Blick auf den Parkplatz einer Firma für die Versteigerung gebrauchter Fahrzeuge im Bundestaat Pennsylvania | Bildquelle: AP

Autoproduktion in den USA Keine Liebe für kleine Autos

Stand: 27.07.2020 09:02 Uhr

In den USA ist der Autoabsatz in der Corona-Pandemie um rund 20 Prozent eingebrochen. Besonders Kleinwagen - obwohl günstiger - verkaufen sich so schlecht, dass der Bau vieler Modelle beendet wird.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Wenn Autohändler Sam Lee aus Virginia erklären soll, warum seine Landsleute so gerne große Autos fahren, sagt er: "Hier ist überall Autobahn nur eben mit Tempolimit. Also keine richtige Autobahn. Aber hier sind die meisten Straßen Highways. Anders als in Europa fährt eine Durchschnittsfamilie aus den Vororten ständig über mehrspurige Straßen. Und da möchten sie eben ein sicheres Auto fahren."

Schon vor der Corona-Pandemie hatten Pick-Up-Trucks, also die typisch-amerikanischen Kleinlaster, und SUVs einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Sparsamere und damit klimafreundlichere Kleinwagen kamen nicht mal auf drei Prozent. Die Pandemie hat diesen Trend verstärkt: Dieses Jahr wurden bislang 20 Prozent weniger Neuwagen verkauft als 2019. Bei Kleinwagen ist es sogar ein Minus von 50 Prozent - obwohl viele Amerikaner in der Corona-Krise gerade jeden Cent umdrehen.

Auch Jessica Caldwell vom Online-Auto-Fachmagazin "Edmunds" aus Santa Monica in Kalifornien sieht das Paradox. "Wenn es den Leuten finanziell nicht gut geht und sie sich beispielsweise keinen großen Autokredit leisten können, dann sollte man doch meinen, dass das die Stunde dieser kleinen, günstigen Autos ist. Aber das ist nicht so", sagt sie und blickt pessimistisch auf die Zukunft der Kleinwagen. "Wenn sie es jetzt nicht schaffen, dann schaffen sie es auch langfristig nicht."

Chevrolet und Ford bereinigen Produktpalette

Die US-Autokonzerne denken offenbar ähnlich: General Motors kündigte an, die Produktion des Chevrolet Sonic einzustellen. Dabei galt der sparsame Sonic - in Deutschland unter dem Namen Aveo vermarktet - lange als Symbol für das Comeback des Konzerns nach der Krise 2009. Mehr als 93.000 Sonics verkaufte Chevrolet 2015. Im vergangenen Jahr waren es nicht mal mehr 14.000 Stück. Ford will gleich mehrere Modelle wie beispielsweise den Fiesta und den Focus vom US-Markt nehmen. Und auch Toyota stellt die Produktion seines Yaris in den USA ein.

Benzin ist günstig und mit kleinen Autos sei einfach kein Geld zu verdienen, sagte Michelle Krebs, Autoexpertin aus Detroit: "Diese Kleinwagen bringen kaum Gewinn. Und seit der großen Rezession achten die Konzerne besonders genau drauf, mit welchen Autos sie Profit machen. Und jetzt in der Pandemie, wo sie Geld verlieren, da gucken sie nochmal genauer auf ihre Flotte und darauf welche Autos sich nicht gut verkaufen."

Arbeiter montieren einen Toyota Yaris in einem Werk im nordfranzösischen Onnaing. | Bildquelle: AP
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Der Toyota Yaris - hier die Montage in einem Werk im nordfranzösischen Onnaing - wird bald in den USA nicht mehr gebaut.

Als Gebrauchtwagen beliebt

Dabei gibt es noch einen Markt für kleine Autos: Als Gebrauchtwagen, sagt Autohändler Sam Lee aus Virginia: "Wegen der Rezession verkaufen sich die Kleinwagen gerade besonders gut. Besser als SUVs. Weil sie billiger sind."

Dass irgendwann der Nachschub an gebrauchten Kleinwagen versiegen könnte, das sieht der Autohändler mit großer Sorge: "Echt erschreckend, dass die Hersteller diese Modelle einstellen! Leute, die aufs Geld achten müssen, die gucken auch auf den Verbrauch und die werden auch weiter kleine Autos kaufen wollen, so wie die Europäer. Für diese Mittelschicht, für die sind das echt schlechte Nachrichten."

Das Siechtum der traditionellen Kleinwagen heißt übrigens nicht, dass umweltfreundlichere Autos in den USA generell nicht nachgefragt werden: Die Elektro-Autos von Tesla gehen so gut, dass der Konzern trotz Corona jetzt zum ersten Mal ein ganzes Jahr mit Gewinnen abgeschlossen hat und nun ein weiteres Werk baut. Und Toyota verkauft gerade mehr SUVs vom Typ RAV 4 mit Hybridantrieb als mit Verbrennungsmotor.

Auch ein Corona-Opfer? Immer mehr US-Autobauer stellen Kleinwagen ein
Julia Kastein, ARD Washington
27.07.2020 07:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 27. Juli 2020 um 11:51 Uhr.

Korrespondentin

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