Winterkorn und Stadler VW will Schadenersatz von Ex-Chefs

Stand: 26.03.2021 12:59 Uhr

Die ehemaligen VW- und Audi-Chefs Winterkorn und Stadler haben im Zusammenhang mit der Abgasaffäre nach Ansicht des VW-Aufsichtsrats ihre Sorgfaltspflicht verletzt. Der Konzern fordert nun von beiden Schadenersatz.

Der VW-Konzern verlangt von seinem früheren Chef Martin Winterkorn und von dem ehemaligen Audi-Chef Rupert Stadler Schadenersatz im Zusammenhang mit dem Dieselskandal. Das gab das Unternehmen nach einer Sitzung des Aufsichtsrats bekannt.

Die Kontrolleure hatten zuvor die Ergebnisse umfangreicher Prüfungen in der Regressfrage diskutiert. Volkswagen erklärte, man werde die beiden ehemaligen Top-Manager nun "wegen aktienrechtlicher Sorgfaltspflichtverletzungen auf Schadenersatz in Anspruch nehmen". Welches finanzielle Ausmaß die Forderungen haben könnten, teilte der Konzern nicht mit. Im Fall anderer VW-Vorstandsmitglieder seien dagegen keine Verstöße festgestellt worden.

Gegenstand der Untersuchungen war, ob Winterkorn, Stadler und möglicherweise auch noch weiteren damaligen Führungskräften vor dem Auffliegen der Affäre im September 2015 fahrlässige Management- und Kontrollversäumnisse vorzuwerfen sind - was letztlich die Manipulationen an weltweit Millionen Dieselautos ermöglicht oder zumindest nicht verhindert haben könnte. Grundlage für die Entscheidung war ein Gutachten der Kanzlei Gleiss Lutz, das Volkswagen bereits vor gut fünf Jahren in Auftrag gegeben hatte. Der Abschlussbericht war in dieser Woche vorgelegt worden.

Keine Aufklärung geleitet

Nach den Untersuchungen stehe nach Überzeugung des Aufsichtsrates fest, dass der damalige Vorstandsvorsitzende Winterkorn es in der Zeit ab dem 27. Juli 2015 unterlassen habe, die Hintergründe des Einsatzes unzulässiger Softwarefunktionen in Dieselmotoren unverzüglich und umfassend aufzuklären, die zwischen 2009 und 2015 in Nordamerika verkauft wurden. Außerdem habe es Winterkorn unterlassen, dafür zu sorgen, dass die in diesem Zusammenhang von den US-Behörden gestellten Fragen umgehend wahrheitsgemäß und vollständig beantwortet wurden.

Der frühere Audi-Chef Stadler habe seine Pflichten verletzt, indem er es nach dem 21. September 2016 unterlassen habe, dafür zu sorgen, dass von der VW-Tochter entwickelte große Dieselmotoren auf unzulässige Softwarefunktionen untersucht wurden. Stadler muss sich wegen des Dieselskandals zusammen mit anderen ehemaligen Audi- und Porsche-Managern bereits seit Herbst vor dem Langericht München verantworten.

Milliarden Euro an Entschädigungen

Winterkorn beteuerte nach dem Bekanntwerden der Schadenersatzforderungen gegen ihn, sich vor dem Auffliegen der Diesel-Affäre korrekt verhalten zu haben. Über seine Anwälte ließ er erklären, "alles Erforderliche getan und nichts unterlassen zu haben, was dazu geführt hätte, den entstandenen Schaden zu vermeiden oder geringer zu halten".

Sowohl Winterkorn als auch Stadler hatten bereits zuvor immer wieder erklärt, nichts von dem Dieselbetrug gewusst zu haben. Winterkorn war wegen des Abgasskandals im September 2015 zurückgetreten. Er muss sich ab dem 16. September 2021 vor dem Landgericht Braunschweig wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs verantworten. Volkswagen hatte auf Druck der amerikanischen Umweltbehörden vor fünfeinhalb Jahren zugegeben, millionenfach Diesel-Abgaswerte durch eine Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung manipuliert zu haben. Die Wiedergutmachung hat den Konzern bisher mehr als 32 Milliarden Euro gekostet, vor allem Strafen und Schadenersatzzahlungen in den USA.

VW fordert Schadensersatz von Winterkorn
Michael Orth, NDR
26.03.2021 13:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. März 2021 um 13:41 Uhr in der Wirtschaft.

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