen der Nachfrage können Maschinen- und Anlagenbauer umgehen, hierfür haben sie erprobte und bewährte Instrumente. Neu war der Zusammenbruch von Wertschöpfungsketten über Nacht. Auch die innerbetrieblichen Prozesse standen für einen Moment still."

Hoffen auf weltweit steigende Nachfrage

Zwar erholte sich die Branche im Laufe des Jahres leicht, besonders im Dezember entwickelten sich die Bestellungen aus dem In- und Ausland positiv, es gab ein Plus von sieben Prozent. In der Jahresbilanz allerdings zeigten sich die von Corona verursachten Schwierigkeiten deutlich. Die Inlandsorders blieben um sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau, aus dem Ausland waren es sogar 13 Prozent weniger Bestellungen.

"Für uns als exportorientierte Branche ist entscheidend, dass die globale Nachfrage in diesem Jahr wieder stärker in Schwung kommt und möglichst störungsfrei bedient werden kann," so der VDMA Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Für das Jahr 2021 rechnet der Maschinen- und Anlagenbau mit einem realen Produktionsplus von vier Prozent.

Auch der Schorndorfer Unternehmer Ioannidis ist optimistisch: "Das erste Quartal zeichnet sich positiv ab. Es gibt eine leichte Erholung." Allerdings, fügt er einschränkend hinzu, "ist noch keine nachhaltige Nachfragestabilität in Sicht." Weil niemand wissen kann, wie sich die Pandemie weiterentwickelt, bleiben zu viele unsichere Faktoren. Besonders in Baden-Württemberg hofft man, dass sich gewachsene und starke Strukturen in den Unternehmen letztendlich behaupten.

Branche gerüstet, aber auf politische Unterstützung angewiesen

Dietrich Birk, Geschäftsführer des VDMA Baden-Württemberg, sieht die Branche gerüstet. "Die meisten Maschinenbauer sind krisenerfahrene Familienunternehmen, die gemeinsam mit ihren Belegschaften, entsprechenden Liquiditätspuffern, schlanken Strukturen, Produktinnovationen und noch mehr Kundennähe diese harte Zeit durchstehen wollen."

Ohne Unterstützung durch die Politik werde das allerdings nicht gelingen, mahnt VDMA-Präsident Haeusgen: "Jetzt brauchen die Unternehmen eine klare Perspektive für die Rückkehr zur Normalität. Und weil gerade in einem Aufschwung viel Liquidität benötigt wird, um Projekte vorfinanzieren zu können, müssen einige Rahmenbedingungen verändert werden." Dazu zähle insbesondere die Möglichkeit, Gewinne und Verluste auch über einen längeren Zeitraum hinweg miteinander verrechnen zu können, so Haeusgen. "Darin liegt der zentrale Hebel, um die Krise zu überwinden, die Bereitschaft zu risikoreichen Investitionen zu erhöhen und die Robustheit im wirtschaftlichen Auf und Ab zu stärken."

Derweil eilt Unternehmer Ioannidis wieder zurück an seinen Schreibtisch. Es gibt noch viel zu tun, um wieder stabile Auftragseingänge im Maschinenbau zu erreichen. Und noch eines ist ihm wichtig: Wie im Jahr 2020 möchte er auch in diesem Jahr Entlassungen vermeiden.

Korrespondentin

Eva Macht | Bildquelle: SWR/Alexander Kluge Logo SWR

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