Ein Facebook-Mitarbeiter vor dem Logo der Firma im Silicon Valley, USA | Bildquelle: AFP

US-Technologie-Branche Wen wählt das Silicon Valley?

Stand: 26.10.2020 13:32 Uhr

Dem Silicon Valley eilt der Ruf der Innovation und des Glaubens an die Zukunft voraus, was wenig zum Weltbild von US-Präsident Trump zu passen scheint. Doch wählt man in der Tech-Branche tatsächlich automatisch Biden?

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, z. Zt. in San Francisco

Dem Silicon Valley sagt man nach, es sei links und bevorzuge die Demokratische Partei. Was dabei leicht übersehen wird: In der Tech-Branche gibt man sich auch gerne mal libertär statt liberal, was einen eher zum Unterstützer des US-Präsidenten macht. Fakt ist aber auch: Donald Trump spricht über das Silicon Valley meist nur negativ.

"Twitter gibt sich in bestimmten Momenten als neutrale Plattform, in Wirklichkeit ist es aber eine politische Plattform, mit einer festgefügten Meinung. Das, was sie auf Fakten überprüfen, zeigt, dass sie politische Aktivisten sind. Und das gehört sich nicht."

Trump so unbeliebt wie nie zuvor

Untersuchungen haben gezeigt, dass er mit seiner Behauptung falsch liegt. Trotzdem ist eines gewiss: Trump ist im Silicon Valley so unbeliebt wie nie zuvor. Die Zahl der großen Unterstützer lässt sich jedenfalls an einer Hand abzählen. Da ist der Oracle Mit-Gründer Larry Ellisson. Er soll mehrere tausend Dollar für den Trump-Wahlkampf gespendet haben. Ebenso seine Nachfolgerin als Chefin von Oracle, Safra Catz. Aber dann wird die Luft schon dünner.

Vor vier Jahren hatte sich noch der deutschstämmige Investor Peter Thiel als Unterstützer von Trump geoutet. Beim Parteitag der Republikaner sagte er damals: "Ich stimme nicht mit jedem Punkt unserer Partei überein. Aber falsche Kulturkämpfe lenken uns nur von unserem wirtschaftlichen Niedergang ab. Keiner ist hier wirklich glaubhaft, außer Donald Trump." Doch das ist Vergangenheit. Thiel hat dieses Mal nichts gespendet.

Spendengesetze legen Parteipräferenz offen

In den USA müssen Spenden für Parteien und politische Kandidaten offen gelegt werden. Dadurch lässt sich relativ einfach zuordnen, für welchen Kandidaten die Angestellten der Tech-Unternehmen im Silicon Valley gespendet haben. Und hier könnten die Verhältnisse nicht eindeutiger sein: Fast fünf Millionen Dollar haben die Tech-Angestellten in den vergangenen Monaten an Joe Biden gespendet, nur rund 250.000 Dollar an Donald Trump.

Die meisten Unterstützer für Biden finden sich bei Netflix, dem Grafikkartenhersteller NVidia, bei Google, Microsoft und Apple. Am konservativsten ticken die Angestellten des Datenbank-Unternehmens Oracle. Doch selbst dort haben 67 Prozent der Spender mit ihrem Geld Biden unterstützt, lediglich 33 Prozent überwiesen Geld an Trump.

Schaut man sich die größten Pro-Biden Spender an, wird das Bild noch klarer: Facebook-Mitgründer Dustin Moskovitz hat 22 Millionen Dollar in Anti-Trump-Videos gesteckt. Beim ehemaligen Google-Chef Eric Schmidt war es eine Dreiviertel Million Dollar.

Keine "Hippies" im Silicon Valley

Doch aus der schwindenden Zahl der Trump-Unterstützer den Schluss zu ziehen, das Valley sei nach links gerückt, hält Katharina Borchert vom Browser-Hersteller Mozilla für falsch. Borchert ist eine der wenigen deutschen Top-Managerin im Silicon Valley und stellt klar:

"Davon auszugehen, dass im Silicon Valley nur super linke politische Hippies leben, ist falsch. Das Gegenteil ist richtig. Das Silicon Valley ist voll von Geschäftsleuten, die ihren Profit maximieren wollen und denen sich politische Ansichten oft unterzuordnen haben."

Kalifornien: Wer ist eigentlich Pro-Trump aus der Tech-Branche?
Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, z. Z. in San Francisco
26.10.2020 13:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 26. Oktober 2020 um 13:48 Uhr.

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