Einigung über Tarifvertrag Mehr Geld für VW-Arbeiter

Stand: 13.04.2021 14:50 Uhr

Nach langen Verhandlungen haben sich VW und die IG Metall auf einen neuen Haustarif für die sechs westdeutschen VW-Werke geeinigt. Sowohl Gewerkschaft als auch VW-Management äußerten sich zufrieden.  

Volkswagen und die IG Metall haben sich auf einen neuen Haustarif für rund 120.000 Beschäftigte in sechs westdeutschen Werken geeinigt. Die Beschäftigten werden ab Januar 2022 ein Entgeltplus von 2,3 Prozent erhalten.

Zudem zahlt das Unternehmen im Juni, rückwirkend für die Zeit seit März 2020, eine einmalige Corona-Beihilfe von 1000 Euro. Im September erhalten die Mitarbeiter außerdem einmalig 150 Euro zur Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge. Eine bisherige Leistungskomponente wird im Mai in eine einheitliche Zulage von 150 Euro im Monat umgewandelt.

Mehr Flexibilität

Die VW-Beschäftigten erhalten ferner zusätzlich die Möglichkeit, einen Teil der tariflichen Zusatzvergütung in drei freie Tage zu wandeln. Schichtarbeiter, Eltern oder Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen können ihre gesamte Zusatzvergütung in sechs freie Tage wandeln.

Außerdem wurde vereinbart, die 1400 jährlichen Ausbildungsplätze bis 2025 fortzuschreiben. Der Tarifvertrag soll bis Ende November 2022 gelten.

"Fairen Anteil verdient"

Die Gewerkschaft äußerte sich zufrieden: Trotz Krise stehe der VW-Konzern gut da, meint Thorsten Gröger, Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall. "Die Belegschaft hat ihren fairen Anteil am Erfolg des Unternehmens verdient, denn schließlich ist sie es, die dafür Sorge getragen hat, dass Volkswagen widrigen Pandemiebedingungen zum Trotz mit positiven Ergebnissen durch die Krise navigiert ist und die Herausforderungen der Transformation entschlossen anpackt", so Gröger.

Auch das VW-Management beschwert sich nicht: "Wir haben einen Tarifabschluss mit Augenmaß und Vernunft erzielt, der dem besonders herausfordernden Umfeld seit dem Beginn der Pandemie gerecht wird", sagte VW-Verhandlungsführer Arne Meiswinkel. Das laufende Jahr werde weiterhin von hoher Unsicherheit und von der Pandemie geprägt sein.

"Ein starker Abschluss"

Volkswagen-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh betonte: "Das ist ein starker Abschluss, den sich unsere Belegschaft gerade auch in Corona-Zeiten verdient hat. Es gibt spürbar mehr Geld, was nach rund drei Jahren Wartezeit eindeutig anstand."

Ursprünglich hatte die IG Metall vier Prozent mehr Lohn und den Erhalt der 1400 Lehrstellen bis 2030 gefordert. Der Autobauer hatte zuletzt einen Mix aus einer Einmalzahlung und einer prozentualen Lohnerhöhung bei einer Laufzeit von insgesamt zweieinhalb Jahren angeboten. Das hatte die IG Metall als "absolut indiskutabel" zurückgewiesen.

"Fette Dividenden"

Als sogenannter Haustarif gilt die Vereinbarung für die westdeutschen VW-Werke Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Hannover, Emden und Kassel. Die Auseinandersetzung war seit Januar in fünf Verhandlungsrunden geführt worden - mit Warnstreiks und harten Worten.

In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" hatte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann den Arbeitgebern vorgeworfen: "Große Unternehmen wie Daimler oder VW zahlen fette Dividenden. Ich sage: Wer Milliarden an seine Aktionäre ausschüttet, kann auch seine Beschäftigten ordentlich bezahlen." Insbesondere Daimler wurde vor einigen Wochen für eine kräftige Dividendenerhöhung kritisiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. April 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.

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