Umtriebiger Vorstand Wie Ola Källenius Daimler umbaut

Stand: 18.02.2021 17:46 Uhr

Seit seinem Amtsantritt im Mai 2019 hat Ola Källenius den Daimler-Konzern völlig umgekrempelt, Tausende Arbeitsplätze gestrichen, neue Modelle angekündigt. Jetzt wird die Lkw-Sparte abgespalten.

"Daimler kann mehr", verkündete Ola Källenius auf der letzten Hauptversammlung mit Blick auf die schwachen Geschäftszahlen im ersten Corona-Halbjahr 2020. Dabei war der seit Mai 2019 amtierende Vorstandschef von Daimler gerade dabei, den Stuttgarter Autobauer Daimler vom Kopf auf die Füße zu stellen, stärker umzukrempeln als unter der langen Regentschaft seines Vorgängers Dieter Zetsche.

10.000 Stellen sind dem von dem 51jährigen schwedischen Manager verordneten Sparkurs allein im letzten Jahr zum Opfer gefallen. Viele weitere dürften noch folgen. Gewerkschafter sprechen von bis zu 30.000 Arbeitsplätze, die weltweit gestrichen werden könnten. Denn der neue Manager hat sich zum Ziel gesetzt, die Fixkosten des Stuttgarter Konzerns bis 2025 um 20 Prozent zu senken. Die Arbeitgeberseite versuche, "die Pandemie dazu zu nutzen, den Beschäftigten in die Tasche zu greifen", sagte IG Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger im SWR. Grund für den Sparkurs sind laut Källenius verkrustete Strukturen sowie der laufende Umbau der gesamten Automobilbranche von der Verbrennertechnologie zur E-Mobilität.

Dank des rigiden Sparkurses und unerwarteter Hilfe aus China in Form von hoher Nachfrage konnte Källenius jetzt erste Erfolge vorweisen. So hat Daimler trotz der Corona-Krise im vergangenen Jahr unter dem Strich einen auf die Aktionäre entfallenden Gewinn von 3,6 Milliarden Euro gemacht. Das waren 1,2 Milliarden Euro oder gut 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor, als hohe Sonderbelastungen anfielen. Die Verbesserung ist umso überraschender als der Umsatz im Vergleich zu 2019 um elf Prozent auf 154,3 Milliarden Euro gesunken ist.

Gelungener Stresstest

"Das Jahr 2020 war ein Stresstest für beinahe jedes Unternehmen in fast jeder Branche", sagte Källenius. Aber trotz Pandemie habe man bewiesen, dass man die Transformation aus eigener Kraft vorantreiben könne, sagte Källenius. Der Konzern habe die Kosten reduziert und sei vor allem im zweiten Halbjahr deutlich profitabler geworden.

Dass der Gewinn höher war als im Vorjahr, lag aber vor allem an den Sonderkosten aus der Dieselaffäre, die 2019 verbucht wurden. Nach seinem Amtsantritt im Mai 2019 musste Källenius deshalb mehrfach Gewinnwarnungen ausgeben, weil die Dieselaffäre, Produktionsprobleme und der US-chinesische Handelsstreit die ursprünglichen Pläne durchkreuzt hatten.

Konzern will Dividende anheben

Während viele Mitarbeiter in den sechs deutschen Werken um ihren Job bangen, können sich die Aktionäre, darunter der Staatsfonds von Kuweit und der chinesische Investor Li Shufu, freuen. Der Konzern will ihnen rund 1,4 Milliarden Euro Dividende ausschütten. Das wären 1,35 Euro pro Aktie, 45 Cent mehr als im Vorjahr. Als Vertrauensbeweis in die Arbeit von Källenius gilt auch die Entwicklung des Aktienkurses. Die Daimler-Papiere sind inzwischen so teuer wie vor drei Jahren, also lange vor der Krise, und haben damit die Titel der Konkurrenten BMW und Volkswagen hinter sich gelassen.

