Corona-Krise Unternehmen wollen selbst impfen

Stand: 04.03.2021 15:15 Uhr

Die schleppende Impfkampagne verärgert die Wirtschaft. Die Zahl vor allem größerer Unternehmen, die die Sache nun in eigene Hände nehmen wollen, wächst. Sie bieten an, dass Betriebsärzte die Beschäftigten impfen.

Eine wachsende Zahl großer deutscher Unternehmen will in der Corona-Krise die Impfung ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in die eigenen Hände nehmen. Dax-Konzerne wie die Allianz und die Deutsche Telekom sind ebenso bereit, die eigenen Belegschaften durch Betriebsärztinnen und -ärzte impfen zu lassen wie die chemische Industrie, der Mischkonzern Baywa oder die den Sparkassen verbundene Versicherungskammer. "Wir stehen zu unserem Angebot, die Impfstrategie durch einen koordinierten Einsatz von Betriebsärzten zu unterstützen", erklärte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.

Bei der Allianz in München hieß es: "Wir bereiten uns aktuell darauf vor, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an allen großen Standorten in Deutschland die Möglichkeit zu einer Corona-Impfung anzubieten." Die Telekom betonte, dass sie auf Wunsch und mit Unterstützung der Behörden ihre "bewährte Logistik" für die alljährlichen Grippeimpfungen auch für andere Impfstoffe einsetzen könne. Kai Beckmann, der Präsident des Chemie-Arbeitgeberverbands BAVC, sagte: "Wenn voraussichtlich ab April mehr Impfstoff zur Verfügung steht, müssen wir alle Kapazitäten nutzen, um ihn in den Arm zu bringen."

Die Arbeitgeber fordern allerdings noch die Klärung der offenen Fragen. Eine der wichtigsten: Wer zahlt den Schadenersatz für mögliche Impfschäden? Diese Sorge treibt Mediziner ebenso um wie Unternehmen: "Die Haftung für alle im Zusammenhang mit Impfungen möglichen Schäden muss so geregelt sein, dass sie kein Hemmnis gegen eine Impfbeteiligung der Betriebsärzte darstellt", heißt es in einem Papier des Arbeitgeberverbands, über das das "Handelsblatt" berichtete.

Ein Drittel der Impfdosen nicht verimpft

In vielen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden löst der langsame Fortschritt der Impfkampagne wachsenden Ärger aus. Sie warnen vor dem großen volkswirtschaftlichen Schaden wegen des andauernden Lockdowns und der Corona-Beschränkungen.

Aus den auf dem Impf-Dashboard des Bundes veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass bis zum Mittwoch knapp 10,4 Millionen Impfdosen nach Deutschland geliefert wurden, davon aber über ein Drittel - 3,5 Millionen Dosen - bislang nicht verimpft waren. Nach Analyse des Statistikportals "Our World in Data" war Großbritannien bis Dienstag mit 31,8 verabreichten Impfdosen pro 100 Einwohner viermal schneller vorangekommen als Deutschland mit 7,9.

Darstellung: