Ein Mitarbeiter putzt auf der Autoshow in Detroit die Fenster der ausgestellten Fahrzeuge. | Bildquelle: AFP

US-Autobranche Unsicherer Blick auf 2019

Stand: 16.01.2019 19:03 Uhr

In Detroit werben Autohersteller derzeit mit ihren neuesten Modellen. Doch viele Konzerne - auch in Deutschland - blicken unsicher auf dieses Jahr. Wie verlässlich sind die USA als Handelspartner?

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Autobranche in den USA freut sich über Rekord-Verkaufszahlen, trotzdem hängt bei der Detroiter Autoshow Unsicherheit in der Luft. Analysten gehen davon aus, dass in diesem Jahr die Zahlen sinken werden.

Ford-Chef Jim Hackett versuchte sich in Optimismus: "Ich denke, das Autogeschäft wird solide sein. Die Wirtschaft generell hat Anzeichen, die Unbehagen auslösen. Aber es gibt keine Kennzeichen einer Rezession." Ford selbst hat genügend Baustellen: Der Konzern kämpft mit seinem Europa-Geschäft, helfen soll ein Sanierungsprogramm, das voraussichtlich mehrere Tausend Stellen kosten wird.

General Motors hat sich von einem Europa-Geschäft rund um Opel bereits getrennt. Das Unternehmen will trotz guter Zahlen weitere Fabriken in den USA schließen. Hinzu kommen Sorgen um China, wo weniger Autos gekauft werden.

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Wie stabil kann der Markt trotz Handelskonflikt sein?

Für die deutschen Hersteller verbreitete Klaus Bräunig vom Branchenverband VDA Optimismus: "Wir haben letztes Jahr 16,5 Millionen Fahrzeuge weltweit abgesetzt. Wenn wir mit stabilen handelspolitischen Rahmenbedingungen in diesem Jahr rechnen können, besteht durchaus die Chance, dass die Deutschen die 17-Millionen-Marke knacken können."

"Stabile handelspolitische Rahmenbedingungen" - das klingt wie Wunschdenken angesichts der Politik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Sie liefert sich mit China einen Handelskonflikt, der auch deutsche Hersteller betrifft, die in den USA für den chinesischen Markt produzieren. Hinzu kommt die Drohung der USA, die Zölle für Autos zu erhöhen - diese zielt auf die Europäer und besonders auf die Deutschen. Bräunig warnte:

"Am Ende verlieren alle. Und wenn sie jetzt die Herausforderungen für den Automarkt in China und den USA betrachten, dann hängen viele Unsicherheiten an dieser nicht klaren handelspolitischen Entscheidung. Ich glaube, je stärker wir hier präsent sind und deutlich machen, was wir für den Wohlstand der Amerikaner beitragen, desto eher lässt man auch solche Maßnahmen sein."

Drohende Zölle belasten Zukunftsprognosen

Erst kürzlich waren Spitzenvertreter von BMW, Daimler und Volkswagen im Weißen Haus, um vor den Zöllen zu warnen und auf das eigene Engagement in den USA hinzuweisen. Alle drei Hersteller wollen hier weiter investieren.

Auch die deutschen Zulieferer produzieren hier, so wie ZF Friedrichshafen. Das Unternehmen beschäftigt in den USA rund 13.000 Mitarbeiter. Vorstandsmitglied Michael Hankel warnte vor neuen Zöllen. Sein Ausblick auf das neue Jahr: vorsichtig. "Es gibt mehrere Einflussfaktoren, die wir erst in zwei, drei Monaten wirklich abschließend bewerten können. Von daher stellen wir uns auf unterschiedliche Mengenszenarien ein, sind aber trotzdem der Auffassung, dass es keinesfalls eine Krise wie vor zehn Jahren sein wird, sondern das anders ausgesteuert werden wird." Vom Mitbewerber Continental etwa hieß es aber bereits, die Party sei vorbei.

Ein Grund für gedrückte Stimmung hier in Detroit ist auch die Zukunft der traditionsreichen Autoshow: Sie findet zum letzten Mal statt, weil sich immer mehr Hersteller abgemeldet haben. Im nächsten Jahr soll es eine Neuauflage im Sommer geben. Dann ist es in Detroit zwar erheblich wärmer, aber die Leitfunktion der Messe ist in Gefahr, die sie zum Jahresbeginn immer hatte. 

Autobranche rüstet sich für ungewisses Jahr
Jan Bösche, ARD Washington
16.01.2019 18:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Januar 2019 um 17:41 Uhr.

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