Das liegt auch daran, dass die Strategie von Källenius nicht nur darin besteht, alte Zöpfe abzuschneiden und einen strengen Sparkurs zu fahren. Vielmehr bietet er auch neue Perspektiven. So bringt die Marke Mercedes in diesem Jahr vier neue Stromer auf den Markt. Den Anfang machte das Modell EQA, das im Werk Rastatt produziert wird und seit Anfang Februar auf dem Markt ist. Der EQS, die erste vollelektrische Mercedes-Limousine, soll in der ersten Jahreshälfte 2021 an den Start gehen. Das Auto wird als erster echter Hoffnungsträger im Wettbewerb mit Tesla vorgestellt.

Källenius verspricht für den EQS eine Reichweite von 700 Kilometern, einen XXL-Bildschirm sowie eine luxuriöse Innenausstattung. "In dieser Größe gibt es hier kein vergleichbares Wettbewerbsprodukt", verkündete der Schwede bei der Erstpräsentation des Autos. Ab dem kommenden Jahr soll das Portfolio acht vollelektrische Mercedes-EQ Modelle umfassen.

Analysten begrüßen Ausblick

Von Analysten und Investoren begrüßt wurde auch der Ausblick auf das laufende Jahr. Danach strebt der Vorstand deutliche Sprünge sowohl bei Absatz und Umsatz an, als auch beim operativen Ergebnis. "Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere positive Dynamik beibehalten können, wenn die Marktbedingungen so bleiben", sagte Källenius bei der Vorstellung der Jahreszahlen.

Die Pkw- und Vans-Sparte Mercedes-Benz soll dadurch schon in diesem Jahr auf eine bereinigte Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent kommen. Bei den zuletzt schwer gebeutelten Lastwagen und Bussen rechnen die Stuttgarter mit sechs bis sieben Prozent operativer Marge. Die Ziele entsprechen im Wesentlichen dem, was sich Daimler vor der Krise zum Ziel gesetzt hatte.

Aus eins mach zwei

Doch damit will sich Källenius nicht zufrieden geben. Er krempelt den Konzern weiter um und will Autos und Vans vom Geschäft mit Bussen und Lkw trennen. Die Daimler AG als solche wird langfristig verschwinden - es bleiben die Mercedes-Benz AG und die abgespaltene Daimler Truck AG, an der Mercedes nur noch eine Minderheitsbeteiligung halten soll.

Die Finanzdienstleistungen und die Mobilitätsgeschäfte rund ums Carsharing verlieren ihre Eigenständigkeit und werden den anderen Konzernteilen zugeschlagen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärte Källenius die Aufteilung damit, dass aus seiner Sicht zwei starke Industrieunternehmen, die unabhängig voneinander operieren, für beide Teile die größten Chancen bieten. Dahinter steckt natürlich die Hoffnung, den Börsenwert des Unternehmen zu steigern, ganz so wie es andere Firmen, etwa Siemens, vorgemacht haben.

Konzern klarer aufstellen

Ziel sei es zudem, so Källenius, den Konzern für die Kunden klarer aufzustellen. "Pkw und Nutzfahrzeuge haben doch ganz andere Käufergruppen, denen wir heute mehr denn je gerecht werden müssen." Gleichzeitig sollen die Fixkosten im Konzern weiter sinken, bis 2025 um mehr als 20 Prozent. Das wird weitere Arbeitsplätze kosten.

Analysten der großen Investmenthäuser begrüßen den Umbau des Konzerns, besonders gut gefallen ihnen die Pläne zur Aufspaltung. Kein Wunder, hatten viele Investoren doch seit langem einen solchen Schritt gefordert, um den Wert der einzelnen Konzernteile zu steigern und die Überlappungen und Ineffizienzen zu beseitigen.

Källenius verbreitet ebenfalls unverdrossen Zuversicht, ungeachtet der Umwälzungen durch die E-Mobilität und der möglichen Bedrohung durch neue Konkurrenten wie Apple und Google. "Wir müssen vor niemandem Angst haben", tönte er im Handelsblatt. "Wir haben eine bockstarke Marke, eine extrem hohe Technologiesubstanz und bei Elektrifizierung und Software mächtig Fahrt aufgenommen. Hier wollen wir führend sein. Möge der Beste gewinnen".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Februar 2021 um 12:00 Uhr.

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